Kopfsteinpflaster

Man läuft viel, wenn man sich zwischen fünf Bühnen entscheiden soll. Die Touristen sind angekommen. Mir taten die Füße weh.

Ich wollte nicht die Leute fotografieren, auch wenn die kleinen Kinder schon tanzten – als einzige, ich frage mich ob das angeboren ist, und später aus Scham verlernt wird. So ein groĂźer leerer Platz vor der BĂĽhne…BlondĹ„ Black spielten Nena-Hits und gar nicht schlecht.

Und wenn man nicht auf die Leute guckt, obwohl auch das sehr amĂĽsant war, dann ist Garding doch ein Ort der lost places, jedenfalls in der Altstadt. Der Kunstverein ist immer der Lichtblick fĂĽr mich gewesen, aber wie Wolfgang GroĂź-Freitag hier seine Bilder ausstellt, nun die Bilder sind schon immer so krass gewesen.

Es gibt eben doch den ein oder anderen leerstehenden Laden, und da kann man Kunst hineinstellen. So oder so besser als ohne Bilder…

Ich mochte dieses Unperfekte immer in anderen Ländern auf Reisen, wo in wunderschöner Landschaft kaputte PlastikstĂĽhle stehen, und schiefe Häuschen und Pflasterwege, die unregelmäßig sind. Auch hier mochte ich das, in Eckernförde als es noch anders war, in Husum, oder auch BĂĽdelsdorf, wo immer ich als Fotografin unterwegs war, die Strukturen liebte. FĂĽnfziger-Jahre-Fassaden aus Kacheln der Vorzeit, damals wurde wohl alles gekachelt, auch die SchriftzĂĽge waren so unmodern,…doch ich weiĂź, das alles wird verschwinden.

Oder wird es schlimmer?

Man hat den Eindruck, es ist kein Geld da, aber es wird auch vieles von sogenannten Investoren aufgekauft, die dann gesichtslose Neubauten errichten. In denen kann man dann klimafreundlich wohnen. Was will man denn….In feuchten Altbauten frieren, nein. Man will sie aber ansehen…

Wir befinden uns mitten im Verfall.

Junge Punkbands singen die gleichen Texte wie andere vor 66 Jahren. Sie sind genauso wĂĽtend, auf alles, das establishment und die Alten, sie sind laut und sonst nicht viel.

Der Himmel ĂĽber Garding

Auch ich habe Kunst gesehn und Musik gehört…Leider kann ich kein eigenes video hereinstellen.

Die Musikantenbörse öffnete die Tore der Stadt Garding, mit neuer Musikanlage, wie dankend an die Sponsoren vermittelt wurde. Im Alten Rathaus entdeckte ich einen Liedermacher mit besonderer Stimme und klugen Worten- Mimi Wohlleben und Band. https://youtu.be/_m662TtCYUU?si=xYcxlhi6htoaYqcQ

Im Raum stellte der Künstler Summershamma aus, auch das wäre mir fast entgangen. Ein sehr umtriebiger und vielseitiger Künstler, der im Kunstverein von Garding aktiv ist. https://fke-eiderstedt.de/summer-shamma-retrospektive/#comment-104 Plakativ und sehr selbstbewusst.

Ach Garding. Von Hinten ist alles beim Alten, die Bauplätze verwaist, mit wunderbaren Blumen bewachsen. Da konnten wir mit dem Hund spazieren gehen. Von Garding sind es gerade mal 15 Minuten an die Nordsee, daher auch Touristen im Ort. Aber kein touristischer Ort.

Man kennt Menschen nur von hier, die die auch mal tanzen, grüßen sich erfreut, auch wenn man die Namen nicht mehr weiß. Ich freue mich schon auf nächsten Dienstag.

Regen

Für die Bäume ist es sicher gut. Der starke Wind etwas weniger. Libellen gibt es schon und sonst sehe ich viele dieser Falter, die sich offenbar im Feuerholz vermehrt haben.

Nein, ein Bild habe ich von denen nicht.

Heute Abend beginnt die Musikantenbörse in Garding https://www.musik-fuer-garding.de/programm#A1, also wer in der Nähe ist und gerade nicht so Lust auf Strand hat…manche der kleinen Konzerte sind auch drinnen.

Seit Jahren sind wir da und das bei fast jedem Wetter. Die McEbel BLuesBand ist ein echter Hit, beliebt und fetzig. Ganz selten ist das ganze event mal ausgefallen. Die bands stehen auf einer langen Liste, damit sie hier einmal auftreten dĂĽrfen. Ein buntes Programm, auch viel cover fĂĽr die Menge und die Stimmung. Doch einzelne Liedermacher, die nicht jeder kennt, sind etwas Besonderes. Nun findet es achtmal statt, an jedem Dienstag Abend des hoffentlich wiederkehrenden Sommers.

Garding ist mit der Bahn von Husum erreichbar.

Musik

Wir sind wieder mittendrin: Die Gardinger Musikantenbörse läuft seit ein paar Wochen. https://www.musik-fuer-garding.de/programm#A5 und es macht Spaß.

Gestern war der Platz an der Kirche voll, und es wurde getanzt auf dem Pflaster. Dabei sind immer bekannte Gesichter, der Verein, der all das ausrichtet und nette Begegnungen. Mir tun die FĂĽĂźe weh, aber was solls. Viele der Musiker haben schon die Lebensmitte ĂĽberschritten, auch die Zuschauer lieben rock n roll, Blues, oldies und sixties von altgedienten Profis. Es sind fĂĽnf BĂĽhnen, die jeden Dienstag in der Altstadt aufgebaut- und ab 23 Uhr auch wieder abgebaut werden.

Im Alten Rathaus, das in eine Kunstgalerie umgewandelt wurde, auch ein Verein, singen Liedermacher mit eigenen Texten, ebenso im Friedrichs auf kleiner BĂĽhne. FĂĽr jeden was dabei. Es gibt eine Ausstellung mit groĂźformatigen Bildern von Wolfgang GroĂź-Freytag zu sehen.

Es ist ein gewisser Kult fĂĽr uns- wir lernten uns vor sechs Jahren eben dort kennen, wie auch andere Paare ĂĽbrigens, Musik verbindet. Das Fest gibt es schon seit 25 Jahren und viele der lokalen Musiker spielen in wechselnden Verbindungen. Sie sind immer dabei, die anderen stehen in einer Warteschlange. Mein Leben hat sich seither verändert, ich kenne plötzlich so viele Leute, wie ich vorher niemanden kannte! Hier kennen die sich seit 50, 40, 30 Jahren…das kommt bei mir nicht vor…ich bin ständig umhergezogen. Jetzt schätze ich das Ankommen umso mehr. Mit 10 Jahren Anwesenheit ist man immer noch neu. Das ist so auf dem Dorf, aber bei den Hippies und in der Musikszene, da wird jeder aufgenommen und man merkt, das man manches gemeinsam hat. So ähnlich wie auf La Gomera. Fast jeder ist dort auch schon mal gewesen, damals, in den Achzigern oder so.

Also- nächste Woche Tom the crow und Lutz Drenkwitz! Man sieht sich.

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