Ungemütliche Gedanken

Heute wachte ich davon auf, dass ein Kater auf den Teppich kotzte, es war sechs Uhr. Ich schmiss den Teppich aus dem Fenster. Im Traum hatte ich gerade Geschirr sortiert, in einer WG, und einem Leben, das mir ganz unbekannt war. Ich wusste aber wohl, wo das Geschirr hingehört, das sich da schon in großen Mengen stapelte.

Von Friedrichstadt gibt es noch einige Bilder, die weniger bunt sind als die Touristenmeile. Die Stadt besteht ja nicht nur aus Geschichte und schönen Kanälen. Ich war gestern noch mal da, als der Buchladen geöffnet hatte und stand lange vor den Regalen. Über einige der neuen Bücher hatte ich schon gehört, und hatte auch keine Lust auf die „Buchladenromane“- es ist wie eine Inflation. Kaum ist Evie Woods bekannt, haut sie jedes Jahr ein buntes Buch raus. Und ähnliche. Romantik für Frauen, mal Bäcker, mal Antiquariat, dann ein alter Schuhmacher und die gleiche Nostalgie wie bei den Mittelalterromanen. Ich nahm dann “ Going Zero“ von Anthony McCarten, und der hat es in sich.

Bin mittendrin nun. Es geht um die totale Überwachung ganz normaler Leute und was alles möglich ist. Im Roman will der Technikmilliardär -(sehr klar wird seine Persönlichkeit dargestellt)…dem CIA sein Programm verkaufen und zwar solche Mittel, die jenseits aller erlaubten Gesetze agieren. Er initiiert ein Experiment mit 10 normalen Menschen, die sich 30 Tage lang unter dem Radar bewegen sollen- unsichtbar werden, unauffindbar. Und nun wird es sehr interessant.

Mir wird da schon fast schlecht, wenn ich bedenke, was wir hier alles über uns preisgeben, und wie genau ein Algorhythmus über jede meiner Gewohnheiten Bescheid weiß. Und wenn es dann noch jemand nicht ertragen kann, keine Kontrolle zu haben, dann wird es gefährlich. Man hat derlei schon in manchen Filmen gesehen, wenn die Jagd losgeht, auch da auf Unschuldige.

Witzig ist natürlich, dass es eine ältliche Bibliothekarin ist, die die Drohnenjäger austrickst und ich bin sofort auf ihrer Seite. Die anderen Testpeople sind nicht so schlau und man kann sich merken, was alles nicht funktioniert, wenns mal gebraucht wird. Am besten nämlich- immer offline gewesen zu sein. Dann existiert man quasi nicht.

Das gelingt mir jetzt nicht mehr, nach so vielen blogs. Es gibt Themen, die ich niemals öffentlich berühre. Aber trotzdem weiß jeder, wann ich wo gewesen bin. Das Buch ist sehr spannend. Ein bisschen denkt man an T.C. Boyle, aber es ist nicht zynisch.

Der jüdische Friedhof wurde übrigens verlegt. Warum, ist mir nicht bekannt. Er ist leer.

Auch in dieser Stadt, die für Religionsfreiheit bekannt war, vorher, passierte das Gleiche wie im ganzen Land. Man soll es auch nicht vergessen.

Wobei mir ein Satz aus dem Buch hängen blieb-„hier in unserem Land können wir das nicht machen- im Ausland allerdings schon.“

https://youtu.be/YDiSxIQeCVk?si=sw59eD8s83tRl-Ny

Manchen wird in unserem Land gekündigt, im Ausland dürfen sie aber sehr wohl arbeiten. Ich fand es gut, von Ulrike Guerot die Infos über die Wahlen in Frankreich zu hören. Sie hat auch wieder eine Anstellung an einer Uni- in Frankreich. Manches ist richtig bedenklich und ungemütlich, wenn man parallel zu diesem Buch sieht, wie Leute verfolgt und verleumdet werden können, das ist keine Zukunftsmusik.

