Buch: Bonjour Agneta

Neuanfang auf Französisch, Roman von Emma Hamberg, aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, dtv, 2024

Ich hatte nun ein paar Tage Zeit, die Geschichte in mir zu bewegen. Sie hat mich bewegt. Es ist natürlich ein typisches Frauenbuch von der Frau mit 50, die in einer lieblosen Ehe steckt und nicht verstanden wird. Sie erlebt sich in Frankreich neu und anders, und verändert ihre zu klein gewordene Welt.

Das ist schon fast ein Klischee in sich, wäre da nicht diese wirklich sarkastische Weise, über sich selbst – es ist aus Sicht von Agneta geschrieben- zu denken. Der Verlag nennt es Ironie, doch da zeigt sich wieder, dass ich all solche Ironie, Zynismus und Gehässigkeit nicht leiden mag. Es ist halt eine drastische Darstellung von depressiver Selbstsabotage, wie ich sie auch ganz gut kenne. Auch ich habe etwas Agneta in mir gehabt.

Vermutlich gibt es auch in Frankreich strenge und zwanghafte Ehemänner und Frauen, die sich klein machen, nicht verstanden werden. Die Welt, in die Agneta als vermeintliches Aur Pair Mädchen gerät, birgt jedoch eine Überraschung und hier wird es auch interessant. Es ist das exzentrische Zuhause eines homosexuellen Künstlers, der in den Achzigern seines Lebens langsam dement wird.

Es stellt sich heraus, dass Agneta gut mit Chaos zurechtkommt! Sie kommt aus sich heraus, sie darf sein wie sie ist. Es sind schwere Themen, die mit Humor gehandelt werden. Was mir nicht gefällt, aber auch realistisch ist, ist der viele Alkohol, mit dem diese Lockerheit erreicht wird. Agneta ist so sehr das typische Bild einer versteckten Frau, die zur heimlichen Alkoholikerin werden kann. Das ist aber nicht thematisiert. Sehr wohl aber ausgelebte und unausgelebte Libido: Lebensfreude sowie auch Sexualität, Sinnlichkeit bis ins Alter.

Sehr gut gefällt mir das Sprachdurcheinander aus Fränzösisch und Schwedisch, von dem der Demente mal die eine mal die andere Sprache spricht. Es wird Wert gelegt auf das Wort, auf die Mentalität, die sich auch durch Sprache zeigt. Und wichtig ist das Denken: wie sehr sich ein Künstlergehirn unterscheidet, indem wir in Metaphern und Assoziationen denken; Ideen können nur hervorkommen, wenn man die eingefahrenen Strukturen nicht verhärten lässt.

Und ich habe es ja selbst erlebt, wie Weiblichkeit in anderen Ländern anerkannt und bewundert wird. Es ist ein neues Gefühl, als Frau wahrgenommen zu werden. Das Buch ist ja nicht einmal alt. Es soll dieses Jahr einen zweiten Band geben, auf den ich eigentlich gespannt bin. Besonders gefällt mir natürlich das cover, welches mich magisch anzog auf dem Büchertisch des Flohmarktes. Ich kaufte es in der ersten Minute.

Nun habe ich die ganzen Gedanken, die inneren Selbstgespräche niedergeschrieben. Solche sind das Laster von Agneta ebenso: Sie spricht nichts aus, sondern redet mit sich selbst. Mit verschiedenen Stimmen , die verraten, dass die Fremdbestimmung bis ins Innere geht, wenn sie von Beginn des Lebens an übermächtig wird. Man glaubt , nicht richtig zu sein. Man ist überzeugt davon.

Die Geschichten anderer können das zurechtrücken, und deutlich machen, dass die eigene Entscheidung für das Glück verantwortlich ist. Glück hatte vor allem jener alte Mann, der aus dem engen Leben zwangsweise herausgeworfen wurde, als er jung war- „so einer“ war völlig indiskutabel als Vater seines Sohnes, – er erlebt eine lebenslange große Liebe, doch wartet er auch jede Woche auf seinen Sohn, der ihn nun endlich kennenlernen will, „bevor es zu spät“ ist.

Nicht jeder hat das große Glück, aber das kleine Glück 42 Käsesorten zu probieren, und schöne Unterwäsche zu tragen,…nun das ist gar nicht zu verachten. Coming-of-age nennt man die Filme, wo es vom Teenager zum Erwachsen werden geht…aber wie nennnt man diese anderen Phasen? Becoming your self? Gibt es das in diesem Zeitgeist?

