Der Tag der Toten

“ Das schöne Leben der Toten“ , von Milena Moser, Verlag Kein & Aber

Ich bin verwundert, dass ich noch nicht über dieses schöne Büchlein geschrieben habe. Aber offenbar nicht. Von Milena Moser war ich begeistert, seit ich „Die Putzfraueninsel“ gelesen hatte.

Dieses Buch ist eine persönliche Geschichte, ihre Liebe zu dem mexikanischen Künstler, der alljährlich die Altäre zur Feier der Toten aufbaut, eine Tradition im Jahreskreislauf, deren Datum sich nun wieder nähert. Wir erfahren hier auch viel über das entspannte Verhältnis zu den Verstorbenen, den Ahnen und die Verbindung zu ihnen.

Nun hatte ich etwas ähnliches angeregt in unserer kleinen Meditationsgruppe, und wir hatten einen wunderbaren Abend. Alle legten ihre Fotos , die sie zuvor herausgesucht hatten, in einem großen Kreis aus, in der Mitte wollte ich ein despacho errichten. Ich hatte Blätter und die letzten Hortensienblüten mitgebracht, doch es wurde leicht chaotisch. Davon habe ich kein Foto, es ist ja nicht öffentlich. Ich habe meinen Hausaltar.

Wie, chaotisch. Was soll das sein…Lebendig und stets in Bewegung, jedenfalls gibt es hier keine festgelegte Tradition. Außer natürlich, dass jeweils am Totensonntag der Bürgermeister am Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege einen Kranz niederlegt. Da stehen auch ganz schön viele Namen für so ein kleines Dorf. Es liegt direkt gegenüber von unserem Haus. Meine Verwandten sind ganz anderswo begraben.

Die persönlichen Verstorbenen würdigten wir also mit kleinen Erzählungen, und obwohl manche von uns sich seit Jahren eigentlich kennen, fügte das unserem Kennen etwas Tieferes hinzu. Ein offener und ehrlicher Kreis, anders als es oft in den Familien selbst zugeht.

Am Ende gab es ein kleines Feuer in der Feuerschale, wo ein traditionelles despacho ins Feuer gegeben wird, um in der geistigen Welt die Wünsche, Dank und Segen zu bringen.

Das wäre im übrigen eine Tradition aus den Anden gewesen, wie sie mir unter anderem durch Madita Boer bekannt ist ( Der Ruf von Mutter Erde) Aber wie gesagt, bei acht Menschen verläuft das alles ein wenig anders, und dennoch wunderbar. Unser Kai leitete die Meditation in die Stille mit schönen Worten an, und es ergab sich durch alles eine kostbare Nähe.

Feuerritual

Gestern habe ich zum ersten Mal eine richtige Yanantin-Despacho gemacht, soweit das nach meiner Anleitung und den Zutaten so ging. Das Anrufen von Spirits mache ich ja schon viel länger.

Es dauerte eine Zeit, bis ich genau wusste, was ich denn wünsche. Denn es handelt sich um eine Wunsch- oder eine Dankeszeremonie. Und man überlegt besser zweimal, um den Wunsch nicht allzu sehr einzugrenzen. Doch die Absicht ist hier nicht, eine Art Bestellung abzugeben, wie es in manchen Büchern heisst. Die Absicht ist das Eingebundensein im Universum, eine Kommunikation mit allen Elementen, mit Natur in ihren Formen und Namen. Eine Würdigung. Bei diesem despacho werden Blätter verwendet, in diesem Fall einfach aus dem Garten. Da liegen eben gerade so viele herum…es ist November. Am Ende wird alles zu einem Bündel geschnürt, und heute früh habe ich es in der kleinen Feuerhütte verbrannt. Auch das dauert. Erst qualmt es und ich muss raus aus der engen Hütte. Die Nachbarn nebenan bauen an einem carport, da wars etwas laut.

Sehen konnten sie mich nicht. Auf die Idee wären die nie gekommen, was das wohl soll…Ich mache da öfter mal Feuerchen an, auch um steinzeitliche Töpferversuche zu brennen, im offenen Feldbrand, wie es heisst. Da braucht man besseres Holz, als die paar Äste, die ich eingesammelt hatte.

Am Feuer ist immer so ein gutes Gefühl, es wird mal richtig heiß und die Flammen tanzen so lebendig. Die schrillen Sägen, das Baustellenradio, das entlockte mir nur ein Lächeln. Wir sind ja nicht allein auf der Welt. Obwohl ich schon fast am Ende davon lebe.

Mittendrin im Leben.

Webseite erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