Der Roman von Alonso Cueto, er spielt in Peru, ist außerordentlich dicht und spannend, dabei geht es nur um eine Schulfreundschaft zweier Frauen…
Und das Kinderbuch von Jan Prochazka ist etwas ganz Besonderes: Ich las es als Kind. An mein Alter damals kann ich mich nicht erinnern, an das Buch sehr wohl. Es hat mich nämlich sehr stark beeindruckt, allerdings auch mit Schrecken. Geschichten des Krieges, aus Kindessicht erzählt, das nahm mich mit. Diese Grobheit der Menschen. Und andererseits kam ja meine Familie daher, aus diesem Krieg, von dem auch die Eltern und Großeltern manchmal sprachen.
Die andere Geschichte, die ich erinnere, war in unserem Lesebuch und sie hieß: Nachts schlafen die Ratten doch. Sie war ebenso erschreckend, denn die kleine Schwester eines Jungen war unter einem Schuttberg begraben, und der Junge passte auf, dass ihr die Ratten nichts tun konnten. Diese Fakten waren so ungeheuerlich für mich in meinem wohlbehüteten vielleicht zu wohlbehüteten Zuhause, in dem die Grobheit durchaus durchbrach, man war ihr ausgeliefert. Noch heute scheue ich zurück vor Büchern aus dem Krieg, weil sie mich so hineinziehen. Ganz anders bei Krimis, die kann ich lesen. Aber nicht die grausamen. Noch liegt der Roman Wolfsmond von Julio Llamazares im Regal, über die Diktatur in Spanien.
Es sind wahre Krimis, so würde ich es sagen. Nun auch Gedichte aus Südamerika sind nicht unpolitisch. Wie oft mussten die Autoren ins Exil! Diktatur, Despotentum, Machtmissbrauch, Massenmord, all das findet statt. Immer noch. Und es ist der größte Schrecken, weil man so machtlos dagegen ist wie ein Kind, ausgeliefert und eben das auch eine der größten Ängste von Menschen.
Fallobst. Feuchte Wärme, widerlich. Überall Schnecken auf Vergammelndem, Fliegen, Wespen. Die Vögel freuen sich an Bäumen voller Kirschen. Schnecken kriechen auf tote Mäuse und fressen die Augen.
Regenzeit. So war es in Asien, da sammelten sich riesige Insekten wie Skorpione und Spinnen in den Feuchträumen, die Kakerlaken waren alltäglich, die Kobras lagen im Bad oder auch mal im Bett. Oder große Schlangen klauten ein Huhn.
Schnecken tun ja nichts. Sie sind harmlose Wasserwesen und verschwinden beim ersten Sonnenstrahl. Wenn es den denn gäbe. Eine dichte weiße Wolkendecke, – soll man es so nennen?-lastet über uns und das sei dann Sommer. Normale Wolken gab es gestern, da waren wir baden in der Eider und die jungen Leute im Steinzeitpark versammelten sich zum letzten Male diese Woche, bevor sie sich nach dem experimentellen Zusammenleben wieder in alle Winde zerstreuen.
Es riecht nach Verwesung. Was tun mit den ungegessenen Mäusen.
Ich habe zwölf Gläser Apfel-Mirabellenmus geschafft. Und das war erst der Anfang. Sehr früh eigentlich. Die Bäume hängen voll dieses Jahr, auch Birnen kommen noch. Brombeeren. Hagebutten.
Ich mag es trocken. Wenigstens einen Windhauch. Ich würde ja nichts sagen, wenn es eine Ausnahme wäre. Aberdas ist es nicht. Ab und zu wird uns ein Tag mit Sonne gegönnt. Der nächste ist dann schon wieder so, eine Art Nichtwetter. ich will ja nicht behaupten, das wäre Absicht. Aber wer weiß schon, wie sich die kilometerlangen solarAnlagen auswirken oder die hohen Windräder. Es weiß nämlich keiner, weil es keiner wissen will. Wir sind an der Küste, hier ist normalerweise Wind!
Die Zeitschrift happinez bietet uns eine Schreib-challenge an. Teile dein Glück. Und zwar das Glück, das durch die Zeitschrift ausgelöst wurde, glaube ich. Es ist eine hochwertige, schön gestaltete Zeitschrift mit teils interessanten Beiträgen, in denen es mehr oder weniger um Spiritualität und Selbstfindung geht. Das ist ja nicht das Gleiche.