Und es ist selbstverständlich so, dass sich Viele nicht mehr aus dem Fenster lehnen wollen mit ihrer Meinung. „Meinung“ . Was immer das ist, ein Gemisch aus wahren und falschen Annahmen, meistens. Ich bin schon wieder sehr genervt von solchen Diskussionen, bei denen alle bereits manipuliert sind und ein Glück, dass wir hier nur noch über Kunst und uns selbst reden. Dieses Mittendrin stehen, Dazwischen, das zehrt an meinen Nerven. Ich kann Streit oder was sich so anhört, einfach nicht mehr aushalten.

Das Zwischen den Zeilen lesen verstehen wir ja auch, im Gegensatz zu anderen. Und man soll nicht unterschätzen, wie freudig andere klammheimlich Verbotenes tun . So als sei das der wahre Antrieb, oder erlittenes Unrecht anderswo weiterzugeben. Unbewusst, zu vieles. Unerkannt, zu vieles. Ausgenutzt für Macht und Kontrollstreben.

Im März

Schreibeinladung für März 2026 | Wortspende von Irgendwas ist immer https://365tageasatzaday.wordpress.com/2026/03/01/schreibeinladung-fuer-maerz-2026-wortspende-von-irgendwas-ist-immer/

Sie lag nachmittags im Sonnenstreifen quer über dem Bett, er wärmte den Nacken, obwohl noch längst keine Sommerzeit ausgerufen war. Dieser erreichte sie durch die große Fensterscheibe aus dem Südwesten, die Richtung, aus der auch der kalte Wind zumeist aufs Haus traf und den Bäumen ein struppiges Kleid schenkte. Das waren die Koniferen und Fichten, die ein wenig nach Friedhof aussahen, immergrün, und alle anderen noch kahl.

Im Gesicht hatte sie das Gefühl, da sei noch eine Brille, obwohl sie gar nicht da war. Lange gelesen, wieder einmal. Etwas verbissen hatte sie sich in ein Thema verstrickt, und hatte gestichelt, weil ein Freund diese “ Woche gegen Rassismus“ gepostet hat. Warum geht ihr das gegen den Strich, wegen dieser verordneten offiziellen Menschlichkeit, wegen der Schlagworte und Abstraktheit? Weil er sich so stolz gibt in seinem linken Richtigkeitswahn? Viele Menschen auf dem Lande machen ihre Sprüche, die als rassistisch, altmodisch, unüberlegt gelten. Sie selbst als Zugezogene hatte sich auch als von Außen kommend definiert. Hier zählen Regionales, Plattdeutsche Sprache und Tradition noch etwas.

Jahre hatte sie im Ausland verbracht, nie wurde über Rassismus geredet. Das machen nur Gebildete, die gab es da aber auch nicht. Es gab da einen Unterschied, ganz klar. Es waren die weißhäutigen Männer, die in Manila hübsche dunkle Mädchen suchten. Ist das Rassismus, Kapitalismus, Gier, Kolonialismus…und Verachtung, auf beiden Seiten.

Und es sind die gleichen Männer, die zu Hause gegen den Zuzug zu vieler Ausländer , also Männer , die die einheimischen Frauen belästigen, oder das Land verfremden, wettern. Sie verwickeln sich in Widersprüche, doch eine Rede der Ministerin und gut gemeinte Gleichheit Aller, die es niemals gibt, die werden das nicht ändern. In anderen Völkern war sie fremd, das wusste sie und hatte sich daran gewöhnt. Niemals fühlte sie sich zugehörig, auch ihr Land war nicht Zuhause. Nur der Sonnenstreifen, das Bett, die Bäume.

