Buchrezept

Diese gut lesbaren Bücher sind nach dem gleichen Rezept gebacken. Und es kommt an. Immer gibt es eine Liebesgeschichte einer enttäuschten Frau, die noch jung und auf dem Weg ist, zu sich selbst zu finden. Es gibt dann wieder einen Mann, von dem sie Enttäuschendes erwarten. Aber es gibt auch diese zeitlichen Sprünge in eine Vergangenheit und Familiengeschichte, Zeitzeugen, und aufgedeckte Geheimnisse. Das ist, besonders in den französischen und irischen Romanen, eine Historie aus den letzten Weltkriegen. Man bekommt den Eindruck, dort sei manches nicht so vergessen, auf ganz andere Art als hier bei uns mit den offiziellen Gedenkpflichten. Und diese Bücher vermitteln das sehr gut. Es ist keine Romantisierung wie in manch einem Mittelalterroman.

Und dass es eine America-first Bewegung bereits zur Zeit des zweiten Weltkrieges gab, lernte ich bei Barbara Davis, wo man auf den Spuren der Familiengeschichte entdeckt, dass so manche keine Einmischung in diesen Krieg wünschten. Diese Geschichten so leicht zu schreiben, ist sicher nicht so leicht. Es gibt auch einen großen Respekt vor den Künsten und den Wegen der Vorfahren. Dazu aber auch meist eine klar wahrgenommene Frauengeschichte, mit all den Nachteilen, denen Frauen ausgesetzt waren, die als selbstverständlich galten. Ich mag diese Zusammenstellung von heute und damals, und wie oft wir lernen müssen., uns von dem Übernommenen zu lösen.

Beobachtung

Ich zitiere gleich aus der Geschichte „Marlans Story“, die ich oben auf meiner Seite angeheftet habe. Ich habe da nämlich gestern drin gestöbert, weil ich mich kaum erinnere. 2018 fertig geschrieben, und nie wirklich gedruckt, weil mir das zu viel wurde.

Ich bin erstaunt, dass ich das alles geschrieben habe. So geht es manchmal.

„Die Antwort ohne Worte aus dem Herzen. Salzig wie das Wasser. Sie musste die Algen, die Uralten, waschen. Im Weiterwandern käme sicherlich wieder ein Bach in Sicht, der hier in das Meer floss. Da wo das süße und das salzige Wasser sich vereinen, war es, als wenn die Luft und Silber tanzen. Die Oberflächen der Wasser waren immer in Bewegung, sie spiegelten den Himmel und zerteilten die Flächen in winzige Fragmente. Ein Wunder, alles. Dass Wasser noch trinkbar war, wäre wohl ein Wunder über allen anderen. Und wieder sprach der Stein in ihrer Hand:“ Die Alten wussten es noch, dass mit dem schwarzen Feuerstein das Wasser gereinigt wird.“ Oh. Und dafür war dann ein Gefäß von Bedeutung. Hier und da lagen Muschelschalen in Mengen am Saume. Doch diese waren klein. Marlan wanderte langsam, den Boden abtastend mit den Augen, und zugleich ein inneres Gefühl befolgend, welches sie hier und dorthin lenkte. Erst einmal suchte sie schwarzen Feuerstein zu sichten, dies war nicht schwierig. Oftmals waren die rundgewaschenen und organisch geformten Stücke mit weißer Rinde aus Kalk überzogen, unter dem an den Bruchstellen der schwarze Innenkern sichtbar wurde.“

Meine Fotos von heute illustrieren aber doch, wie gern ich die Natur beobachte.

Steine im September

Ja, mit Farben kann ich nicht so dienen heute. Diesmal sind mir Steine begegnet. Tatsächlich sogar Grabsteine, denn ich ging auf dem Friedhof spazieren. Der Geschlechterfriedhof in Lunden ist wohl etwas Besonderes und richtig alt! Ich war noch nie da in diesen 10 Jahren. https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechterfriedhof

Wie man sieht, wo doch alle so stolz sind auf ihre Bauernrepublik, gab es auch dort Mächtige, solche die wichtiger und reicher waren als die anderen und aufgrund ihrer Abstammung zusammenhielten.

