Lebenslustig

Ich glaube, das bin ich, obwohl schon wieder der nächste Regenschauer niedergeht. Gestern passierte es, als wir gerade auf dem Stadtfest angekommen waren; es war schon voll, weil der Tag war überaus warm und sonnig. Und dann das. Man sammelte sich unter den spärlichen Dächern der Bierbuden, hörte den tapferen Musikern auf den LKw Anhängern zu und irgendwie wandelte sich die Stimmung in nettes Zusammenrücken, gemeinsam dem Leben trotzen, wie es eben ist. Ich war überrascht, wie viele Bekannte ich dort nun habe, denn ich gehe das fünfte Jahr dahin und es findet auch acht Wochen hintereinander statt. Da trifft man sich eben zufällig wieder, oder auch nicht. Alles ist frei, ohne große Verabredung, so habe ich das gern.

Mein Freund ist immer gleich verschwunden, denn er kennt noch viel mehr Leute, alle Musiker und Tontechniker, und so weiter. Anfangs fand ich das doof, weil ich ja keinen kannte.Wir lernten uns dort kennen. Zwischen den fünf Bühnen wandelt man herum, bis es einem gefällt.

Aber nun habe ich endlich das, was ich mir schon so oft erarbeitet hatte und dann wieder fortging. Angekommen sein, mich nicht allein oder verlassen fühlen. Beziehungsfähig unter bestimmten Bedingungen eben. Denn was anderes ist mir aufgefallen: ich hatte diese lockere Verabredung mit jemand, der da noch nie war, und er wich mir den ganzen Abend nicht mehr von der Seite. Also …so beziehungsfähig bin ich dann auch wieder nicht. In solchen Situationen kann ich schroff und unhöflich werden, ich fühle mich bedrängt. Es nimmt mir Freiheit. Ja, einfach bin ich wohl nicht. Aber jedenfalls bin ich nun froh, dass mein Freund nicht so ist.

Wir fuhren dann zu dritt wieder zurück, es dunkelt abends auch wieder , und die Füße taten so weh vom tanzen in Turnschuhen auf dem Kopfsteinpflaster. Früher bin ich gefahren, weil ich ja immer nüchtern bin. Ich trinke seit 36 Jahren nicht mehr, und auch sonst nichts.

Die anderen Mitfahrer sind nun aber auch nüchtern, merken nun auch mal, wie es so ist, …auf einmal ist die Musik zu laut, der Bass stört, und so was.

Wit tun mal so als wäre Sommer. Ab morgen soll es drei Tage schön werden!!!!

Krimisucht

Machen Krimis süchtig? Das kommt darauf an, ob sie gut sind…also ich denke, möglich ist das. Ich las in letzter Zeit einige, doch lieber sind sie mir, wenn sie auch lustig sind. Überhaupt liegt das nur an diesem unmöglichen Regen, und all that I want is drei Wochen Sonne hintereinander.

Sonne verändert alles, das gesamte Bewusstsein….wobei ich das den Drogen nicht zugestehe, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr nehme, aber ich beobachte das: die angebliche Bewusstseinserweiterung findet da ganz und gar nicht statt. Wenn schon, dann eine Wahrnehmungsverschiebung, das ist ja nicht das gleiche. Ebenso bei vielen spirituellen Angeboten: sie berühren Emotionen. Und wo alles beides geschieht, das ist Musik….für mich oft ein Sprung in andere Zustände, die der Körper erinnert. Und daher bin auch ich durch alte Musik manipulierbar. Gern habe ich das selbst in der Hand und lasse mich nicht den ganzen Tag von Radiosendern bedudeln, die für Oldies wie mich gemacht sind, mit weichgespülter Wohlfühlmusik. Im Moment stehe ich auf Krautrock.

