„Rund um Weihnachten“

Päckchen packen! Ich reise nicht zur Familie. Ein Teil davon ist in Köln, der andere in Berlin, und meine Schwester um die Ecke. Wir feiern hier vielleicht noch die Sonnenwende am Feuerplatz mit. Es gibt da eine Singgruppe und da wird immer gesungen. Weihnachtlich wird es nicht bei mir, aber freundschaftlich. Wir rätseln noch am Menu herum. Eigentlich kommen da am Heiligen Abend immer nur Männer und alle essen Fleisch. Die Frauen haben Kinder und Enkel und sind ausgebucht. Ich habe keine. Alleine habe ich diese Tage auch schon verbracht, das war nicht immer schön. Aber schöner als bei meinem alten Vater doch. Er war mir schon immer zu anstrengend, das hat mit Alter nichts zu tun.

Er ist ja nicht allein. Man kann das schwer beschreiben, aber das Weihnachtsfest dort war mir immer schrecklich. Mit Überforderung hat das wohl zu tun. Mit Unehrlichkeit und Getue, Schauspielerei und Materiellem. Ich bin denen jedenfalls auch zu anstrengend, und so akzeptiert man mein Wegbleiben seit Jahrzehnten…Die Einzige, die wirklich in die Kirche ging und an Jesus glaubte, war seine Mutter und das ist nun schon 50 Jahre her.

Ich weiß noch sehr gut, als ich 5 oder 6 jahre alt war, da waren wir ja noch sehr aufgeregt und durften dann ins Wohnzimmer, wo der Weihnachtsmann zwei große Puppenwagen gebracht hatte mit großen Riesenbabys und ich war offenbar so überwältigt, dass ich verstummte und an die Decke guckte. Oma meinte, das Kind ist krank! Ich hatte wochenlang Puppenwagen gezeichnet und konnte wohl nicht glauben, dass das Wünschen gewirkt hatte!

So etwas vergesse ich nicht. Und auch später: immer war alles etwas zu groß, zu schwer, zu teuer, …und nie das, was ich gewollt hätte…Doch auch gab es schöne Pullover, selbst genähte Kleider, gute Bücher. Als ich schon über dreissig war, bekam ich ein Paket und brach in Tränen aus. Weil es zu viel war, für meine Nerven.

Ich machte die Fotografenlehre und alle Wünsche drehten sich um Kameras. Und da kam dann eine an- mit mindestens fünf Objektiven dabei- damals war nichts digital. Ich hätte mich so gefreut über eine Kamera mit einem Objektiv. Und mehr konnte ich nicht bewältigen. Kann man das verstehen? Ich habe die auch nie benutzt….

Große Wünsche und große Geschenke machen mir Schuldgefühle. Denn nichts ist umsonst. Immer muss ich klar stellen, dass ich nicht nice bin. Ich bin zu ehrlich. Das muss sein. Ich kann mich aber unendlich freuen über kleine schöne Gesten und davon gibt es mittlerweile auch genug . Ich mache auch gerne kleine Geschenke. Wenn ein paar Katzenleckerli mit im Päckchen sind, freut mich das so! Es ist Aufmerksamkeit.

Wenn dann noch jemand Katzensitter spielen würde, damit ich mal verreisen kann, das wäre das Beste.

Buch: Der Geschmack von Apfelkernen

von Katharina Hagena, Roman, 2008, Kiepenheuer & Witsch

Nun habe ich doch wieder ein Buch gelesen. Mir war nicht mehr danach gewesen, mein Hiersein war bedeutungsvoller. Dieses Buch lag schon länger da, und es war genau der richtige Moment. Es kommt ja nicht so oft vor, dass ich am Ende über eine Geschichte weinen muss, doch diese Woche bin ich nah am Wasser gebaut. Und es geht ja gut aus Deshalb weine ich ja. Weil man es so hoffte, nachdem so viel so dicht erzählt wurde, aus einem norddeutschen Dorf, wie ich es nun auch kenne. Die Autorin haut da Sätze raus- die treffen richtig . Es geht hier um drei Generationen,zwei Schwestern, dann drei Schwestern und anschließend zwei Kusinen. Diese Verflechtung, die sich zu einem Drama entwickelt, ganz subtil, ganz kühl und zurückhaltend, nimmt mich wirklich sehr mit.

Wie man sich verhält, wenn man als Heranwachsende ein Trauma erlebt hat, ohne dass je darüber gesprochen wird, ohne dass dieses Wort überhaupt jemals vorkommt, und auch anderes wie Demenz und Heimweh und Bücher und Freundschaft…darüber wird erzählt. Meisterinhaft, und das Norddeutsche schimmert überall durch wie die goldenen Ballkleider der Tanten, die die Mädchen sich überziehen, um zum Schwimmen im See zu radeln. Die Bilder sind wunderbar.

Und es tut auch weh. Denn in welcher Familie gibt es nicht solche unausgesprochenen Verwerfungen, und auch die unterschiedlichen Schwestern…ein altes, geerbtes Haus…Erinnerungen. Und etwas daraus machen, ein eigenes Leben erschaffen, dennoch.

Die Klassische

Ein Beitrag zur Blogparade von Amorak

Die fehlte ja noch: Die klassische Goldrandtasse, hier- am Katzentisch. So hieß der Tisch für alleinstehende Personen, die im Restaurant in die Ecke gesetzt wurden, früher. Die klassische Goldrandtasse hatte 11 Geschwister, und ein Service von jeweils einem Dutzend Untertassen, flachen Tellern, Suppentellern, 2 großen Kaffeekannen, Saucieren, Schüsseln in mehreren Größen, und vermutlich kam das so auch bei meiner Oma auf den Tisch.

So viele Verwandte habe ich nicht mehr wie diese Tasse, die ich mal geschenkt bekam, nur noch drei der Tassen sind da, aber alles andere. Neulich sah ich mal eine ganze Kiste voll auf dem Flohmarkt, alles für’n Zehner. Mir ist es ja ziemlich egal, ob alles zusammen passt, und die gute Stube existiert auch nicht mehr. Es war jedenfalls einstmals wertvoll und guter Ton in guten Häusern, wie man so sagte, eben die, die sich das leisten konnten. Aber sicher bin ich aus gutem Hause, so wie diese Tasse. Aber eben etwas ramponiert.

So wie mein spanisches Kätzchen, schon 14 Jahre alt und zahnlos, die letzte von 26 aus einer Familie. Wir haben was erlebt zusammen! Und manchmal schleckt sie auch von Goldranduntertellern ihre Milch.

Simulation

In den letzten Wochen habe ich so einiges an „Ahnenarbeit“ gemacht, unter anderem mit einem aufgezeichneten Seminar von Sabine Wolf mit dem Namen „Magie des Herzens“ (kristallmensch TV). Diese wollte ich schon lange lange vorstellen, doch fehlen mir die richtigen Worte bei der großen Fülle an Material, das der neu gegründete kristallmensch e.V. Verein nun nach ihrem Tode zur Verfügung für Viele aufbereitet. https://kristallmensch.net/kristallmensch-verein/

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