Ein Beitrag zur Tassenparade, von Amorak für den April 25 ins Leben gerufen.
Jetzt komme ich ins Grübeln. Das Apostroph, es ist englisch. Ist das überhaupt richtig? Bei uns wird das ja oft falsch gemacht, über Blumenläden und an Cafes hängen Schilder mit Name und Apostroph, wo keines hingehört.
Jedenfalls ist dies derzeit meine Lieblingskaffeetasse, und es heißt ja auch Mother’s Coffee. Richtig, sagt mein Übersetzer. Er übersetzt das als Kaffee für die Mutter, lustig. Meiner Mutter damals war der Kaffee eine heilige Stunde. Ich selbst bin keine Mutter, und nicht wie das Bild suggeriert, Hausfrau und immer verlässlich. Ich bemuttere aber doch gerne alles, auch Männer, Katzen, Igel,und so weiter.
Mein Kaffee muss aus der spanischen Expressokanne kommen, schon wegen dem brodelnden Geräusch, ich setze sie auf einen kleinen Gaskocher, aufs Feuer wie damals. Obwohl der echt spanische Kaffee ganz anders riecht und schmeckt. Anfang des Jahres bekam ich welchen mitgebracht. Naja, ich mache ihn nur noch halbstark, sonst fängt das Herz an zu rennen.
Das Mütterliche bedeutet für mich nährend, wärmend und tröstend. Ganz sicher bedeutet Kaffee mir das auch. Mütterlich habe ich meine Oma Charlotte in Erinnerung, die beständig in der Küche wirkte und Nährendes herstellte. Mit Opa Hermann hatte sie einen Garten, in dem sie herrliche Blumen und Obst und Gemüse anbaute, wie schade, dass ich zu jung war, um Interesse daran zu haben.
Auch Oma Minna war mütterlich. Ganz anders, bescheiden und leise, Strümpfe für uns strickend. Sie strickte herrliche weiße Wollstrümpfe mit besonderen Mustern für uns, die wir dann zu Ostern das erste Mal trugen. Also da trugen wir Röcke, selbstverständlich, als Mädchen und mein Bruder kurze Hosen. Irgendwie gab es immer ein Drama, wenn er die Sachen anziehen sollte.
Meine Mutter habe ich nicht als mütterlich gesehen. Sie wollte etwas anders sein, schick und modern, obwohl sie kochte und nähte und alles Mütterliche tat. Nun ist sie vor fast dreißig Jahren verstorben, ihre Mutter lebte noch länger, und alles Geschichte.
An meiner Tasse mag ich besonders die Form. Ich kaufte noch zwei Tassen mit dieser bauchigen Form. Sie steht fest, statt sich unten zu verjüngen und alle Naselang umzukippen. Man kann sie mit beiden Händen halten, denn sie hat ordentliche Schwere. Zweifellos ist das Design nostalgisch und altmodisch, und eben so scheine ich auch ganz gerne zu werden. Ich tausche Erinnerungen mit alten Freunden, eine Freude beim Älterwerden, wenn man so viel erlebt hat. Alle paar Jahre mit anderen.