Zum Krimi, den ich gerade genoss: Achtsam morden im Hier und Jetzt, von Karsten Dusse. In einer wahnwitzigen Geschichte wird da eine durchaus ernsthafte spirituelle Suche geschildert, wie sie viele von unseren Zeitgenossen durchlebten. Ich wurde erst viel später dazu inspiriert, denn ich war ja schon süchtig, als die anderen zu solchen Sekten gingen. Wenn man sie so nennt. Zu einer Sekte wäre ich niemals geeignet gewesen. Zu Abhängigkeit sehr wohl.

Ich weiß noch, wie mich eine neue Nachbarin fragte ob ich eine Katzenzucht hätte- ob der Anzahl meiner Haustierchen- und ich verstand jedes Mal: Haben Sie eine Katzensucht? Oh weia, ich wusste keine Antwort…wie peinlich.

Ich bewundere manche Schreiberinnen, wie sie persönliche Umstände zu schildern vermögen und ihr Inneres darlegen, was vielleicht nur durch Anonymität möglich ist. Und dadurch auch etwas geben, denn man erkennt sich durchaus wieder und nimmt Anteil. Ich mag nie so viel aus meinem früheren Leben darlegen, mein jetziges Leben ist ausnahmsweise einmal ausgeglichen und das trotz der fehlenden Sonne. Katzen sind nur noch drei! Bücher umso mehr, und das Lesen an sich macht etwas- es nimmt mich raus aus der alltäglichen Situation, die mich oft überfordert- viele Leute, viel Kommunikation und Eindrücke, die ich nicht verarbeiten kann. Ahnlich wie fotografieren- es schafft genügend Abstand um als Beobachter teilzunehmen. Aber natürlich gehe ich trotzdem zu den Stadtfesten, Konzerten und Partys! Der sogenannte Sommer ist so kurz und vollgepackt mit schönen Gelegenheiten! Draussen! Die Musikantenbörse in Garding ist wieder „on“, „live“, und ich kam in den zweifelhaften Genuss, die sogenannte „Scheisskapelle“ zu erleben, wobei man sich wie nach Mallorca (ohne Sonne) versetzt fühlt, die Massen jubeln, sie formieren sich zur Polonäse und dann hört auch bei mir der Spass auf…

Morgen darf ich wieder ein paar bands miterleben, ein echte Geschenk! Denn die Musiker sind echt, sie spielen aus Leidenschaft. Und ich habe gelernt, das alles ganz nüchtern mitzunehmen und mich von Musik verzaubern zu lassen.

Fast Mai

Und es fühlt sich fast so an! Ich lag zwei Stunden an der Sonne, bevor es wieder nass von oben kam. Und gestern war ich in einem Jugendclub. Das ist das Schöne am Dorf. Die erste band nämlich bestand aus alten Herren (Freunde der Freunde) und einer schönen ukrainischen Sängerin, die Musik fetzig. Hart und herzlich. Schwarz. Das Emblem der band ist eine Spinne. Draußen gab es eine große Feuerschale, man blickte über die Durchfahrtstraße auf unendliche Wolken bis zu den rot blinkenden Windmühlen. Die zweite band wurde mir zu spät. Immerhin war der Beginn schon um 20 Uhr und das Ganze liegt um die Ecke. Junge Leute waren auch da.

Die Maifeuer finden auf vielen Dörfern statt, unseres wird wohl auf dem Acker sein,wo der Riesenhaufen Gebüsch von abgesägten Knicks mit dem Trecker zusammengeschoben wird. Und der Acker ist nicht gerade trocken. Meine Straße wurde aufgerissen und die meisten Zufahrten gesperrt, so etwas ungünstig für Besucher und ich habe mich schon dreimal in der Umgebung verirrt; man denkt man kennt die kleinen landwirtschaftlichen Wege, aber nein! Mit dem Fahrrad wäre es nett, aber mit dem Auto kann man stecken bleiben.

Und es ist Frühling! Endlich Frühling. Da ist die Sonne schon wieder und der Flieder beginnt zu duften.