Buch: Gruselig

Das Lied der Kämpferin„- schöner Titel. Gabs im Supermarkt als Mängelexemplar. Es ist eine Science- fiction-Story – von einer Frau, Thema eine Frau, mehrere. Scifi ist nur für die Harten, sagte ich noch zu jemandem. Aber das übertrifft was ich so kannte….Klar ist es Literatur. Sprachlich excellent. Wenn man die genauen Beschreibungen von Grausamkeiten mag, von perversen Umwandlungen, in einer Welt, die keine mehr ist. Ich versuche es zu vergessen, aber das geht leider nicht, wenn man es einmal im Kopf hat.

Die Erde ist da wie immer schon zerstört und einige haben sich vor Jahrzehnten in eine Raumstation gerettet, die wie ein Gefängnis ist. Das Leben dort verändert ihre Körper und sie werden weniger menschlich. Älter als 50 darf auch keiner werden, und es gibt keine Kinder.

Die Rückblicke drehen sich um eine besondere Frau, die magische Kräfte hatte und zwar geht es mehr oder weniger immer um Leben erschaffen. Das alles ist ebenfalls düster und erinnert an Horror, Vampirfilme oder solches Genre, das ich mir nie nie nie angucke. Die Autorin ist aber so gut- sie hat magische Kräfte, dass sie Bilder erschafft, die man nicht vergisst. Man sei also gewarnt, das ist nicht komisch. https://www.wikiwand.com/en/Lidia_Yuknavitch

Auf deutsch finde ich diese biografischen Hinweise nicht, jedoch versteht man nun bei dieser Kindheit, warum die Autorin Lidia Yuknavitch solche Dinge schreiben kann. Sie sind nicht erfunden.

Man mag an T.C. Boyle denken, der auch dazu fähig ist, groteske boshafte Dinge zu erfinden, die aber nie ganz ohne Komik sind. Sarkasmus und etwas Menschenfeindlichkeit dazu. Die spielen immer in unserer Welt und zwar recht gegenwartsnah.

Der Genesis-Plan von James Rollins ist dagegen ein klassischer Spionage-Roman, in dem nichts fehlt…alte Nazis, moderne Agenten, mutierte Tiere. Von Kopenhagen bis in den Himalaya bis Südafrika geht die Jagd, bei der man kaum zu Atem kommt. Ja manchmal weiß man nicht mehr genau, wer wer ist. Und hier werden Experimente mit Menschen gemacht, die auf den Naziplänen basieren, einen besseren Übermenschen zu erschaffen. Also im Grunde der umgekehrte Fall, bevor es nicht mehr zurück geht zum „normalen“ Menschen, was sich nämlich hinterher alle sehnlichst wünschen, wenn es zu spät ist.

Ich finde durchaus in Romanen, dass kluge Menschen sich über dieses unser Menschsein Gedanken machen, nur an entscheidender Stelle scheinen diese Klugen nicht zu existieren. Der Optimierungswahn ist immer noch im Rennen, der Wettbewerb ist grausam und es ist nur zu hoffen, dass junge Generationen dem nichts mehr abgewinnen können. Es ist nur schade, wenn sie einfach dabei so scheitern, dass sie Schaden nehmen.

Aber wer liest schon Romane….

Day By Day

Die Krötenkönigin ist not amused. Tag für Tag hockt sie nun auf diesen Steinen und wartet, dass sie wieder hinaus kann. Ihre Krone hat den Glanz verloren, ganz im Gegensatz zu derjenigen ihres Gatten, des dunklen Unterweltkönigs.

Warum überhaupt achten alle nur auf den Glanz der Krone anstatt auf wahre Weisheit. Nun, immerhin versucht sie, einen gewissen Einfluss auf ihn auszuüben, der in seiner Eitelkeit ein wenig achtlos und unbedarft erscheint. Dabei geht es ihm durchaus um Macht, wollte er nicht gar die Prinzessin ehelichen! Dass er schon eine Frau hatte, kam niemandem in den Sinn.

Haha, doch als sie dieser Prinzessin im Traum den Rat eingab, ihn einfach an die Wand zu schmeißen, da wurde gar – kein Prinz aus ihm! Jedenfalls kein Mensch. Nun gut, Jeder muss seinen Platz kennen und dort am besten wirken.