Ganz anders als im Osten des Landes, wo es die großen Gutshöfe gab und gibt, denen alles Land gehörte und denen sich andere unterordnen mussten.

Ach du meine Güte. Das ist mir auch ziemlich neu…außer, dass ich neulich einen Roman hatte, in dem diese schlimme Zeit der Besetzung von den Deutschen aus französischer Sicht geschildert wurde, und wie schlimm mit den Menschen umgegangen wurde. Genau:“ „Ein Bild von dir“, so hieß das Buch. Von Jojo Moyes, die überhaupt die allerbesten Bücher schreibt, mit ernsthaften Themen.

Ich liebte Frankreich sehr, als ich jung war, und auf den Reisen in Südfrankreich gab es auch Denkmäler in den Dörfern. Da erinnerten sich noch alte Leute, die von Deutschen nichts hielten. Auch in meinem Dorf steht so ein Denkmal für die Kriegstoten aus beiden Kriegen. Also wer waren nun die Bösen….

Aber, auch die Steine sind irgendwann dem Untergang geweiht, der Nutzung als Gehweguntergrund ! und neulich erzählte jemand, es habe einer solche alten Grabsteine in der Wohnung verbaut, was eine weniger schöne Energie zur Folge hatte. Ja die Geister vergessen nicht , manchmal.

Es bleibt: Die herrliche Ruhe auf den Wegen und die Bäume. Das Nachdenken über die Endlichkeit des Lebens, die schönen historischen Gebäude und Anlagen.

Buch: Das Buch, in dem die Welt verschwand

Wolfram Fleischhauer, Roman, Droemer 2003

Ein ganz außerordentliches Buch, dessen Titel sich erst einmal nicht so leicht erschließt. Die Geschichte spielt um 1780, eine Zeit des deutschen Reiches, die uns durch manche „neue“ Reichbürger nochmal erinnert wird. Schonungslos wird die damalige Gesellschaft hier in einem spannenden plot dargestellt, in dem es um die Durchsetzung neuer Ideen geht, durch die letztendlich die bekannte Welt verschwindet. Und so ist es ja auch gekommen. Die erlaubte Welt, vielmehr, denn die war damals noch katholisch.

Heute wird die damals als neu eingeführte Gedankenwelt der Vernunft des Immanuel Kant als Wegbereiter einer rein materiellen Betrachtung und damit des Unterganges gesehen.

Im Roman dachten verschiedene Gruppierungen, das Heilige würde verschwinden und die Seele. Zum Teil ist das auch passiert. Oder ist es schon unumkehrbar?

https://www.swr.de/swr2/wissen/zurueck-zur-beseelten-natur-plaedoyer-fuer-einen-paradigmenwechsel-swr2-wissen-2024-03-31-102.html

Die damals neue Welt ist heute die Alte, die Sendung des swr ist ein Zeichen, dass auch die denkende Zunft merkt, dass da etwas nicht stimmt. Zitat:

Wenn ich das richtig verstehe, darf ich leider nicht aus dem Manuskript zitieren.

Ein Hörspiel, dessen Manuskript auch zu lesen möglich ist. Für viele Andere ist dies schon lange klar, auch wenn der Begriff lange hier relativ ist…so alt ist die Idee nämlich gar nicht! Und es gibt, auch wie anno dazumal, Gegenbewegungen und hoffnungsvolle Versuche, den Weg in die unbeseelte Menschheit aufzuhalten. Denn genau dahin führt diese Vergegenständlichung, die jetzt auch (wieder) unsere Körper zu Objekten macht, die nicht mal uns gehören sollen. Doch auch die Seele ist Objekt von Methoden geworden, die uns formen und verbessern sollen! Dieses Denken macht nirgends Halt.