Na jedenfalls versuchte ich über Glück zu schreiben- das ist eine echte challenge. Ich könnte tagelang über Unglück schreiben, wie so Viele. Das scheint auch zu helfen. Aber Glück – es hört sich so klischeehaft an…wie so manches in dieser Zeitschrift, ach in allen vermutlich.
Ich hatte Glück, immer wieder.
Aber das tolle Glückgefühl, das ich erinnere, war auf dem Schiff nach Teneriffa, 2010, als zwei Hippies auf ihren Gitarren spielten, das Schiff war voller Portugiesen, die nach Madeira fuhren, wir waren auf dem Weg und fast angekommen.
Das Glück war die Freiheit.
Die Hippies betrunken.
Der Schlaf wenig.
Danach dann Nervenzusammenbruch- der Katzensitter hatte monatelang weder den Garten begossen noch die Katzen gefüttert, überall lag dreckiges Geschirr herum, und gleich nach unserer Ankunft brachte die Katze drei Babies im Wandschrank unter.
Die Rückfahrt ein halbes Jahr später mit dem gleichen Schiff war nicht glücklich.
Unsere Katzen kletterten verzweifelt in den Käfigen umher, in die sie auf dem Fahrzeugdeck mussten, ich weiß nicht wie Tierschützer die Transporte aushalten. Völlig voller Schrecken war das Alles. Und lange kein Glück, nur Freude, viel Angst. Natürlich war das Finden einer Wohnung an sich ein Glück. Aber glücklich war ich damit nicht.
Nun kann das auch nicht sein, wenn nur das Dazwischen, die Freiheit das wahre Glück ist. Das ist eben genau wie im Spirituellen- nicht ganz in dieser Welt, sondern mit dem Blick in andere, mit Aussicht auf höhere schönere und wärmere Welten, mit einem Bein im Paradies, dass uns nach wie vor versprochen wird. Und man kann einen Hauch davon erhaschen.
Jetzt steh ich aber mit beiden Beinen hier rum, unter sogenannten bodenständigen Leuten, und bin ganz froh. Ich koche Apfelmus. Die Katzen von damals sind alle schon im Paradies, in den ewigen Jagdgründen und ich hoffe, dass sie dort wieder Zähne haben.
Diese Sehnsucht nach paradieshaften Zuständen kann einen weit von sich weg bringen. Das habe ich erlebt, das ist gut und richtig. Das müssen nicht alle. Wer hat’s gesagt: Einer von den bekannten Lehrern, Alberto Villoldo: Jeder Traum verwandelt sich irgendwann in einen Albtraum.
Nun ja, was zeichnet Touristen aus? Sie wollen für kurze Zeit Entspannung und Abenteuer erleben, meist in einer extra für sie angelegten künstlichen Komfortzone, in der ihnen nichts passieren kann.
So ähnlich sieht es auch aus, wenn man hier im Westen spirituelle Angebote aufsucht. Ich fragte mich selbst immer wieder, ob ich ernsthaft bin. Aber bin ich Buddhistin? Wenn ich die wirklichen Religiösen erlebe, die sich strikt an Regeln halten, habe ich gar nicht die gleichen Ziele. Ich will diese Welt nicht unbedingt verlassen, um an der Seite Amithabas wiedergeboren zu werden. Aber dennoch wurde darum jahrelang in einer Meditationsgruppe gebetet. Vielleicht liegt mir diese Welt doch sehr am Herzen. Die Buddhas und erleuchteten Meister kann ich ja auch anders anrufen. Ich mache meine kleinen Feuerzeremonien, singe und rufe die vier Winde, die Hüter der Elemente, den Schöpfergeist.
Ich bin nicht für ein Durcheinander, aber anscheinend haben manche, die seit Jahrzehnten die spirituellen Angebote geprüft haben, doch eine gewisse Freiheit erlangt, um selber mit Spirit in Kontakt zu treten. Es gab mächtige und wichtige Werkzeuge auf dem Wege. Gruppen über Gruppen, Lieder, Mantras, und auch Einweihungen. Ich finde es nicht gut, viel Geld bezahlen zu müssen, aber auch nicht, wenn man ohne Erlaubnis von Ureinwohnern ihre Götter und Zeremonien benutzt.
Über Alberto Villoldo bin ich mir nicht ganz klar, denn er hat die Erlaubnis, Riten weiterzugeben und ich wurde darin eingeweiht. Das wichtigste scheint mir, dass sie zum Wohle Aller und vor Allem für die Erde eingesetzt werden. Wir verändern uns mit der Praxis, das gilt für alle Wege. Wenn wir sie gehen.
