Buch: Donnerstags im Cafe unter den Kirschbäumen

von Michiko Aoyama,Roman, rororo, 2025

Ein leises kleines Buch, der Bestseller-Aufkleber stört mich mehr und mehr, der auf sämtliche Bücher unterschiedslos aufgeklebt wird. Was sagt er schon?

Es ist ein Buch, in dem es um junge Frauen geht. Es geht um die Aufmerksamkeit, mit der sie kleine Dinge tun, alles tun, und währenddessen eine Wendung in ihrem Leben zu mehr Mut und Erfüllung herbeiführen. Die Kapitel sind nach Farben benannt. Und in den Geschichten, die von einer Person zur nächsten führen, geht es auch um jeweils eine Farbe. Ich habe es gern gelesen.

In Japan ist das Leben junger Frauen immer noch sehr angepasst, so scheint es. Und ein Blick ins Ausland verändert sie. Die Verpflichtung des Korrektseins besteht immer noch, und doch gibt es Wege, freier und selbstbestimmter zu sein.

Heute morgen sah ich das folgende video bei https://daoweg.wordpress.com/

https://www.youtube.com/@mono_Japan

Ich habe nur die Oberfläche erkannt, als ich vor 50 Jahren in Japan war. Doch seither bewundere ich die Kultur, die Eigenart und ebenfalls die Religionen des Shinto und Buddhismus. Die Erzählweise, die auf einfache Art all das unterbringt, ist eben auch eine Kunst.

Buch: Das Lied meines Vaters

Von Andreas Hauffe, 2014,Roman, UNIVERSO

Das bescheiden wirkende Büchlein hat es in sich. Die Superpreisleistung besteht in einem hochkarätigen Inhalt. Die Geschichte beginnt mit dem Sohn, der seinen Vater nicht kennt, und erzählt dann parallel die Geschichte des Vaters, bis sich die beiden dann begegnen.

Das wird von kapriolenhaften „Zufällen“ begleitet wie ein choreografierter Tanz. Und richtig spannend! Mir ging sie nahe, diese Geschichte. Sie spielt in Köln, meiner Heimatstadt, und zwar in den Siebzigern, als der Vater Musiker in einer band war. „The dark side of luck“ heißt das Lied, welches er komponiert hat und das so erfolgreich wurde. Nur war ihm das nachher ganz egal, denn die Liebe spielt ein komplizierteres Lied, und so weiß zunächst der Sohn gar nichts von alledem. Erst als er selbst mit achtzehn Vater wird, macht er sich auf die Suche.

Das Buch reiht sich ein in die Erzählungen, von anderen über die Hippiezeit, es geht aber eher um Musik. Und zugleich werden politische Ereignisse der damaligen Zeit am Rande sichtbar, wodurch einem klar wird: Damals gingen die Berufsverbote gegen die Linken- einen Kunstlehrer von mir traf es auch- , es gab Terrorismus und Proteste und wilde Zeiten!

Uns wird im Laufe des Lesens immer mehr Verständnis für die Personen gegeben, ebenso wie sie dieses füreinander entwickeln. Das ist ein Prozess, und auch der Titel des Liedes könnte fast der Buchtitel sein. „Luck“ ist nicht das gleiche wie „happiness“, auch wenn beides mit Glück übersetzt wird.

Oder ist „luck“ das Schicksal, der glückliche Zufall, der eben auch Tragisches in Gang setzen kann. Kein Leben kommt vermutlich ganz ohne beides aus. Immerhin beschert der Erfolg des Liedes einen gewissen Geldsegen.

Ha, es gibt noch mehr Bücher dieses Autors! Schwupp, habe ich mir wieder eines bestellt…gebraucht, alt, egal. Superpreisleistung. Und Kinderbücher hat er auch geschrieben-. Der entsprechende leise vielleicht auch ganz leicht dunkle Humor stellt sich einfach im Roman viel eher ein als im echten Leben…

Ich las ein Buch

Es regnet! Ich hoffe nur, es wird richtig stürmisch, damit die Nachbarn, wenn sie betrunken sind, nicht so viele Raketen und Böller abfeuern. Katze Martha will jetzt schon bei jedem Knall in den Keller, Max ist auch nervös. Meine alten Katzen hatten nie Angst. Shiva wird bei jedem Knall bellen und das ist noch schlimmer…

Und ich lebte tagelang ohne ein Buch. Dann ging ich in den Supermarkt, auch da gibt es Bücher, die ich normalerweise nicht mag. Fitzek und Konsorten, solche. Aber dann, in der Ecke mit ein paar Mängelexemplaren, fand ich das richtig gute Buch.

„DAD“ von Nora Gantenbrink, 2021,Roman, rororo.