Licht

Eine verlassene Stadt- so wirkt Friedrichstadt ohne Touristen – und wie angenehm! Grachten ohne vollbesetzte Boote, leere Parkplätze, nasse Straßenpflaster. Da tanzen die bunten Lichter ganz ohne Aufwand über dem Wasser.

Ich trat gerade aus dem kleine Buchladen, um die Sonne untergehen zu sehen. Im Westen liegt hier die Nordsee, nicht weit, aber doch so weit, dass ich nicht hinfahre, um es am Meer zu sehen.

Und ich hatte ein Buch unter dem Arm, ein wunderschönes. Da macht man sich ein bisschen Gedanken um weibliche Leser, und ja, ich werde von schönen covern angezogen. Es ist ein winziger Buchladen, und er ist zum Glück noch da. Das Buch heißt nämlich: Der verschwundene Buchladen“ ( Evie Woods, Adrian Verlag) und ist natürlich ein Genuss für Buchliebhaber. Das wirkt so heimelig und gemütlich, aber es geht auch um Gewalt an Frauen, damals wie heute, es werden parallel zwei Zeitabschnitte erzählt. Ich bin gespannt, ob sie den Buchladen finden. Ob sie sich selbst finden.

In zwei Wochen beginnt die „Grachtenweihnacht“, da wird es funkeln und die Besucher werden strömen. Als historisches Städtchen muss man die Kulisse doch ausnutzen. Die Stadt wird begrenzt von zwei Flüssen, der Eider und der Treene. Das Wasser macht sie so besonders. In einem strengen Winter sah ich Kormorane in der Stadt unter der Brücke, Es ist übrigens eine Schande, dass wilde Vögel getötet werden, die angebliche Vogelgrippe bringen, um die krankhaften Geflügelbetriebe zu schützen. Eine Schande ist das alles für den Menschen.

Es gibt gar keine Entschuldigung für diese Art der Tierhaltung. Und sie bringt uns das Verderben. Wilde Vögel leiden genug unter dem Rest der insanen Menschenwelt. Windräder, rund um den Nationalpark, mehr und mehr, und nun ist das Solarpfründeparadies im Kommen. Eine Schande.

Schön ist, dass die Stadt ihre Krähenkolonien duldet, die sich allabendlich zu den hohen Bäumen im Stadtpark begeben, die mit einem vielstimmigen Gekrächze und am bewölkten wilden Himmel den Anschein wecken, es sei alles Natur und wunderbar…

.https://www.friedrichstadt.de/die-stadt-entdecken/veranstaltungen/grachtenweihnacht

Bücherhütte August

Zu den Büchern, gerade eingesammelt, kann ich noch nichts sagen. Außer, natürlich, das wunderbare Kräuterbuch, in dem ich blätterte, und welches auch sehr gut geordnet ist und ein schönes Hardcover hat. Ein besonderes Cover, darauf stehe ich wirklich. Es gibt eine besondere Grafikkunst, das sind Buch Cover.

Was mich immer wundert, sind die Titel. Ich glaube, selten ist es der Autor selbst, der einen Titel auswählt. So habe ich doch tatsächlich schon wieder ein Buch gegriffen, das ich schon gelesen habe, vor einiger Zeit….Die Tarotspielerin. Spricht mich an. Aber es gibt eben auch so furchtbar viele ähnliche Titel, man glaubt es kaum. Bestimmt gibt es Die Schachspielerin, Die Billiardspielerin, Die Eisläuferin, Die Teppichweberin. Die Wanderhure sowieso, aber auch Die Wanderheilerin, Die Wunderheilerin, …

In den meisten Fällen geht es da um eine mittelalterliche Figur, kann auch gut recherchierter Kontext sein, aber es muss eine besonders starke Frau sein, mit der wir uns identifizieren….Sie überlebt Sklaverei und Pest, wehrt sich gegen Kirchenmänner und hat eine Gabe, in der sie so gut ist, dass sie ihr Aufstiegschancen sicherte, von denen ich nicht glaube, dass es die in solchen Mengen gab.

Tätigkeiten gibt es viele, und es ist unendlich langweilig, daraus einen Titel zu machen. Früher gab es Ideen. Poetische Worte. Titel, die neugierig machten. Ist nicht etwas Besonderes an uns, ohne dass wir immer etwas tun und leisten und schaffen! Ich hoffe, diese Mode geht mal vorüber. Vor allem waren Frauen Mütter. Ich träumte letztlich von meinen beiden Großmüttern.