Auf der Mesa wird ein jedes Wesen geehrt, und deshalb hockt er da. Er ist ein Vertreter der Wasser Wesen, und findet es auch nicht gut, dass immer nur seine Frau als die Weise Alte gilt. Er ist ja auch so alt.

Man kann an dem Brunnen vor dem Tore auch erst mal durch das Tor gehen, vielleicht tun sich neue Welten auf.

Buch: Das Lied meines Vaters

Von Andreas Hauffe, 2014,Roman, UNIVERSO

Das bescheiden wirkende Büchlein hat es in sich. Die Superpreisleistung besteht in einem hochkarätigen Inhalt. Die Geschichte beginnt mit dem Sohn, der seinen Vater nicht kennt, und erzählt dann parallel die Geschichte des Vaters, bis sich die beiden dann begegnen.

Das wird von kapriolenhaften „Zufällen“ begleitet wie ein choreografierter Tanz. Und richtig spannend! Mir ging sie nahe, diese Geschichte. Sie spielt in Köln, meiner Heimatstadt, und zwar in den Siebzigern, als der Vater Musiker in einer band war. „The dark side of luck“ heißt das Lied, welches er komponiert hat und das so erfolgreich wurde. Nur war ihm das nachher ganz egal, denn die Liebe spielt ein komplizierteres Lied, und so weiß zunächst der Sohn gar nichts von alledem. Erst als er selbst mit achtzehn Vater wird, macht er sich auf die Suche.

Das Buch reiht sich ein in die Erzählungen, von anderen über die Hippiezeit, es geht aber eher um Musik. Und zugleich werden politische Ereignisse der damaligen Zeit am Rande sichtbar, wodurch einem klar wird: Damals gingen die Berufsverbote gegen die Linken- einen Kunstlehrer von mir traf es auch- , es gab Terrorismus und Proteste und wilde Zeiten!

Uns wird im Laufe des Lesens immer mehr Verständnis für die Personen gegeben, ebenso wie sie dieses füreinander entwickeln. Das ist ein Prozess, und auch der Titel des Liedes könnte fast der Buchtitel sein. „Luck“ ist nicht das gleiche wie „happiness“, auch wenn beides mit Glück übersetzt wird.

Oder ist „luck“ das Schicksal, der glückliche Zufall, der eben auch Tragisches in Gang setzen kann. Kein Leben kommt vermutlich ganz ohne beides aus. Immerhin beschert der Erfolg des Liedes einen gewissen Geldsegen.

Ha, es gibt noch mehr Bücher dieses Autors! Schwupp, habe ich mir wieder eines bestellt…gebraucht, alt, egal. Superpreisleistung. Und Kinderbücher hat er auch geschrieben-. Der entsprechende leise vielleicht auch ganz leicht dunkle Humor stellt sich einfach im Roman viel eher ein als im echten Leben…

Schreib-Etüden

Februar 2026, initiiert von Christiane, mit der Wortspende Putzmacher- spitzfindig-abkupfern

Charlotte

Charlotte wurde geboren als eine von fünf Schwestern. Die Eltern hatten ein Milchgeschäft. Das Mädchen bekam einen edlen Namen, der alsbald zu Lotte abgekürzt wurde, ebenso wie Grete, Klärchen und Martha und Liese. Im Alter von acht Jahren wurde Lotte zu einer unverheirateten Tante gegeben, die einen Putzmacher -Laden führte. Das hat mit dem Putzen, wie wir es heute sagen, nichts zu tun. Sie stellten Hüte her und allerlei Tand, mit dem sich Damen zu schmücken pflegten. Schöne Stoffe und Glitzerwerk fanden sich dort. Spitzfindig wurden die Entwürfe aus den ersten Modemagazinen abgekupfert, um immer auf dem neuesten Stand zu sein, auch wenn man dem Stand der Reichen und Adeligen nicht angehörte.

