Gebrauchte Bücher

Das ist eigentlich klasse, dass Bücher beim Gebrauchen nicht verbraucht werden, so wie andere Dinge. Sind sie überhaupt Dinge? In meinen Augen nicht, sie sind lebendig bleibende Geschichten und untrennbar mit ihren Autoren verbunden. Ich habe wieder eine Rundfahrt gemacht zum Markttreff Delve und ein wenig die Stapel sortiert, die jemand dort abgelegt hatte. Richtig gefreut habe ich mich über Francoise Sagan, “ Ein bisschen Sonne im kalten Winter„, ein Klassiker, der in meiner Jugend schon einer war. Und mittendrin bin ich in einer spannenden Geschichte von Claude Gallay: „Die Brandungswelle„. Die Französinnen, -welche Erholung von diesen amerikanischen Frauenromanen, die immer in Amerika spielen. Werden davon zehnmal so viele übersetzt oder gibt es so viele? Da ist mehr Handwerk dabei als echte Kunst.

Ach ist das arrogant….aber ich liebe nun mal ausführlichere Beschreibungen, die eine Stimmung erzeugen. Schließlich SEHE ich das vor dem inneren Auge beim Lesen. Reichtum von dem, was der Autor sieht. Andere sehen weniger. Und ein bisschen gebrauchtes Sehen bestellte ich auchin Form von Gomerakrimis…besonders gespannt bin ich auf “ Brandwunden“ von Klaus Rose- kenne ich den? Ich weiß nicht. ( Anmerkung : Den kann ich nicht kennen. Das Buch ist ein sprachliches Desaster) Jedenfalls spielt das Buch an einem echten Ort, den ich sehr gut kenne, und zwar nach dem großen Waldbrand von 2012, der mir sehr unter die Haut ging, obwohl ich ein Jahr zuvor wegzog. Ich könnte sagen, zum Glück. Denn Freunde wie alle anderen Anwohner des Tales wurden evakuiert und verloren zum Teil alles. Noch heute gibt es Ruinen von damals, obwohl das Grün wieder über die Wunden wuchs. Aber nicht alle.

Auch aus Portugal hörte ich von persönlichen Tragödien, Brände betreffend.

Da ich gestern wieder Blätter fegen durfte, die Eichen vom Ehrenmal, mir heute die Knochen weh tun, muss ich einen Lesetag einlegen…trotz Sonnenschein. Der Frühnebel sah wunderbar aus.

Hinterm Deich

Ich war nicht sicher, ob ich darüber schon geschrieben habe. Ich fand es nicht nötig. Da hatte ich einen Krimi gelesen, der einer ganzen Reihe von “ Hinterm- Deich-Krimis “ offenbar erfolgreich angehörte. Es gibt auch Deich, Nord und sonstwie Heimatkrimis, die sich eigentlich nicht groß unterscheiden. Mindestens 10 Bände und am liebsten gleich verfilmt ; so sind sie geschrieben, dass sie wie eine Serie in Kurzform ihr Thema behandeln.

Nun habe ich entdeckt, dass es ebenfalls eine solche Menge an Gomerakrimis mittlerweile gibt, im Eigenverlag oft, und 0 8 15, wie wir früher sagten. Was 08 15 bedeutet, weiß ich nicht. Es besagt: mainstream, gleichförmig, langweilig. Man nimmt einen Ort, den man vom Urlaub kennt, eigentlich schon peinlich, finde ich. Natürlich erkennt man die Straßen und so weiter,…ein bisschen botanische Kenntnisse, und all das Übliche. Ja ich las einen davon, und möchte nicht mal den Titel nennen. Oder doch, „Tödliche Trommeln“ .Daraus hätte man wenigstens etwas Witziges machen können, denn das Getrommel nervt ja auch so manchen Normalurlauber, von denen es immer mehr gibt. An dem Krimi war nichts witzig. Die Darstellung der Polizei war dermaßen daneben, dass die Autorin im Vorwort erwähnen muss, dass sie keinerlei Erfahrung je damit hatte. Ich muss sagen, ha, die echten Geschichten sind ja so viel tausendmal besser…aber niemand wird sie je erwähnen gegenüber den outsidern. Nun, Capitän Claudio ist nicht mehr, er konnte das schon gut. Und Arndt, der viele Jahre allabendlich trommelte, er ist auch gerade gestorben, wie ich hörte. An Krebs, nicht am Trommeln. R.I.P.

