Buch: Großmutters Haus

von Thomas Sautner, Roman, Picus Verlag Wien 2019

Das Buch ist ein hübsche hardcoverausgabe mit Umschlag und Lesebändchen in grün. Waldgrün. Dies ist keine große Geschichte. Es ist eine kleine Geschichte, in der es um das große Ganze geht. Das eigene Leben, die Literatur, die Wahrheit, – Gott und die Wörter.

Es könnte ein Klischee sein: die alte Dame, die im Wald lebt mit Kräutergarten der besonderen Art. Die moderne Hexe aus dem Bilderbuch. Wenn man nicht so genau wüsste, dass es das gibt. Das Umschlagbild des Bandes wird von Cannabisblättern geziert, so dass man durchaus annehmen könnte, es sei ein humorvoller kluger Anstupser zur Legalisierung von Drogen. Aber nein, so platt ist es nicht wie es ausschaut. Es geht nämlich um den richtigen Umgang, mit allem.

Das Intro ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Welt der Bücher, und welche Bedeutung die für manche haben kann, dem echten Leser spricht es aus dem Herzen. Dennoch, aus Sicht der Enkelin jener alten Dame im Wald erleben wir, wie es ist, sich zu sehr in der Parallelwelt anderer aufzuhalten und das eigene Leben eine Nebensache werden zu lassen.

Das eigene Leben als Wert zu erkennen, darum geht es auch. Auf wunderbare, ja märchenhafte Weise erzählt sind hier zwei Wochen, in denen sich das verändert für die junge Frau. Es ist ein mutmachendes, unaufgeregtes Buch. Und so sagt es uns, dass es auf jedes einzelne Wort ankommt, von uns, von jedem.

Es sagt uns auch, dass es heilsame Entwicklung gibt. Was mir am besten daran gefallen hat: Die Sprache.

Die Einfälle. Das Tal der Dichter. Die Beobachtung des Alltäglichen. Die Nebenfiguren. Die Pflanzennamen. Die Abwesenheit von moralischem Zeigefinger. Die Vielfalt der Welt im kleinsten Raum.

Es ist die Geschichte einer Entfaltung.

Ich habs viel zu schnell gelesen. Noch einmal mit Genuss. Zitat aus dem Buch: „Und weil ich das Leben nicht verstand, möcht ich´s einmal noch beschreiben

co) Kayute

Über einen Film

Über das Buch kann ich nichts sagen. Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt von Sven Regener (2013) wurde zu einem Film gleichen Titels (2016). Es geht darin um jemanden, der „abgestürzt“ war,  in der Psychiatrie gewesen war und sich nun aus dem Milieu der Beschädigten wieder ein Leben zurückholt. Genau wird nichts über die Krankheit ausgesagt. Nur dass vermutlich Drogenmissbrauch dazu geführt hat.

Es ist ja eine Komödie. Soweit das möglich ist. Mit wirklich plattem Humor.

Erst denke ich, der Film hat das Thema verschenkt. Karl trifft auf seine alten Kumpels, die immer noch wie die Irren weiterfeiern, und er wirkt dazwischen wie ein Fels in der Brandung. Es stellt sich heraus, dass er das auch ist, denn die anderen werden immer irrer und hüpfen wie die Deppen auf Trip durch die Nächte. das Ganze spielt sich ja in der Szene der Technomusik und ihrer DJs ab.

Charly Hübner spielt den Karl, und durch die prägnanten Sätze kommt doch etwas Tieferes durch die Nebel der oberflächlichen künstlichen Fröhlichkeit um ihn herum. Einerseits will er wieder dazugehören, andererseits hat er mit dem Leiden zu kämpfen, muss auf sich aufpassen und  merkt, was er dazugewonnen hat durch diese Erfahrung.

Leider aber – und so ist es – ist sein Status in der Gesellschaft grundsätzlich abgewertet , als verrückt gelten ja die, welche nicht mehr klarkommen. Deutlich sieht man die „normal Verrückten“, die akzeptiert werden, egal ob Alkohol oder andere Drogen auf dem Tablett stehen. Doch nun sind es diese, die ihn wieder aufnehmen; wie er sagt: die nehmen jeden mit, sogar ein Meerschweinchen, und sogar einen wie mich. Der Satz trifft ins Herz.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, das Selbstbewusstsein braucht lange, um sich zu erholen. Die Selbstverständlichkeit der Identität wurde gebrochen. Das Bild von Realität wurde erschüttert. Aber in der Zerbrochenheit kann man nicht bleiben, man muss versuchen, sich wieder zusammenzusetzen. Und das scheint hier im Film als nicht einfach, aber gelingend, und kann ja durchaus Mut machen.