Dann starb die Tante.

Lotte, wie sie ihr späterer Mann Hermann immer nannte, musste wieder Kühe melken. Doch sie wusste ihr erworbenes Können anzuwenden und nähte…wunderschöne Kleider, mit denen sie sich des Abends heimlich fortstahl, um auf den Dorftanz zu gehen. Zum Melken musste sie in der Frühe wieder zurück sein, nach einem langen Fußmarsch im Dunkeln.

So begegnete sie dem Müllergesellen Hermann, der noch auf Wanderschaft durch die Lande war, die schöne Charlotte aber nicht vergaß und sie heiratete, als er eine Mühle zur Anstellung bekam.

Zeit ihres Lebens nähte Charlotte Kleider und brachte dies auch ihren beiden Töchtern bei. Die Jüngere, Elsa, nähte für ihre beiden Töchter noch viele Jahre die Kleidchen, bis dies aus der Mode kam. Die trugen dann Jeans und nie mehr Kleider.

Charlottes Schwestern blieben in Wuppertal und die Familie widmete sich der Bordürenweberei, die zum Aufputzen beitrug. Viele Röckchen wurden nach Familienbesuchen mit Litzen und Spitzen verziert.

PS: Auf den Fotos meine Oma Charlotte und Opa Hermann, sowie Oma mit mir und meiner kleinen Schwester

Ein Versuch

Ich beteilige mich zum ersten Mal an den Etüden von Christiane, ein Versuch.

Pia schreibt jeden Morgen. Sie hat eine Gruppe, die schon auf ihre zynischen Texte lauert, die alles und jeden durch den Kakao ziehen. Dabei ist Kakao eigentlich ein zu schönes Getränk, um das unangenehm zu finden. Immerhin ist er süß. Pia jedoch ist bitter. Vielleicht braucht sie deshalb den Kakao. Die Verbitterung mancher Leute wird immer ausufernder, sozusagen wie ein riesiges Gewohnheitstier, mit dem sie ihre eigene Verfassung rechtfertigen.

Es klingt schon oft so, als würden Politiker und überhaupt jeder, der glaubt Polarlichter seien etwas Natürliches statt von Haarp erzeugt, oder an was auch immer glaubt, dies absichtlich alles erzeugen, um sie zu erzürnen. Erzürnung ist ein Gefühl, das man gegen Jeden einsetzen kann. Es bewahrt sie davor, womöglich ihre Bitterkeit zu erkennen, die sie mit Humor verwechselt.

Aber vielleicht würde eine Kakaozeremonie helfen. Das ist seit einiger Zeit in anderen Kreisen en vogue, in exklusiven spirituell angehauchten Zirkeln. Dort ist der Kakao nämlich bitter, echter Kakao besonders zubereitet, und bekanntlich hilft Gleiches gegen Gleiches im Prinzip des Heilwerdens.

Ich gebe zu, dieser Text ist auch schon leicht erbittert…

Bücher

Immer wenn jemand den Keller ausräumt, dann wird mein Freund zum Entrümpeln bestellt. Und wenn dabei Bücher anfallen, landen die bei mir. Unter anderem…ER liest nicht.

Ich lernte schon früh den Unterschied zwischen Literatur und Trivialliteratur. Unter letztere Kategorie fielen sicher auch die Hanni und Nanni Romane , die ich als Kind verschlang. Und ebenso die „readers digest“- der Name sagt es schon- Bände, die in ordentlicher Reihe im Regal meiner Großeltern standen, die eben eigentlich keine Leser waren. Diese leicht verdaulichen Geschichten las ich dort begeistert, wenn wir zu Besuch waren. Es war in den Sechzigern, und die, die mir gestern auf den Tisch fielen, sind aus den Achzigern. Gelacht habe ich schon heute früh, als ich die „Kurzfassung“ von Romanen entdeckte, dabei Gerald Durrell mit “ Nichts als Tiere im Kopf“. Wie gern ich das vielleicht als Kind gelesen habe? Ich erinnere mich da nur an die Alexandria -Trilogie von Lawrence Durrell, die wiederum bei meinen Eltern stand, die hatten aber eher kein Bertelsmann-Abonnement.