Nun gut, ich will nicht alle über einen Kamm scheren. Vor ein paar Jahren las ich einenBotanikerkrimi, in dem es um Rüsselkäfer ging, Titel vergessen und das war immerhin informativ. Der war auch witzig.

Im Fernsehen gibt es nun ebenfalls eine Serienschwemme von „Kanarenkrimis“. Und nirgendwo tauchen Massen von Urlaubern auf.

Eins meiner eigenen alten Fotos, die ja auch so viel besser sind, als die von den Gomerakalendern im Handel. Ja, weil nicht für tausend Leute gedacht, die genau die gleichen Dinge wieder erkennen sollen….

Damals, ich bin halt eine alte Oma, da ließen sie noch das canja am Fluß wachsen. Es gab Schatten. Seit dem großen Feuer wird das alles abgeholzt.

Es wird auch Gutes gemacht. Die Mauern der Terassen instandgesetzt.

Oh – Gerade gestern sah ich “ Weiss& Morales“ mit vier Folgen in der zdf Mediathek, , wovon die dritte Folge auf La Gomera spielt. Und ich muss sagen, es war schön, das Valle Gran Rey zu sehen, liebevoll irgendwie. Gewissermaßen realistisch, die Figuren. Besonders gefiel mir der Rückblick der Mutter auf ihre frühen Gomerajahre. So eine Geschichte hatte ich allerdings noch nicht erlebt….obwohl viele Menschen im Lauf der Jahre starben. Ertrunken oder vom Berg gefallen, Autounfälle, alles mögliche.

Herausragend war “ El Hierro“, auch eine spanische Produktion. Das Ausdrucksstarke können sie irgendwie besser.

Buch: Kulinarische Krimis

Es ist nicht neu, doch ich habe es eben erst entdeckt:

Bittere Schokolade, Ein kulinarischer Krimi, von Tom Hillenbrand.

Beim Lesen sollte man etwas Leckeres vorrätig haben, denn unweigerlich bekommt man Appetit! Der einem später dann wieder vergeht, denn in dieser sehr informativen Geschichte erfahren wir viel über den Welthandel mit Kakao, so wie in einer ganzen Reihe weiterer Krimis des Autors, der sich mit Honig, Oliven und anderen hochwertigen Lebensmitteln gut auskennt! Spannend ist es auf jeden Fall und leider wohl auch vieles wahr!

Ich liess mich dazu hinreißen, einen Lauchquiche zu backen, und inspiriert wurde ich dazu von Madame cuisine:https://www.madamecuisine.de/quiche-mit-lauch-porree-quiche/, die sich wohl auch gut mit französischen Krimis auskennt oder solchen, die in den Landschaften Frankreichs spielen.

Anders erging es mir mit: Die Nudeln meines Lebens von Giulia Melucci, die uns allerdings mit guten italienischen Rezepten direkt im Buch bereichert. Dazu muss man aber die Beschreibungen diverser Liebhaber ertragen und ich stellte mir lebhaft vor, wie ich all meine Männer mit den Gerichten in einem langen Buch zusammentragen würde, wow das wäre …Dabei haben aber eher die Männer gekocht. Irgendwas hat sie ja auch falsch gemacht, weil die immer wieder abgehauen sind, entweder weil es alles Schriftsteller waren, oder weil sie es mit dem Kochen übertrieben hat. Italienisch, ich erinnere mich, da war das wirklich wichtig und in den drei Wochen, die er hier war, hat er mehrere Flaschen Olivenöl verbraucht beim Backen und Wirken, und ich war eher fett geworden….Nun gut, dass es nicht länger war. Aber lecker. Der englische Katzensitter war seit dreißig Jahren Veganer und hielt es mit riesigen Töpfen voller Currys, die ich auch nicht vertrug. Zu scharf.