Es ist ein trauriges Buch über einen Hippievater. Von der Tochter geschrieben. Das Thema gab es auch schon in „Yoga Town“, über das ich dann doch nicht schrieb, weil es mir nahe ging. Das war auch aus Sicht der Tochter geschrieben, noch viel komplexer, und bei beiden geht es um die Frage der Kinder, was ihre Eltern bloß an dieser Hippiezeit fanden, wie sie das erlebten, und warum sie so wurden. Es klingt ein wenig wie eine Krankheit, die natürlich durch die Drogen und so weiter auch bestand.

Aber andrerseits geht es da genau um die Leute, die ich mein Leben lang kenne. Ich weiß, dass Kinder von Hippies nicht besonders glücklich damit waren. Ich bin dann manchmal froh, dass ich keine habe.

Aber es geht auch um mehr, – das eigene Leben leben zu können. Auch die Tochter muss es lernen. Es geht um ungewöhnliche Charaktere, und vor allem das Normale in einer spießigen Provinz. Aus der auch sie entfliehen muss. Das Buch ist wirklich tief und manchmal, ja manchmal ist auch gar nicht mehr dahinter. Kein Geheimnis. Was wir erlebten, läßt sich gar nicht erklären, weitergeben, verstehen.

Diese beiden Bücher machen es ganz gut. Aber wo schreiben wir darüber,…

Buch: Bonjour Agneta

Neuanfang auf Französisch, Roman von Emma Hamberg, aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, dtv, 2024

Ich hatte nun ein paar Tage Zeit, die Geschichte in mir zu bewegen. Sie hat mich bewegt. Es ist natürlich ein typisches Frauenbuch von der Frau mit 50, die in einer lieblosen Ehe steckt und nicht verstanden wird. Sie erlebt sich in Frankreich neu und anders, und verändert ihre zu klein gewordene Welt.

Das ist schon fast ein Klischee in sich, wäre da nicht diese wirklich sarkastische Weise, über sich selbst – es ist aus Sicht von Agneta geschrieben- zu denken. Der Verlag nennt es Ironie, doch da zeigt sich wieder, dass ich all solche Ironie, Zynismus und Gehässigkeit nicht leiden mag. Es ist halt eine drastische Darstellung von depressiver Selbstsabotage, wie ich sie auch ganz gut kenne. Auch ich habe etwas Agneta in mir gehabt.

Vermutlich gibt es auch in Frankreich strenge und zwanghafte Ehemänner und Frauen, die sich klein machen, nicht verstanden werden. Die Welt, in die Agneta als vermeintliches Aur Pair Mädchen gerät, birgt jedoch eine Überraschung und hier wird es auch interessant. Es ist das exzentrische Zuhause eines homosexuellen Künstlers, der in den Achzigern seines Lebens langsam dement wird.

Es stellt sich heraus, dass Agneta gut mit Chaos zurechtkommt! Sie kommt aus sich heraus, sie darf sein wie sie ist. Es sind schwere Themen, die mit Humor gehandelt werden. Was mir nicht gefällt, aber auch realistisch ist, ist der viele Alkohol, mit dem diese Lockerheit erreicht wird. Agneta ist so sehr das typische Bild einer versteckten Frau, die zur heimlichen Alkoholikerin werden kann. Das ist aber nicht thematisiert. Sehr wohl aber ausgelebte und unausgelebte Libido: Lebensfreude sowie auch Sexualität, Sinnlichkeit bis ins Alter.

Sehr gut gefällt mir das Sprachdurcheinander aus Fränzösisch und Schwedisch, von dem der Demente mal die eine mal die andere Sprache spricht. Es wird Wert gelegt auf das Wort, auf die Mentalität, die sich auch durch Sprache zeigt. Und wichtig ist das Denken: wie sehr sich ein Künstlergehirn unterscheidet, indem wir in Metaphern und Assoziationen denken; Ideen können nur hervorkommen, wenn man die eingefahrenen Strukturen nicht verhärten lässt.

Und ich habe es ja selbst erlebt, wie Weiblichkeit in anderen Ländern anerkannt und bewundert wird. Es ist ein neues Gefühl, als Frau wahrgenommen zu werden. Das Buch ist ja nicht einmal alt. Es soll dieses Jahr einen zweiten Band geben, auf den ich eigentlich gespannt bin. Besonders gefällt mir natürlich das cover, welches mich magisch anzog auf dem Büchertisch des Flohmarktes. Ich kaufte es in der ersten Minute.

Nun habe ich die ganzen Gedanken, die inneren Selbstgespräche niedergeschrieben. Solche sind das Laster von Agneta ebenso: Sie spricht nichts aus, sondern redet mit sich selbst. Mit verschiedenen Stimmen , die verraten, dass die Fremdbestimmung bis ins Innere geht, wenn sie von Beginn des Lebens an übermächtig wird. Man glaubt , nicht richtig zu sein. Man ist überzeugt davon.