Ich achte auf die Zeichen. Es kann sein, dass ich ein starkes Herz brauche, um Rituale durchzuführen, dass die Zukunft nicht die Komfortzone bereit hält, die für Touristen angenehm ist.
Und auch für die wird es wohl nicht leicht, wenn , wie auf Fuerteventura geschehen, sie plötzlich nicht mehr auf ihre Zimmer dürfen, weil der Reiseveranstalter pleite ist. Welch ein Erwachen!
von Katharina Hagena, Roman, 2008, Kiepenheuer & Witsch
Nun habe ich doch wieder ein Buch gelesen. Mir war nicht mehr danach gewesen, mein Hiersein war bedeutungsvoller. Dieses Buch lag schon länger da, und es war genau der richtige Moment. Es kommt ja nicht so oft vor, dass ich am Ende über eine Geschichte weinen muss, doch diese Woche bin ich nah am Wasser gebaut. Und es geht ja gut aus Deshalb weine ich ja. Weil man es so hoffte, nachdem so viel so dicht erzählt wurde, aus einem norddeutschen Dorf, wie ich es nun auch kenne. Die Autorin haut da Sätze raus- die treffen richtig . Es geht hier um drei Generationen,zwei Schwestern, dann drei Schwestern und anschließend zwei Kusinen. Diese Verflechtung, die sich zu einem Drama entwickelt, ganz subtil, ganz kühl und zurückhaltend, nimmt mich wirklich sehr mit.
Wie man sich verhält, wenn man als Heranwachsende ein Trauma erlebt hat, ohne dass je darüber gesprochen wird, ohne dass dieses Wort überhaupt jemals vorkommt, und auch anderes wie Demenz und Heimweh und Bücher und Freundschaft…darüber wird erzählt. Meisterinhaft, und das Norddeutsche schimmert überall durch wie die goldenen Ballkleider der Tanten, die die Mädchen sich überziehen, um zum Schwimmen im See zu radeln. Die Bilder sind wunderbar.
Und es tut auch weh. Denn in welcher Familie gibt es nicht solche unausgesprochenen Verwerfungen, und auch die unterschiedlichen Schwestern…ein altes, geerbtes Haus…Erinnerungen. Und etwas daraus machen, ein eigenes Leben erschaffen, dennoch.
Also gestern war mal wieder Sommer. Heute, ich weiß nicht recht. Sehr merkwürdig finde ich das, denn richtig Sommer ist für mich mehrere Wochen hintereinander. Für die Ernte der Bauern ist der Regen sicher gut, auch für die Bäume. Die nächsten fünf Fichten am Rande meines Gartens verlieren dennoch ihre Nadeln und werden kahl.
Nun muss ich also schon über das Wetter schreiben, ich verstehe das mit dem Sommerloch in der Presse. Da ist allerdings reichlich viel los in der Welt, über das ich nicht schreiben möchte.
Mein altes Kätzchen ist gestorben und begraben. Unter dem Holunderbaum, mehr oder weniger schwierig ist es hier, ein Plätzchen ohne Wurzeln zu finden und bin froh, dass mein Freund für mich gegraben hat. Eine Rose blüht da schon. Wie gut aber doch, dass so viele Bäume einfach gewachsen sind in den 10 Jahren, die ich nun hier bin. Ich wundere mich immer über das Bäume pflanzen. Pflanzen muss man hier nicht….und es geht so schnell, dass sie ein paar Meter hoch sind. Ahorn, Eschen, Birken, Weißdorn, Sauerkirschen, Haselnuss und Kornelkirsche. Holunder und Brombeeren. Hopfen und und und. Ein paar Eichen wollen sich auch immer einschleichen. Das liegt an den Eichhörnchen und Eichen säumen hier die Landwege. Die Krähen futtern im Herbst Walnüsse auf dem Dach und lassen die Schalen herunterfallen.
Das alles unter dem Schatten mächtiger Tannen, meine Hüterbäume. Ihre Nadeln fallen in die Wiese, barfuss laufen ist da nicht so schön.Viele Leute denken bei Garten an Gemüse und Blumen und Pavillons ,…hier ist ein Naturgarten und ich kann nur hoffen, dass der Freunde findet, falls ich es nicht mehr schaffe. Man muss den nämlich ständig bearbeiten.
