Wie im Film

Manchmal kommt es mir so vor, gerade, als sei ich in einem Film. Die Idylle. Szenen, wie man sie aus irgendwelchen Filmen kennt, so als ich auf dem Hocker saß und das Gartentor grün anstrich. Mir fällt kein spezieller Film ein, in dem das vorkommt. Außer natürlich Huckleberry Finn, das erinnerte ein Freund- und das war auch einstmals ein Liebling von mir. So wollte ich sein, frei und frech. Ohne Eltern, es erschien mir erstrebenswert und traumhaft. Vielleicht habe ich mir also dieses Leben hier schon vorher erträumt.

Das frische Grün, die vielen Grüns – ich nehme sie intensiv wahr, als sei es kaum echt, so strahlend das Licht. Das kann ja sein, dass das Licht anders geworden ist. Und auch ist der blaue Himmel ja ein Luxus, ein Juwel, kaum auszuhalten so strahlt es. Ich fahre durch Alleen und die Hühner sind zum Glück auch endlich wieder draußen. Im Ort wird schon wieder ein Haus abgerissen. Zwei Tage, dann ist da nichts mehr übrig. Das bedeutet, dass da alte Leute sterben, und keiner will mehr so wohnen.

Als sei es das erste Mal, als sei es das letzte Mal- so kann man aber gar nicht denken. Die grünen Stühle habe ich auch einmal angemalt, sie stehen immer nur im Weg und ich gebe sie an den Flohmarkt weiter.

Das Haus ist nicht meines.

Das Grün aber, das Dunkle, ist hier die Traditionsfarbe für Türen und Fenster. Grün und Weiß. Dabei sind viele alte Höfe nicht aus roten Ziegeln, sondern aus gelben, was ich noch schöner finde. Zumindest wenn jemand sein Leben dem Hof und seiner Renovierung gewidmet hat, das gab es in meiner Generation und das sind auch nicht die Häuser, die abgerissen werden. Obwohl sie meist groß und schwer zu heizen sind.

Es gibt auch noch echte Landwirte, da sind diese Häuser umgeben von modernen Stallbauten mit Solartechnik auf dem Dach. Junge Frauen sitzen auf den Treckern und managen die Melkmaschine. Diese Menschen sind stolz und eine ganz andere Spezies als wir. Sie haben so viel Kraft, die Kälte macht ihnen gar nichts, während ich ständig fröstelig bin und Schichten von Pullovern trage, worüber so manches Mal gelacht wird. Meine Angst vor Kälte ist auch nicht normal, aber ich habe nun mal Jahre im heißen Klima gelebt.

Es sind drei Grad Celsius morgens. Insekten habe ich noch nicht viele gesehen, obwohl nun so viele Bäume schon blühen. Einige kleine Hummeln sammeln Nektar an den winzigen Gundermannblüten, die mittlerweile den ganzen Rasen überziehen. Rasen ? Eher nicht, das ist alles Moos. Es ist schön weich. Ich lebe in einem Traum. Ich lebe in einem Film. Wie mag der Film heißen?

„Bevor der Zaun völlig auseinanderfällt“

Der wilde Max

Er knabbert gern Äste an voller Übermut und ist der Schnellste, wenn ihn die bösen Kater um die Ecke jagen. Dann schläft er im Baum.

In einem Baum, wo man ihn nicht sehen kann.

Fast Mai

Und es fühlt sich fast so an! Ich lag zwei Stunden an der Sonne, bevor es wieder nass von oben kam. Und gestern war ich in einem Jugendclub. Das ist das Schöne am Dorf. Die erste band nämlich bestand aus alten Herren (Freunde der Freunde) und einer schönen ukrainischen Sängerin, die Musik fetzig. Hart und herzlich. Schwarz. Das Emblem der band ist eine Spinne. Draußen gab es eine große Feuerschale, man blickte über die Durchfahrtstraße auf unendliche Wolken bis zu den rot blinkenden Windmühlen. Die zweite band wurde mir zu spät. Immerhin war der Beginn schon um 20 Uhr und das Ganze liegt um die Ecke. Junge Leute waren auch da.

Die Maifeuer finden auf vielen Dörfern statt, unseres wird wohl auf dem Acker sein,wo der Riesenhaufen Gebüsch von abgesägten Knicks mit dem Trecker zusammengeschoben wird. Und der Acker ist nicht gerade trocken. Meine Straße wurde aufgerissen und die meisten Zufahrten gesperrt, so etwas ungünstig für Besucher und ich habe mich schon dreimal in der Umgebung verirrt; man denkt man kennt die kleinen landwirtschaftlichen Wege, aber nein! Mit dem Fahrrad wäre es nett, aber mit dem Auto kann man stecken bleiben.

Und es ist Frühling! Endlich Frühling. Da ist die Sonne schon wieder und der Flieder beginnt zu duften.

Gartentage

Wir haben hier richtiges Aprilwetter, der Boden ist nass und die Sonne warm. Starker Wind. Meist von Westen, wo die Nordsee nicht weit ist. An manchen Tagen bin ich draußen und bereite den nächsten Versuch vor, Gemüse zu ziehen. Das ging mal gut und mal weniger in den letzten Jahren. Es liegt an meinem jeweiligen Einsatz, an den Schnecken, oder an den Fehlern, die ich machte.

Als erstes schauen die Köpfe der Feuerbohnen aus den Töpfen. Und wie auf dem Foto ersichtlich, werden diese geschützt mit einem „Steinzeitkorb“vor etwaigen Pinkel-und Kratz-Attacken der Katzen. Diese Art Korb aus Zweigen herzustellen wie anno dazumal vor 6000 Jahren lernte ich bei Werner im Steinzeitpark, natürlich ohne die Wollfäden. Praktisch sind sie, nur nehmen sie im Innenraum zu viel Platz ein. Ob ich die Weidenrinde als Heiltee nehmen kann? Ich muss jemand fragen, der sich auskennt.

Die Erdbeerpflänzchen kommen jedes Jahr wieder, das Bohnenkraut, der Frauenmantel und die Minze. Die Brennesseln sowieso, auch sehr viel Moos- angeblich kann man auch alle Moose essen, falls es mal hart kommt- ich habe es nicht versucht. Der junge Kater erlebt seinen ersten Frühling und haut die Bienen aus den Krokussen. Mit Begeisterung genießt er sein Leben! Und der Giersch ist überall. Der blüht nachher schön und sieht gut aus mit den Rosen. Auch wenn dann die Sauerkirschen blühen und der Weißdorn ..das ist die allerbeste Zeit.

Kalifornischer Mohn und Vergissmeinnicht kommen vorher. Sie säumen die Terasse wie sie wollen.

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