Buch: Donnerstags im Cafe unter den Kirschbäumen

von Michiko Aoyama,Roman, rororo, 2025

Ein leises kleines Buch, der Bestseller-Aufkleber stört mich mehr und mehr, der auf sämtliche Bücher unterschiedslos aufgeklebt wird. Was sagt er schon?

Es ist ein Buch, in dem es um junge Frauen geht. Es geht um die Aufmerksamkeit, mit der sie kleine Dinge tun, alles tun, und währenddessen eine Wendung in ihrem Leben zu mehr Mut und Erfüllung herbeiführen. Die Kapitel sind nach Farben benannt. Und in den Geschichten, die von einer Person zur nächsten führen, geht es auch um jeweils eine Farbe. Ich habe es gern gelesen.

In Japan ist das Leben junger Frauen immer noch sehr angepasst, so scheint es. Und ein Blick ins Ausland verändert sie. Die Verpflichtung des Korrektseins besteht immer noch, und doch gibt es Wege, freier und selbstbestimmter zu sein.

Heute morgen sah ich das folgende video bei https://daoweg.wordpress.com/

https://www.youtube.com/@mono_Japan

Ich habe nur die Oberfläche erkannt, als ich vor 50 Jahren in Japan war. Doch seither bewundere ich die Kultur, die Eigenart und ebenfalls die Religionen des Shinto und Buddhismus. Die Erzählweise, die auf einfache Art all das unterbringt, ist eben auch eine Kunst.

Auflösen

Diese Dokumentation https://www.arte.tv/de/videos/094460-000-A/johatsu/ finde ich spannend.

„Die sich in Luft auflösen“- authentisch auf japanisch erzählt mit deutschen Untertiteln. Tatsächlich bin ich erstaunt, wie viele Menschen dort verschwinden. Sie verschwinden heimlich aus ihrem Leben und lassen alles zurück. Das hängt mit der Art der Gesellschaft zusammen, in der strenge Regeln herrschen, Hierarchien, und wer immer einen Fehler macht, wird getrieben, sich vor der Schande zu verstecken- oder sich umzubringen. Das hat eine lange Tradition aus alten Kriegerdynastien.

Nun, wer denkt nicht manchmal, wie das wäre…alles dalassen und neu anfangen. Ich habe es mal gemacht. Aus dem Grunde bin ich dann auch in Japan gelandet und habe es ein wenig miterlebt. Solange ich für Monate im Gästehaus im Stadtteil Mejiro von Tokio lebte, traf ich dort interessante Menschen. Straßenmusiker aus Europa, Vietnamveteranen, Israelische Bilderverkäufer und uns hostessen, die ihr Geld für das weitere travellerleben in Asien verdienen mussten. Legal war das nicht als Tourist. Aber wir waren nicht verfolgt. Es waren die achziger. Und im Gästehaus wurde diskutiert, über Politik und Israel, damals. Es wurde in der gemeinsamen Küche getrunken, gegessen, gefeiert. Und dabei war auch ab und an ein Japaner, Norio. Er war Übersetzer und wir tranken so manches Bier zusammen. Leider hatten wir davon oft zuviel. Weshalb er kein japanisches Leben lebte, weiß ich nicht und ob ich es jemals erfuhr.

Sich einfach auflösen- heutzutage dürfte das nicht einfach sein. Und deshalb haben diese praktischen Japaner auch eine Firma, die einem dabei hilft! Oder mehr als eine.

Ich muss immer kichern bei dem Wort „auflösen“.Es ist das Lieblingswort der Heilerszene und der Spirituellen. Die wollen nämlich auch ihr altes Ich in Luft auflösen. Die alten Traumata, die Gewohnheiten, die Bindungen. Naja, alles was einen so werden lässt, wie man ist, soll „aufgelöst“ werden. Ich weiß natürlich. dass es geht, den Schmerz zu lösen und vieles hinter sich zu lassen. Nur so, wie ich es damals gemacht habe, mit Weglaufen und Sucht, ging es natürlich nicht. Ganz im Gegenteil hatte sich da ein Haufen mehr davon angesammelt.

Man kann also davon ausgehen, dass die Menschen nicht unbedingt glücklicher dabei werden. Es sei denn, sie flüchten tatsächlich vor Gewalt. Und vor einer unerbittlichen Gesellschaftsstruktur, die einem keine Chance lässt, sich weiter oder anders zu entwickeln als vorgesehen.

Und das ist die Frage: wer hat das eigentlich vorgesehen? Die unsichtbaren Grenzen, die sind schon längst überholt. Und manchmal…ach. Es wär auch nicht schlecht, mal auf dem Jakobsweg zu laufen oder so was.

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