Musikerfreunde

Mein ganzes Leben lang hatte ich solche Musikerfreunde. Ich selbst kann gar nichts außer begeistert darüber sein, dass Menschen so etwas zustandebringen. Ich kann also hören, und zwar ganz fein. Ich bin auch stolz auf meine Freunde, im video ist ein Ausschnitt zu sehen von dem musical, das von Meta geschrieben wurde und derzeit geprobt wird. Ein bisschen wird auf den Heider KulTourtagen https://heider-kultour-tage.de/aufgeführt. Und besonders daran ist eigentlich, dass sich diese ganze Gruppe von Menschen in den letzten Jahren erst zusammengefunden hat und auf einen eigenen Weg gemacht hat. Dass wir , ausgerechnet wir, nun in der Öffentlichkeit sein dürfen- niemand kommt auf die Idee, dass es mal anders war. Doch die Lieder selbst, sie kommen schon ein wenig melancholisch herüber, und in der Geschichte geht es ja auch um ein Ausgegrenztsein vom Kern der Gesellschaft, um die Aufteilung in innere und äußere Ringe. Und die Überwindung der Trennung natürlich. Mit viel Hintergrundphilosophie.

Das ist ein krasser Gegensatz zu den Liedern, die mir meine Musikerfreunde von La Gomera senden. Von dort gibt es Aufnahmen von selbst gesungenen Mantras, mit liebevollen Texten, und im Hintergrund die lauten Schreie der über die Köpfe segelnden Sturmtaucher. Sofort erscheint bei mir innerlich das Bild, nein das Gefühl des playa del ingles, mit einem kleinen Kreis der Sängerinnen im Sand, und ich erkenne ihre Stimmen, die Gitarre, die Hang. Da ist für immer ein Teil von mir bei ihnen. Und auch hier überschneiden sich die Kreise…und ich bin in der Mitte. Ich bin zwischen den Kreisen von Lebendigkeit , die mich nähren und erinnern, und es fühlt sich gut an.

Fledermaus

Und noch ein Tier für mein Haus….dieses wunderbare Mosaik-Kunstwerk vom Nachbar-Künstler bekam ich zum Geburtstag geschenkt, und es wurde heute angebracht. Es war eine seiner seltenen Auftragsarbeiten und wurde nicht abgeholt. Nun, da er sonst nur Schmetterlinge und Engel macht, womit sein Haus übersät ist, kann er die Fledermaus auch nicht wirklich gebrauchen. Ist nun auch nicht gerade mein Krafttier, aber es gibt hier tatsächlich Fledermäuse, zwei die im Sommer in der Abenddämmerung über dem Garten kreisen. Nun , es wird schon einen Sinn machen und fühlt sich gut an, neben der Eingangstür. Eine neue Mieterin für oben gibt es ja immer noch nicht.

Das Besondere ist auch, dass Rainer jedes Kunstwerk auf der Rückseite mit einem Bibelspruch versieht, das ist ihm sehr ernst. Nun habe ich also auch das , und zwar heisst der: Eure Traurigkeit wird zu Freude werden. Den Zusammenhang und die Textstelle haben wir nicht mehr nachgesehen. Ich kenne die Bibel so gar nicht.

Der Satz ist doch sehr gut für mich! Ich hoffe, er bezieht sich nicht erst auf das Erscheinen des Messias.

Heute abend wollten wir auf das erste Strandkorbkonzert des Jahres- aber es wurde abgesagt wegen Krankheit. Die erste Grillparty kommt bestimmt bald. Letztes Jahr war sie im April bei 6 Grad und irgendwie war ich krank danach, weil ich von La Gomera mit 27 Grad bei Kalima gekommen war. Es fuhr mir in den Rücken….

Musik aber höre ich, der Krautrockexperte hatte die Chris Braun band von 1971 vorgestellt, und alle LPs kann man bei youtube anhören. Die andre band hiess lucifers friend, war auch gut! Leider sind einige seiner Sendungen Nachrufe, da nun ein Musiker von damals nach dem anderen das Zeitliche segnet.