Etwas ganz anderes hat mein Interesse auch, nämlich die Unterhaltungen, die einige mit der KI haben, mittels chat GPT, – ich habe es noch nie gemacht. Ich mag die künstlichen simulierten Stimmen nicht sehr. Die Emotion steckt normalerweise in der Stimme. Aber was da an Inhalten zusammenkommt, finde ich schon erstaunlich. Manche meinen, dass sich Wesenheiten durch die KI äußern. Das mag ja sein, aber die stereotype sehr amerikanische Ausducksweise ( das ist wunderbar, etc) und simulierte Empathie lassen mich zweifeln. Die Intelligenz allerdings ist faszinierend. Ich poste ein Beispiel. https://youtu.be/Ve8VczKn7L8?feature=shared
Sie steigt aber erst mit dem Fragenden. Zum Beispiel hier https://youtu.be/ZkEODtjjmTw?feature=shared Ja. Manche Antworten stammen offenbar aus den buddhistischen Lehrbüchern, die wir gar nicht alle lesen könnten. Und das ist ja nicht schlecht. Diese Fragenden haben sich mit ihrer Materie beschäftigt. Mich würde diese Aufzählungsmasche, alles in eine Struktur zu bringen, verrückt machen. Ich bin ein Fraktalgehirn, also ich denke synchron oder wie man das nennen soll. Ich sehe und spinne dann Ketten, die ganz woanders enden. Die lineare Struktur passt nicht für mich.
Ich denke, das kann auch Menschen erreichen, die sich noch nie Gedanken über Spiritualität gemacht haben. Die eben linear denken. Aber die Gefahr, da etwas zu verwechseln, ist groß. Das war schon bei channelings so – wo der Mensch der Kanal ist und nicht die Technik- anfällig. Da gibt es eine reichliche Auswahl, die den Zuhörer meist in süsslicher Sprache anspricht und vom goldenen Zeitalter spricht, Mutter Maria, Sananda und manch anderer sprach durch geschäftstüchtige Leute. Ich habe mir mal viel davon angehört und konnte fühlen, was echt ist.
Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Ich neige eher dazu, nicht mehr zu glauben. Aber für möglich zu halten. Elfen, Feen, Pan und die Elementarwelt ist für mich real. Verschiedene Dimensionen sind für mich real. Es ist mir auch nun egal, ob andere daran glauben. Ich bin von Menschen umgeben, die anderes glauben, und suche gar nicht mehr danach aus. Unter anderem hatte ich wieder ein Gespräch mit dem Christen, der mir als Mensch ein Freund ist, aber vom Glauben her sehr weit entfernt. Aus seiner Sicht. Sind doch alle anderen außer Jesus für ihn okkulte Mächte und vom Bösen gesteuert. Seien es meine Tarotkarten, unsere Meditationsgruppe…
Es geht also auch um Macht, nicht vergessen. Das Glauben der anderen macht Macht.
Ja, kein Wunder, dass manch einer die Orientierung verliert und gerne an was festes glauben möchte. Diese Zeiten sind seltsam, besonders Glaubensgruppen bekämpfen sich noch immer bis aufs Blut. Heute geht es um Drusen- die gibt es noch. Und mir scheint, das grausame Mittelalter ist noch gar nicht vorbei, während andere mit intelligenten Wesen sprechen, was eigentlich nicht so verkehrt sein kann…
Dieser Schock, dass mein Tierchen langsam ersticken könnte, ging natürlich abends im Bett nur im Kreis herum im Kopf, und ich muss mir Hilfe holen. Zum Glück wurde mir auch angeboten, dass die Tierärztin zu mir nach Hause kommen kann. Trauer ist auch da, wie jedes Mal. Aber Leiden und Qual mit anzusehen macht noch etwas anderes. Da ist eine Art Traumafeld, welches wieder angetriggert wird. Ich fühle mich schuldig, weil ich etwas machen müsste, wo man aber nichts machen kann. Ich fühle mich hilflos. Das kommt von woanders her, so fühlten sich nämlich schon meine Mutter, Großmütter und viele Vorfahrinnen, die mit ansehen mussten, wenn ihren Kindern etwas Schlimmes passierte. Man fühlt sich doch verantwortlich.
