Buch: Bücherhütte Juli

Ich wurde wieder beschenkt mit Schätzen!

Der Roman von Alonso Cueto, er spielt in Peru, ist außerordentlich dicht und spannend, dabei geht es nur um eine Schulfreundschaft zweier Frauen…

Und das Kinderbuch von Jan Prochazka ist etwas ganz Besonderes: Ich las es als Kind. An mein Alter damals kann ich mich nicht erinnern, an das Buch sehr wohl. Es hat mich nämlich sehr stark beeindruckt, allerdings auch mit Schrecken. Geschichten des Krieges, aus Kindessicht erzählt, das nahm mich mit. Diese Grobheit der Menschen. Und andererseits kam ja meine Familie daher, aus diesem Krieg, von dem auch die Eltern und Großeltern manchmal sprachen.

Die andere Geschichte, die ich erinnere, war in unserem Lesebuch und sie hieß: Nachts schlafen die Ratten doch. Sie war ebenso erschreckend, denn die kleine Schwester eines Jungen war unter einem Schuttberg begraben, und der Junge passte auf, dass ihr die Ratten nichts tun konnten. Diese Fakten waren so ungeheuerlich für mich in meinem wohlbehüteten vielleicht zu wohlbehüteten Zuhause, in dem die Grobheit durchaus durchbrach, man war ihr ausgeliefert. Noch heute scheue ich zurück vor Büchern aus dem Krieg, weil sie mich so hineinziehen. Ganz anders bei Krimis, die kann ich lesen. Aber nicht die grausamen. Noch liegt der Roman Wolfsmond von Julio Llamazares im Regal, über die Diktatur in Spanien.

Es sind wahre Krimis, so würde ich es sagen. Nun auch Gedichte aus Südamerika sind nicht unpolitisch. Wie oft mussten die Autoren ins Exil! Diktatur, Despotentum, Machtmissbrauch, Massenmord, all das findet statt. Immer noch. Und es ist der größte Schrecken, weil man so machtlos dagegen ist wie ein Kind, ausgeliefert und eben das auch eine der größten Ängste von Menschen.

Flagge

Es ist ja gerade so IN, Flagge zu zeigen. Und man weiß es ja, nicht wahr? In Tibet findet der Völkermord schon so lange statt. Auch wenn heute am 10. März, zum Gedenktag des tibetischen Volksaufstandes von 1959 hier bei uns diese Flagge gezeigt werden darf, so würde das im Lande selbst eine mehrjährige Haftstrafe bedeuten. Die Kontrolle durch China ist übermächtig, die Sprache verboten, die Religion nur eine touristische Veranstaltung. Eine große Anzahl Tibeter lebt im Exil, und versucht, die Kultur zu bewahren. Wir verdanken ihnen religiöse Lehrer, über die ganze Welt verstreut, die uns auch etwas gegeben haben. Ich habe in diesen Lehren weit mehr als ein religiöses Dogma gefunden. Der Buddhismus ist per se nicht tibetisch, diese Form jedoch speziell und eng mit der Landschaft des Himalaya verbunden. Sie enthält tiefe Weisheit und Hingabe, Güte, Mitgefühl. Eigenschaften, an denen es bei uns im Lande sehr wohl zu mangeln scheint, bzw. an deren Wertschätzung.

Mit uns verändert sich diese Lehre, und es gibt ernsthafte Studien, auch die Lehrer verändern sich. Die Struktur aber hält die ältesten Wissenshochkulturen der Welt aufrecht, und in bin dankbar, dass wir in unserer Sprache Zugang dazu haben, Schulen, sowie Gemeinschaften. Mir gaben sie einmal eine Basis, einen Sinn und ein Verständnis, welches ich Jahrzehnte lang nicht erfuhr. Enges Dogma liegt mir nicht, aber als Grundlage für ein erfülltes Leben ist sie unverzichtbar.

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