Ich koche nun wieder selber. Klassisch. Hühnersuppe.Salate. Kohl. Mein Freund ist Dithmarscher Landmann, arbeitet draußen, und einzig sowas wie Sahnetorte kriege ich gar nicht hin. Ich habe sogar zum ersten Mal im Leben eine Weihnachtsgans gemacht- und zum letzten Mal. Diesmal darf die ein Mann kochen. Vertragen habe ich die auch nicht.

Das beste Essen hatte ich vermutlich in Japan. Das kann ich aber nicht. Die Romane allerdings …großartig.

Krimisucht

Machen Krimis süchtig? Das kommt darauf an, ob sie gut sind…also ich denke, möglich ist das. Ich las in letzter Zeit einige, doch lieber sind sie mir, wenn sie auch lustig sind. Überhaupt liegt das nur an diesem unmöglichen Regen, und all that I want is drei Wochen Sonne hintereinander.

Sonne verändert alles, das gesamte Bewusstsein….wobei ich das den Drogen nicht zugestehe, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr nehme, aber ich beobachte das: die angebliche Bewusstseinserweiterung findet da ganz und gar nicht statt. Wenn schon, dann eine Wahrnehmungsverschiebung, das ist ja nicht das gleiche. Ebenso bei vielen spirituellen Angeboten: sie berühren Emotionen. Und wo alles beides geschieht, das ist Musik….für mich oft ein Sprung in andere Zustände, die der Körper erinnert. Und daher bin auch ich durch alte Musik manipulierbar. Gern habe ich das selbst in der Hand und lasse mich nicht den ganzen Tag von Radiosendern bedudeln, die für Oldies wie mich gemacht sind, mit weichgespülter Wohlfühlmusik. Im Moment stehe ich auf Krautrock.

Zum Krimi, den ich gerade genoss: Achtsam morden im Hier und Jetzt, von Karsten Dusse. In einer wahnwitzigen Geschichte wird da eine durchaus ernsthafte spirituelle Suche geschildert, wie sie viele von unseren Zeitgenossen durchlebten. Ich wurde erst viel später dazu inspiriert, denn ich war ja schon süchtig, als die anderen zu solchen Sekten gingen. Wenn man sie so nennt. Zu einer Sekte wäre ich niemals geeignet gewesen. Zu Abhängigkeit sehr wohl.

Ich weiß noch, wie mich eine neue Nachbarin fragte ob ich eine Katzenzucht hätte- ob der Anzahl meiner Haustierchen- und ich verstand jedes Mal: Haben Sie eine Katzensucht? Oh weia, ich wusste keine Antwort…wie peinlich.

Ich bewundere manche Schreiberinnen, wie sie persönliche Umstände zu schildern vermögen und ihr Inneres darlegen, was vielleicht nur durch Anonymität möglich ist. Und dadurch auch etwas geben, denn man erkennt sich durchaus wieder und nimmt Anteil. Ich mag nie so viel aus meinem früheren Leben darlegen, mein jetziges Leben ist ausnahmsweise einmal ausgeglichen und das trotz der fehlenden Sonne. Katzen sind nur noch drei! Bücher umso mehr, und das Lesen an sich macht etwas- es nimmt mich raus aus der alltäglichen Situation, die mich oft überfordert- viele Leute, viel Kommunikation und Eindrücke, die ich nicht verarbeiten kann. Ahnlich wie fotografieren- es schafft genügend Abstand um als Beobachter teilzunehmen. Aber natürlich gehe ich trotzdem zu den Stadtfesten, Konzerten und Partys! Der sogenannte Sommer ist so kurz und vollgepackt mit schönen Gelegenheiten! Draussen! Die Musikantenbörse in Garding ist wieder „on“, „live“, und ich kam in den zweifelhaften Genuss, die sogenannte „Scheisskapelle“ zu erleben, wobei man sich wie nach Mallorca (ohne Sonne) versetzt fühlt, die Massen jubeln, sie formieren sich zur Polonäse und dann hört auch bei mir der Spass auf…

Morgen darf ich wieder ein paar bands miterleben, ein echte Geschenk! Denn die Musiker sind echt, sie spielen aus Leidenschaft. Und ich habe gelernt, das alles ganz nüchtern mitzunehmen und mich von Musik verzaubern zu lassen.

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