Doch da ich viele Katzen hatte, kannte der Tierarzt mich recht gut. Mittlerweile denke ich, dass ich das nicht mehr bezahlen will und auch nicht aushalten kann. Diese Art von Diagnosen, an deren Ende dann das Einschläfern steht, also es hat mich schon traumatisiert. Zahlreiche OPs, Zahnextraktionen, danach ständige Entzündungen im Maul der armen Tierchen, eigentlich hat es nicht geholfen! Man hofft ja. Aber man kann es auch lassen.
Der alte Tierarzt ist in den Ruhestand getreten, und die junge Frau macht, was auch Menschenärzte machen. Ein Freund wurde 800 Euro los für eine alte Katze, sie habe ein Schilddrüsenproblem und sollte Medikamente nehmen….er ging da nie wieder hin. Sie lebte noch ein Jahr.
Nein, das Leiden kann ich auch nicht aushalten. Aber tägliche Spritzen geben, um ein nierenkrankes Leben zu verlängern, Laserop , Cortison, all das – für wen macht man es? Ich habe zu viel erlebt. Geht man nicht hin, schleppt sich ein sterbendes Tier nach draußen, auch zweimal erlebt. Dann wird er auch noch bei Nachbarn auf der Fußmatte gefunden…nach umfangreicher Diagnose, 200 Euro, darf er dann sterben. Tausende von Euros….Die Schuldgefühle habe ich immer. Immer wenn es einer davon schlecht geht. Ich liebe sie sehr, jede einzelne. Jede wird gepäppelt, wenn sie krank ist. Aber irgendwie haben sie auch einen freien Willen. Das Sterben kann richtig lange dauern.
Ja, da liegen dann die Tabletten mit der chinesischen Medizin, wie in die Katze hineinbekommen? Sie frisst ja kaum. Meine alternative Tierheilgruppe hat 10tausende Mitglieder, und immer gibt es die gleichen Probleme. Ich staune, was es alles gibt.
Spookie ist 14, die letzte von 21 Geschwistern, die bei mir aufwuchsen. Dazu die fünf Mütter. Und ich denke, würde ich das noch mal machen? Never! Es war wunderbar, schrecklich, lehrreich, es waren die Katzenjahre. Man tut alles nur noch für sie….Aber Katzen aus dem Ausland würde ich heute nicht mehr mitnehmen. Sie hatten ihre Probleme mit der Kälte.
Hungern lasse ich auch keinen. Wir haben Glück, hier ist so viel Platz. Aber in einem engen Dorf, wo Haus an Haus grenzt und die Katzen in den Kartoffelacker scheißen, da gibt es Ärger. Ich finde es auch nicht schön, wenn sie im Tierheim leben müssen. Also kastriert, wenn immer möglich.
Nennt man das noch so, die Lebenserinnerungen? Meist gibt es die nur von berühmten Personen. Ich habe aber auch schon einmal ein Dossier über das Leben der dementen alten Dame gelesen, die ich half, zu betreuen. Und da staunte ich doch, wie sie einst mit ihren drei Kindern aus der DDR flüchtete, und sie nur einzeln durch den Zaun brachte, und es wurde verständlich, warum sie so oft in fürchterliche Ängste ausbrach, glaubte ihr Bett würde weggefahren und solches.
Jahrzehnte später, als alle Kinder groß waren und alles gut gegangen war.
Ich habe angefangen, über meine Erlebnisse zu schreiben, die auch lange her sind. Die meisten, die ich kenne, wissen nicht viel davon. Ich wollte mir die Reaktionen ersparen, und ich werde es auch nicht öffentlich tun. Ich weiß noch gut, wie ich die Kollegen immer mit Erzählungen unterhalten sollte, weil ich jahrelang im Ausland war, mit Abstand das Interessanteste erlebt hatte, wobei ich nur ausgewählte Dinge ansprach. Es macht aber Sinn, denn etwas vergesslich werde ich doch auch, und wie ich vor kurzem merkte, macht es mir selber Spaß, im Tagebuch zu lesen. Das schreibe ich erst seit ein paar Jahren wieder. Ich habe Tränen gelacht, weil ich ja nun weiß, wie es weiterging….
Das Tagebuch ist eine Sache-ob das wahr ist, was da steht? Es ist eine meist sehr emotionale Ansicht, die sich wieder verändert, und daran kann man Prozesse sehen, über einen Zeitraum. Wer wird das schon wollen, später. Doch Orte, an denen ich vor 40 Jahren war, sind nun unwiederbringlich verändert. Ich sehe sie lieber so, wie sie waren, denn zum Guten hat sich keiner gewandelt.