Eine war eine Magd auf dem Bauernhof. Die andere hatte vier Kinder, und sie wäre Hutmacherin geworden, wenn nicht die Tante mit dem Hutladen zu früh gestorben wäre. Doch von ihnen beiden lernten wir noch manches an Tätigkeiten, die Frauen immer machten.

Das Lesen und das Schreiben lernten wir auch, und ich hoffe frau kann es noch lange tun bis ins hohe Alter, auch wenn die Finger nicht mehr wollen.

Buch: Schwester

Roman, von Mareike Krügel, Piper 2021

Der Titel , das Wort allein bewirkt schon etwas in mir. Ich habe eine Schwester, fast gleich alt wie ich, seit Jahrzehnten. Und mittlerweile ist sie natürlich einer der ganz wenigen,Menschen, die mich so lange kennen. Die soviel gemeinsames erlebten, aber es anders erlebten. Wir sind verschieden, so wie die Schwestern in Mareike Krügels Buch.

Dieses Buch ist ein wahrer Schatz, es geht um nicht weniger als die Frage, was ist das Richtige zu tun, und warum wählt man eine Art zu leben. Hat man immer die Wahl? Eine sehr herzerwärmende Entwicklungsgeschichte in der auch Fragen offen bleiben dürfen.

Ich erzähle nicht den Inhalt. Ich habe bemerkt, dass viele Rezensenten dies tun, es nimmt aber etwas weg. Es nimmt der Handlung ihren Lauf, ihre wunderbare Sprache, den Humor und noch viel mehr. Nur so viel: Da es sich bei einer der Schwestern um eine Hebamme dreht, die Hausgeburten betreut, ist dieses Buch auch für alle interessant, denen dieses Thema ein Anliegen ist. Ich würde sagen, alle werdenden Mütter oder solche , die es werden wollen. Ich bin keine Mutter, aber ich hörte von diesen Geschichten anderswo auch, es ist ein wichtiges Thema!

Von dieser Autorin aus Kiel – ganz nah- möchte ich mehr lesen und zum Glück gibt es auch noch mehr Romane aus ihrer Hand. Freier werden von den Ängsten, die so viel im Leben unbewusst bestimmen, davon kann man nie genug bekommen.

Collage

Angeregt von Gerda http://gerdakazakou.com/2025/02/03/das-ass-der-muenzen-als-februar-lernbegleiter-neurografisch/und ihren Neurografikbeispielen beschmierte ich fröhlich das Cover der neuen „Brigitte“ Zeitschrift. Die Linien waren gar zu schön, und dann noch die Augen aus dem Andre-Heller-Garten im Innenheft. Also manchmal stehen da doch interessante Dinge ; von dem Garten erfuhr ich auch vorher, weil meine Freundin gerade in Marrokko weilt.

Diese Zeitschrift ,ja, es gab sie mal für „women“, das war noch lesenswert. Aber eigentlich ist sie nicht mehr lesbar. Seit 50 Jahren kenne ich die, weil meine Mutter sie schon kaufte. Nun sind wir zurück zu damals, mit Kosmetik und Beauty, Horoskop und Rezepten. Meine Güte, muss das sein. Schönes layout. Leider bin ich lesesüchtig. Die Nachrichten machen nicht so glücklich…Und gute Hefte wie mare und Geo und so, die sind teuer! Die Bücherei ist nicht mehr mein Ding. Klein klein Kleinstadt.

Ich finde, die „Brigitte“ sollte mal Gerda in Griechenland besuchen. Von wegen interessante Frauen. Oder Extrahefte erfinden über kreative Frauen.

Buch: Junge Frau,am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

von Alena Schröder, Roman, dtv,2021

Eben sah ich noch, dass in einem anderen blog ein zwei Künstler als Magier und Wortmagier bezeichnet wurden. Und ja, das sind sie auch. Auch diese beiden, die ich hier gerade gelesen habe. Dieser Titel erlaubt sich ein Bild vorzustellen. Und mit dem Bild im Kopf möchte man mehr wissen….

Das andere Buch: „Das Leben kleben“ von Marina Lewicka auch dtv , von 2010 hat eine verwandte Thematik, nämlich das Auftauchen von jüdischer Vergangenheit im Leben von jüngeren Menschen, die bisher nie damit zu tun hatten. Und somit Schicksale, die bis in die Gegenwart reichen, aufgerollt werden und uns erinnern. Die ganz persönliche Betroffenheit der jungen Frauen, die diese Leben aufdröseln und verstehen wollen, bringt die Geschehnisse viel näher als jede Dokumentation.