Täglicher Schreibanreiz
Zähle fünf Dinge auf, die du tust, weil sie dir Spaß machen.

Von dem verstand ich nicht viel. Aber sie gefielen mir, so exotisch. Erst durch die Familiengeschichte der Durrells, die ich als Film sah, habe ich gelernt, dass auch Gerald Durrell Bücher geschrieben hat.

Ich bin verwundert, „Neger“ war auch Anfang der Achziger noch ein ganz normales Wort. Ich weiß nicht mehr, über was wir uns damals aufgeregt haben, eher über Atomraketen. Wir hörten punk. Bevor es mich nach Indien verschlug, wo ich dann in Asien für einige Jahre nur noch Madonna und Michael Jackson zu hören bekam.

Das waren die neuen Bücher 1978, wie ich eben lernte. Was mir richtig gefällt, ist Iggy Pop, der immer noch auf der Bühne steht mit fast achzig. https://www.arte.tv/de/videos/127030-000-A/iggy-pop/. Wie die Zeit vergeht.

Ich las ein Buch

Es regnet! Ich hoffe nur, es wird richtig stürmisch, damit die Nachbarn, wenn sie betrunken sind, nicht so viele Raketen und Böller abfeuern. Katze Martha will jetzt schon bei jedem Knall in den Keller, Max ist auch nervös. Meine alten Katzen hatten nie Angst. Shiva wird bei jedem Knall bellen und das ist noch schlimmer…

Und ich lebte tagelang ohne ein Buch. Dann ging ich in den Supermarkt, auch da gibt es Bücher, die ich normalerweise nicht mag. Fitzek und Konsorten, solche. Aber dann, in der Ecke mit ein paar Mängelexemplaren, fand ich das richtig gute Buch.

„DAD“ von Nora Gantenbrink, 2021,Roman, rororo.

Es ist ein trauriges Buch über einen Hippievater. Von der Tochter geschrieben. Das Thema gab es auch schon in „Yoga Town“, über das ich dann doch nicht schrieb, weil es mir nahe ging. Das war auch aus Sicht der Tochter geschrieben, noch viel komplexer, und bei beiden geht es um die Frage der Kinder, was ihre Eltern bloß an dieser Hippiezeit fanden, wie sie das erlebten, und warum sie so wurden. Es klingt ein wenig wie eine Krankheit, die natürlich durch die Drogen und so weiter auch bestand.

Aber andrerseits geht es da genau um die Leute, die ich mein Leben lang kenne. Ich weiß, dass Kinder von Hippies nicht besonders glücklich damit waren. Ich bin dann manchmal froh, dass ich keine habe.

Aber es geht auch um mehr, – das eigene Leben leben zu können. Auch die Tochter muss es lernen. Es geht um ungewöhnliche Charaktere, und vor allem das Normale in einer spießigen Provinz. Aus der auch sie entfliehen muss. Das Buch ist wirklich tief und manchmal, ja manchmal ist auch gar nicht mehr dahinter. Kein Geheimnis. Was wir erlebten, läßt sich gar nicht erklären, weitergeben, verstehen.

Diese beiden Bücher machen es ganz gut. Aber wo schreiben wir darüber,…

Wahlfamilie

Nun bin ich also die „Oma“, bei der sich alle Mühe geben, einen harmonischen Festabend zu verleben, und es hat auch geklappt. Es gab verschiedene Differenzen zu umschiffen. Ich stand zwei Tage in der Küche, Familie war übrigens nicht dabei. Keine Kinder, Eltern, Schwester. Sondern eine zusammengewürfelte Gruppe unserer Freunde, die sich jedes Jahr so wiedertreffen. Man kann das eine Wahlfamilie nennen, so wie manche auch von Wahlheimat oder zweiter Heimat sprechen. Da trifft man ja wirklich eine Wahl. Bei den Freunden, wie kommt es bloß.