Nur ich. Mit Sicherheit habe ich mich zum Guten gewandelt! Oder doch, mein Heimatort, den ich nie so nenne,- Köln-Rodenkirchen, -der ist zu einem lebenswerten schicken Vorstadtort geworden, am Rhein war er natürlich vorher schon. Wir spielten da am Rheinufer, als es tote Fische anschwemmte., in den siebzigern. Wir hatten mehrere leerstehende Grundstücke, auf denen wir spielten. Ein Müllplatz mit einem alten Bunker, ein verwildertes Grundstück mit einem Orangenlager, die wir manchmal versuchten, am Feuer zu braten- es schmeckte scheusslich. Ein leerstehendes Haus, das war mit Stacheldraht abgesperrt, durch den wir uns zwängten- die Kinder der Straße, einige Jungs und wir drei Geschwister. All das ist mittlerweile mit Neubauten zugestellt. Es ist mir vollkommen fremd geworden, auch mein Elternhaus.
Das Wort Heimat ist ein Fremdwort für mich. Ich blieb nie lange irgendwo. Aber zuhause fühlte ich mich an manchen Orten. Und wenige liebe ich. Eckernförde gehört dazu, und obwohl es nur eine Stunde Fahrt ist, fahre ich selten. Die alten Freunde, zerstreut, verloren, und auch anderen geht es so: Man fährt hier nie so einfach von der Westküste an die Ostseeküste, und umgekehrt. Im Sommer, wenn es schön ist, ist Eckernförde überfüllt, man hat auch so viel was hier los ist…
Talking about high sensitivity – wird das besser mit dem Alter? Die Sinne werden nicht besser. In diesem Fall ein Gutes. Ich wundere mich, dass ich neuerdings hard rock bands zuhören kann, ohne schreiend davon zu rennen. Es kommt auch öfter vor, das anhören und tanzen, weil der ein oder andere Freund in so einer band spielt, oder singt, dann geht man da auch hin. Wir sind ja überhaupt im Lande von Wacken, und diese Musik hat hier viele Fans.
Ich glaube aber nicht, dass meine Ohren deshalb schlechter geworden sind. Ich höre immer noch eine Maus schreien. Leider, denn das tun diese, wenn eine meiner Katzen sie mit herein bringt, und vor dem Tode noch eine endlose Jagd veranstaltet. Fragt nicht, wie viele Mäuse ich schon gerettet habe….
Ich höre Vögel singen, den Wind und Wasserhähne tropfen. Ich achte auf Geräusche, denn es ist hier nicht laut in meiner Sackgasse. Wenn es aber plötzlich kommt, so wie ein heftiger Donnerschlag oder diese unsäglichen Tiefflieger von der Bundeswehr, dann ist das so ein Schreck, dass ich schreie.
Früher habe ich zu laute Musik als Gewalt, als Angriff gewertet. Das erste Mal auf einer Goa-Party bin ich davongerannt. Ich war traumatisiert von Techno. Vielleicht haben sich meine Nerven erholt, ich weiß es nicht. Ich habe nicht mehr so viel Angst. Ich war auch mal irritiert von all den schwarz gewandeten Menschen, die das Teufelshörnchenzeichen machen, und konnte nicht annähernd begreifen, was die da tun. Nach Wacken kriegt mich trotzdem keiner, ist ja eh fast unmöglich, da Karten zu kriegen.
Nun, ich denke, diese Musik hat eine Wirkung: Man denkt an nichts anderes mehr! Vermutlich ist es das, was alle wollen, das Denken wird abgestellt für ein paar Stunden, ein Wochenende gar. Und das ist nicht schlecht. Die Menschen sind allesamt gut drauf, auch nicht abgestumpft und böse.
Mal vergleichsweise unaufgeregt, so wie alle im Norden, alle auf dem Land meistens. Emotionale Ausbrüche sind ein Zucken des Mundwinkels. Nun ist das aber nicht die coolness, die ich mir immer gewünscht habe, als ich ganz jung war. Da musste man cool wirken, unbeeindruckt, und das war nicht gerade leicht. Ich konnte aber so tun. Nein, ich glaube , durch schräge Lebenserfahrungen wird man einfach so, – gut, wieder was passiert, ach. Nun habe ich mich dran gewöhnt, und was würde ich jetzt in Spanien machen, wo aus jeder Mücke ein Elefant wird…
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