Man mag denken über Alicia und Robert, was man will, sie haben sich einer authentischen alten Lehre der Maya verschrieben und geben viel, um diese am Leben zu erhalten. Die Welt braucht auch diese Ältesten, die über sie ihre Stimme erheben und gehört werden. Das Thema ist genau das. Und deshalb teile ich hier ein video, auch wenn sich der Zusammenhang nicht gleich herstellt. In meinem Denken tut er das, es ist irgendwie Multi-Strang-Denken. Oder eher ein Sehen.

https://youtu.be/-feDtsLXaxc?feature=sharedhttps://youtu.be/-feDtsLXaxc?feature=shared

Um noch mal auf das Buch zurückzukommen: Die Geschichte dreht sich um einen jungen Arzt und zeigt auch den Stand der Medizin zum damaligen Zeitpunkt recht drastisch auf. Es ist doch deutlich, dass jedes Wissen nur temporär sein kann, und dennoch jedes Neue zu verhindern gesucht wird auf Seiten etablierter Präsentanten. Die an der Macht sitzen. Doch die war in jenem Reich reichlich durcheinander.

Buch: Das letzte Bild

Roman von Anja Jonuleit, dtv

Ein so spannendes Buch wie ein Krimi, und doch eine berührende Aufarbeitungsgeschichte von Generationen. Von Deutschland bis nach Norwegen hinein. Irgendwann war dieses Buch auch ein Spiegelbestseller, wie viele, die ich in der Bücherhütte finde. Und ja, so ein Thema geht auch alle an und ist gesellschaftlich relevant, nicht nur während ein Buch aktuell ist. Doch ist es ja ein Wahnsinn, wie viele Neuerscheinungen es jährlich gibt, gerade wieder zur Buchmesse.

Und wie viele Bücher wohl nicht gedruckt werden! „Das letzte Buch“ wäre auch ein toller Titel, und das wird es hoffentlich nie geben! Gespannt bin ich noch auf “ Das Buch, in dem die Welt verschwand“, von Wolfram Fleischhauer. „Die Bücherdiebin“ habe ich schon einmal erwähnt. Viele Bücherschreiber empfinden das Buch an sich als eine Welt, über die sich Geschichten um Geschichten spinnen lassen.

„Mogador“ von Martin Mosebach fand ich noch, ein geniales Innenbild , welches in die Lebenswelt von Marokko versetzt die Fremdheit der Welten quasi seziert…sprachlich genial. So hat meine Dorfgemeinschaft mich mit Worten versorgt über die Feiertage. Dazu hatten wir ein wunderschönes Osterfeuer, da wurde ein wenig gesungen und man sah sich endlich wieder nach dem Winter. Und zu guter Letzt der Einstandsspaziergang im Steinzeitpark, in dem die Museumspädagogen seit gestern wieder im Einsatz sind. https://steinzeitpark-dithmarschen.de/veranstaltungen/ Neu dazu gekommen ist die Rolle des Schamanen, von einem klugen Medizinhistoriker ausgeführt, der uns wirklich in den Bann zog. Und neu dazu gekommen ist das Cafe mit dem guten Kuchen.

Das letzte Bild wird es hoffentlich auch nie geben, und wie im erstgenannten Buch ist eine alte Kamera mit einem nie entwickelten Film manchmal das, was alles erklärt….für mich sind es die stetig geführten „Fototagebücher“, die sich zwar in seltsam benannten Ordnern verstecken und vergessen werden, aber eines Tages -hoffentlich- ein Bild unserer Tage zeichnen, für wer weiß welche späteren Historiker.

PS.: Das letzte Buch gibt es tatsächlich schon. Und zwar mehrfach!

Buch: Wo drei Flüsse sich kreuzen

Buchrezension: Wo drei Flüsse sich kreuzen – The Good People von Hannah Kent, droemer 2017
Was ist Aberglaube, was ist Irrglaube, Glauben oder Wissen? Dass alle Rothaarigen Hexen seien, wäre schon mal die erste Kategorie. Der grossartig geschriebene und gut recherchierte Roman von Hannah Kent erzählt die Geschichte einer alten Heilerin im Irland von 1825. Sowohl deren Wissen als auch deren Grenzen werden eindrucksvoll in ein Gesellschaftsbild der damaligen Zeit eingewoben. Dass Feen existieren, ist für die Dorfbewohner gar keine Frage, trotz aller Mühen des neuen Pfarrers, sie von diesem Glauben abzubringen. Die Handlung dreht sich um ein leidendes behindertes Kind, und den verzweifelten Versuch, es zu heilen – bzw. diese Version des Kindes den Feen zurückzubringen, damit sie das gesunde Kind wieder hergeben. „Buch: Wo drei Flüsse sich kreuzen“ weiterlesen

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