Einige von ihnen hatten im letzten Jahr eine neue Liebe gefunden, die aber schon wieder passe war. Alle sind singles, bis auf c und mich natürlich, die wir uns sechs Jahre kennen und in der Zeit die verschiedensten Lebensräume zusammen versuchen zu vereinen.

Ich brauche immer jemanden, der die Unterhaltung schmeißt. Dafür gibt es eine perfekte Freundin, die allerdings nach drei, vier Stunden sehr anstrengend wird. Aber so mögen wir sie. Ihr Vater war vor drei Tagen gestorben und wir diskutieren über verschiedene Bestattungsmöglichkeiten.

Cést la vie.

Es wurde Frost, wir waren satt, alle waren froh, nicht allein gewesen zu sein. Aber hat man eine Wahl? Ich wundere mich doch immer wieder, wie ich an diese Menschen gerate, die alle so anders sind, so schwierig im landläufigen Wortsinne, und das ist schon mein Leben lang so. Mit meinen Nachbarn, die glaube ich alle ganz normal sind, habe ich nichts zu tun, Also nichts privates.

Aber man glaubt es vielleicht nur, das mit dem normal. Zumindest wundere ich mich immer, bei allen, wie sie bestimmte Dinge glauben können. Und zwar Propaganda in deutlichstem Sinne. Politisch wie religiös, böseste Hetze in meinen Augen, Unwahrheiten um zu übertreiben,…ach es ist ein Jammer. Und das haben wir an dem Abend weitgehend umschifft.

Übrigens stellten wir zufällig fest, dass sowohl Patti Smith als auch Madonna aus einem streng religiösen Elternhaus stammten, und wie unterschiedlich aber auch sehr auffällig ihre Reaktionen darauf waren. Ich bin natürlich ein totaler Patti-Fan und habe ihr neues Buch bald…

Mit Grausen lese ich von den neuen Gebets-Apps und sonstigen Machtinstrumenten, die in Amerika wieder oder immer noch aktuell sind.

Gestern sah ich dann den Anfang einer Miniserie: „Becoming Karen Blixen“, die mir nicht sonderlich gefiel, aber doch ist das interessant, wie sie ihren Weg ging als Schriftstellerin. Als Mensch so gescheitert…und aus einer Unitarierfamilie, auch streng. Die sind mir erst durch eine Freundin bekannt geworden, die auch damit aufwuchs. Offenbar bewirkt solche Strenge einen riesigen Drang nach Freiheit und ziemliche Unkenntnis, wie man damit umgeht. Auch mir ging es so. Man gerät an die Falschen. Andere werden dennoch weltberühmt! Sie leben die Freiheit inklusive der Einsamkeit für die anderen aus, die davon träumen.

Der Traum vom Leben in Afrika, in Indien und sonstiges Exotisches war damals groß en vogue, mitsamt dem ganzen kolonialen Gehabe. Und da verkauften sich eben solche Bücher gut und wurden kitschig verfilmt. Ich habe übrigens hervorragende Romane über die Kolonialzeit in Indien gelesen, von Indern geschrieben.

Die allerdings wurden damals auch in England in Internaten großgezogen und schrieben auf englisch.

Aber wir kennen ja auch Arundhati Roy, in der heutigen Zeit, die den Finger in die Wunde der Kastengesellschaft legt. Das Exotische ist mitnichten nur bunt und Malerisch. Die Welt so zu entdecken ist in unserer Zeit vorbei…aber wenn man jung ist, ist es schon ein gelebter Traum.

Und ich bin dankbar für alle, die davon geschrieben haben, sie haben mich auf die Reise geschickt.

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