Wir Älteren haben noch viel in der Schule gelernt darüber, doch das scheint gar nicht mehr so zu sein.Ich erfuhr hier auch noch einiges, was ich nicht wusste.

Auch ist das zweite Buch ja kein deutsches, sondern man befindet sich in London, wo es so manches Flüchtlingsschicksal gab und gibt, und diese sich verzahnen. Dazu sind die gegenwärtigen alltäglichen Probleme gar nicht unwichtiger , denn auch sie drehen sich um Bindungen, Zuhause und Heimatgefühle.

Diese Bücher sind schön und gut, was heißen soll, dass sich ernsthaftes auch wunderbar lesbar darstellen lässt. Gute Bücher sind ja eher die, die schwer zu lesen sind, hier ist das aber anders. Es ist die Kunst der Wortmagierinnen, es auch schön und witzig und traurig zugleich zu machen und ein versöhnliches Ende zu finden.

Buch: Weibliches Manifest

Erwecke die spirituelle Rebellin in dir! Maitreyi D. Piontek, Allinci Verlag

Dies ist ein Grundlagenbuch. ich empfinde es als sehr wichtig.

Der Titel mag etwas feministisch klingen, doch hat es damit so gar nicht zu tun!. Es gibt viele falsche Vorstellungen und Missverständnisse über Weiblichkeit. Hier werden sie benannt und es ist auch durchaus ein Übungsbuch für Frauen, sich mehr in sich hineinzufühlen. Frauen, die wirklich in die Tiefe gehen wollen. Die sich nicht mit oberflächlicher „Deko“ zufrieden geben.

Eine erstaunliche Frau, ein erstaunliches Konzept, und es ist aus jahrzehntlanger Erfahrung, auch spiritueller, heraus, geschrieben, was es besonders wertvoll macht. Interessant deshalb, weil die Autorin im Beruf auch Beraterin und Therapeutin für Männer war, gegen diese sich hier nichts richtet.

Eher kann man es als Pionierarbeit für eine ausgewogene Gesellschaft betrachten. Doch kommt diese schon radikal rüber, weswegen es mir so gefällt.

Maitreyi D. Piontek hat einen youtube Kanal und ich verlinke diesen hier , damit man sich selbst ein Bild machen kann.

https://youtu.be/1alq0nrGmho

Mir wurde Maitreyi vorgestellt durch den online summit „Zeit im Wandel „von Alicia Kusumitra zum Thema: Die Rückkehr der weiblichen Kraft. Da kamen etliche interessante speakerInnern zu Wort.

Doch Maitreyi machte ganz deutlich, dass es nicht nur um eine Rückkehr, sondern um die Gestaltung von etwas Neuem geht. Damit war sie für mich herausragend.

Es ist ein Heilungsbuch, denn um Heilung geht es.

Buch: Antiquarisch

Marie Desplechin: Bis später , Prinzessin. 2000, Roman Rowohlt, Originaltitel: Sans Moi (Ohne mich)

Francoise Sagan : Der Wächter des Herzens, 1968? (Le garde du coeur)

Sue Monk Kidd: Die Bienenhüterin, Roman 2000 , Originaltitel: the secret life of bees (das geheime Leben der Bienen)

Wieder fand ich wunderbare Bücher im Dorfladen, wo diese vermutlich von einer Dame meines fortgeschrittenen Alters hingestellt wurden zum Mitnehmen, Ausleihen, Lesen.

Diese drei Bücher sind von Frauen für Frauen geschrieben, und es geht darin auch um Frauen und Mädchen, die es nicht ganz so leicht haben. Die Klassikerin darunter ist Francoise Sagan und ihr Buch heisst: Der Wächter des Herzens.

Ganz sicher haben die wenigen Schriftstellerinnen, die damals bekannt waren, alle Schriftstellerinnen von heute beeinflusst. Gerade entdecke ich hier eine Rezension im Spiegel von 1968, zeitgemäss)https://www.spiegel.de/kultur/zaertlicher-krimi-a-84a73705-0002-0001-0000-000046094021

Ich schaue immer, wie der Originaltitel heisst, denn man denkt sich hierzulande etwas aus, was sich gut verkaufen lässt, und nicht unbedingt passt.

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