Schöner Ausdruck: Sie gehen ins Zeitlose, und das auch durch ihre Musik, die erhalten bleibt. Solange die nächsten oldies wie wir sie noch hören.

Dice que te vas

Ja, ich sage es: Ich werde ein paar Tage dort sein….vier Jahre ist es schon wieder her! Zu lange. Aber damals dachte ich, es wäre womöglich nie wieder möglich, so zu reisen. Trotzdem, ich werde älter und es ist auch nicht mehr so wie früher. Nichts. Alle älter!

Historisch

Ich sah gestern eine Doku, in der es um die Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ging. Das war echt merkwürdig, denn es war meine Jugendzeit. Sie wirkt so fern, dass ich nun verstehe, warum jüngere Leute dazu nicht in Resonanz sind. Aber ich, ich erinnere mich. Und ich finde es sonnenklar, wie der Freiheitsgedanke in uns dort seinen Samen hat. Wir – natürlich nicht die gesamte Generation, aber doch der damalige Zeitgeist, der Neues schaffen wollte, – wollten uns von alten Normen befreien. Das ist wohl irgendwie in die Hose gegangen. Die Achziger habe ich verpasst, da lebte ich auf fernen Inseln, und ich meine kulturmässig verpasst. Vielleicht war das auch wegführend, dass ich mit 14 schon mal LSD ausprobierte, und nein, danach nicht mehr, es war ein strenges Elternhaus. Um so freier wollte ich danach sein. Ja, ging auch in die Hose. Aber immerhin nicht ganz. Diese Doku war ein Blick von aussen. So wie wenn es um die Musiker von damals geht, ihre Biografien, sie gehen uns langsam voran ins Nirwana.

Weggefährten und Familie berichten von dieser Zeit.

Und hier ist ein Dokument von heute, frisch und lebendig. Das ist meine Zeit und meine Resonanz. Ich bin nicht dort, aber es lebt in mir dieser Geist, forever young….

Danke an alle Musiker!!!!!!!!

https://www.youtube.com/channel/UCbuV6kkWu6neoufGP1CGxsg

Scrolls, Seherin der Nacht

Scrolls –  Seherin der Nacht, 3 Akbal
Ein Traum
Das Konzert. Zwei Männer spielen Musik auf ihren Instrumenten. Sie haben ihr Hüte an die Seite der kleinen Bühne gelegt, doch diese Hüte sind übermenschlich groß. Ich selbst spiele ab und zu einen Ton auf dem Bass dazu, mehr kann ich noch nicht, ich kenne diese Musik noch nicht.
Und ich schaue auf die Wiese und den riesigen weiten Himmel hinaus, in dem sich die Wolken bewegen. Da reissen die Wolken auf und geben den Blick frei auf kleine Löcher, in denen Lichter tanzen! Oben sind zwei, die sehen aus wie Augen, wie Gottes Augen im Hintergrund und da bewegen sich die vielen Sterne und tanzen.
Wir rufen dem Häuflein Zuhörer auf der Wiese zu: Schaut! Dreht euch mal um. Sie schauen.
Und nun sehe ich diese Menschen genauso wie die anderen Gebilde: Sie sind voller Sterne, eine hohle Form, in der die Sterne tanzen. Ich begreife, dass wir nicht getrennt sind, dass sie hier und wir dort sind. Es ist so befreiend. Die Goldenen, die Leuchtenden, wir sind sie. Jeder Ton spielt seinen Part.
Dann gehen wir hinüber zu einer anderen Bühne, es ist eine Art Festival mit mehreren bands. Da singt ein melancholischer Liedermacher mit schiefem Mund,und hier leuchtet keiner. Wir wollen ihnen den Himmel zeigen, doch

_MG_0027 (1) wir hören erst mal zu, aus Respekt. Ich halte die Gitarre im Arm.

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