Die Frage ist, warum will man Mitglied im Deppenzirkus sein….

Die von Sozialarbeitern betreute WG wird als Team vorgestellt, sehr echt,…doch auch die miteinander arbeitenden DJs werden als Team vorgestellt, und der Spielraum der Freiheit ist da recht groß. Ich glaube das ist der Schlüssel. Den Betreuten wird die  Freiheit entzogen. Sie wird ihnen nicht zugetraut.

Sie trauen sie sich selbst nicht mehr zu. Die anderen fangen nicht immer Sinnvolles mit ihrer Freiheit an.

Und jetzt schlage ich doch nicht etwa die Parallele zu unserer aktuellen Entmündigungssituation, nein. Ich bin da halt sehr hellhörig, weil ich durch einen solchen Prozess gegangen bin. Die üblichen Kategorien von verrückt und normal sehe ich anders, vielleicht weil ich ernsthaft versucht hatte, wieder normal zu werden.

Man kann nur noch auf sein eigenes Gespür für die Wahrheit vertrauen.

Und der soundtrack, by the way, der war richtig gut. Musik ist die beste.

Der Film ist noch für eine Woche in der Mediathek von arte zu sehen.

 

Buch: confessions of a Hope fiend

Was kann das nur bedeuten…der Übersetzer sagt: Hoffnungs Unhold. Ach ja, wirklich, ein Unhold. Das war er wohl für die damalige Gesellschaft: Timothy Leary. Eine Hoffnung aber auch für andere. Soweit ich weiss, war er der Vorreiter einer Alternativkultur, die mit der Hilfe von Drogen wie LSD andere Seiten der Wirklichkeit erkannte. Die sogenannte Wirklichkeit ist ja immer eine Art Übereinkunft. Wie sehr sich diese überhaupt gewandelt hat, seit 1973, als „confessions of a hope fiend“ erschien, wie sehr diese Erforscher der Welten, von denen Viele andere Länder bereisten, Fortbildungen und Erfahrungen bei Urwaldschamanen oder in buddhistischen Klöstern erhielten und unsere Bewusstseinswelt erweiterten, indem sie Kunst und Bücher schufen, Filme und Sichtweisen, unsere Bewusstseinswelt tatsächlich beeinflussten- ist das nicht klar? Auch die Wissenschaft interessiert sich ja mittlerweile dafür, Gehirnforschung usw. und natürlich wird alles genutzt- wenn nicht zur Erweiterung, dann zur Beeinflussung und Programmierung unserer Gehirne.

Ich lese es auf englisch, wie er aus dem Knast entweicht, wohin die amerikanische Gesellschaft damals unweigerlich Leute wie ihn aus der Gesellschaft entfernen wollte.  Bücher schreiben durfte er dort nicht. Er schrieb heimlich, wie so viele.

Eine Erinnerung, dass es Mut braucht und vor allem den Willen, sein Gehirn selber zu programmieren. Wir tun es ja täglich, ganz ohne Absicht.

Lassen wir uns nicht verrückt machen von anderen! Wenn Leary durch seine Drogen unfähig geworden wäre, hätte er das nicht geschafft. Er hat Meditation und Techniken genutzt. Er war Schriftsteller , hat alles hinterfragt und in Sprache gebracht.

Drogen sind nicht alle gleich, sind gefährlich in den falschen Händen, vor allem wenn man schon verwirrt ist. Das lässt sich vorher nicht absehen, ich kenne viele Geschichten von Psychosen und Psychiatrie. Drogen werden heute zum Tanzen einfach so genommen, um sich ins Unbewusste zu katapultieren, in eine Trance, durch die man im schlimmsten Fall ohne Landkarte taumelt. Diese Welten wollen gelernt werden.

Ich bin gespannt, heute abend um 20.15 gibt es auf arte tv einen Spielfilm zu sehen, der dies zum Thema hat:

„Magical mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt.“

Erwähnt werden muss: der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sven Regener, 2013

c0) 15.07.2020 Ky

 

 

Trance

Trance

Viele Menschen mögen es, in Trancezustände zu tauchen. Sei es durch Alkohol, Drogen, Musik und andere, kollektive Erfahrungen. Diese werden , wie wahrscheinlich zu allen Zeiten, gelenkt mit den Mitteln, die früher Priester und andere Wissende zur Verfügung hatten. So werden Massen gelenkt.
Die Frage ist doch immer, warum und mit welcher Intention gehe ich in eine Trance? Wie tief geht diese überhaupt, will ich eigentlich nur eingelullt werden? Wer lenkt mich wohin? „Trance“ weiterlesen

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