Die Geschichten anderer können das zurechtrücken, und deutlich machen, dass die eigene Entscheidung für das Glück verantwortlich ist. Glück hatte vor allem jener alte Mann, der aus dem engen Leben zwangsweise herausgeworfen wurde, als er jung war- „so einer“ war völlig indiskutabel als Vater seines Sohnes, – er erlebt eine lebenslange große Liebe, doch wartet er auch jede Woche auf seinen Sohn, der ihn nun endlich kennenlernen will, „bevor es zu spät“ ist.

Nicht jeder hat das große Glück, aber das kleine Glück 42 Käsesorten zu probieren, und schöne Unterwäsche zu tragen,…nun das ist gar nicht zu verachten. Coming-of-age nennt man die Filme, wo es vom Teenager zum Erwachsen werden geht…aber wie nennnt man diese anderen Phasen? Becoming your self? Gibt es das in diesem Zeitgeist?

Buchrezept

Diese gut lesbaren Bücher sind nach dem gleichen Rezept gebacken. Und es kommt an. Immer gibt es eine Liebesgeschichte einer enttäuschten Frau, die noch jung und auf dem Weg ist, zu sich selbst zu finden. Es gibt dann wieder einen Mann, von dem sie Enttäuschendes erwarten. Aber es gibt auch diese zeitlichen Sprünge in eine Vergangenheit und Familiengeschichte, Zeitzeugen, und aufgedeckte Geheimnisse. Das ist, besonders in den französischen und irischen Romanen, eine Historie aus den letzten Weltkriegen. Man bekommt den Eindruck, dort sei manches nicht so vergessen, auf ganz andere Art als hier bei uns mit den offiziellen Gedenkpflichten. Und diese Bücher vermitteln das sehr gut. Es ist keine Romantisierung wie in manch einem Mittelalterroman.

Und dass es eine America-first Bewegung bereits zur Zeit des zweiten Weltkrieges gab, lernte ich bei Barbara Davis, wo man auf den Spuren der Familiengeschichte entdeckt, dass so manche keine Einmischung in diesen Krieg wünschten. Diese Geschichten so leicht zu schreiben, ist sicher nicht so leicht. Es gibt auch einen großen Respekt vor den Künsten und den Wegen der Vorfahren. Dazu aber auch meist eine klar wahrgenommene Frauengeschichte, mit all den Nachteilen, denen Frauen ausgesetzt waren, die als selbstverständlich galten. Ich mag diese Zusammenstellung von heute und damals, und wie oft wir lernen müssen., uns von dem Übernommenen zu lösen.

Buch: Die vier Toten von Tibet

Eliot Pattison, Aufbau Verlag, 2020

Noch einmal Eliot Pattison, diesmal habe ich den neuesten Band der Krimireihe gelesen, die so viel mehr ist als Krimi. Mit China und Tibet treffen zwei total gegensätzliche Extreme aufeinander, wie er meisterhaft darzustellen versteht. Ich lerne, dass der Autor ein Anwalt ist.

Nun passieren im Buch wundersame Dinge, wie man sie sich wünschen würde im Angesicht der Ohnmacht gegenüber totalitären Systemen. Und wer weiß. Tibeter jedenfalls sind fähig, daran zu glauben. Ich bin wieder tief beeindruckt .

Zwar auf englisch, doch bietet die webseite des Autors einiges an Hintergrund und das tun die Romane übrigens auch- ich habe hier viel gelernt, was ich im buddhistischen Kontext nicht unbedingt erfahren habe, so wie er im Westen oft gelebt wird.

Es geht hier um Menschlichkeit. Es geht überhaupt bei allem um Menschlichkeit. Und der Titel des Buches, die vier Toten- nun. Es sind ja so viel mehr als Vier.

Buch: Das tibetische Orakel

von Eliot Pattison, 2002

Das Buch ist der dritte Band einer Reihe von mittlerweile 10 Tibet-Krimis, die so viel mehr sind als spannende Geschichten. Es wird uns vor Augen geführt, dass es sich hier um eine hochentwickelte Kultur handelt, die gnadenlos zerstört wird.

Fast 500 Beiträge habe ich nun auf dieser blog-Seite, und sicher habe ich bereits darüber geschrieben.

“ Das Herz der Welt“ von Ian Baker zeichnet eine Expedition in die Tsangpo-Schlucht auf den Spuren alter Prophezeiungen nach. Hier in den wilden Schluchten spielt auch der Roman von Eliot Pattison.

Die Natur dieses unvergleichlichen Landes , als Dach der Welt wird das Gebirge ja auch bezeichnet, ist die Grundlage jener speziellen Heilkunst und Vorstellungswelt, die unwiderruflich mit ihr verloren geht. Warum eigentlich wird das nicht als Völkermord bezeichnet? Weil China ja so wichtig für uns ist….und so schnell beleidigt…..man sieht es im Roman.

Ja, das ist die Gegenwart, abseits von Romanen. Man kann nur hoffen, dass der Berg sich das nicht gefallen lässt. Mir liegen Tibet und der Buddhismus dieser Ausprägung sehr am Herzen. Beides ist mächtig, sonst hätte es nicht diese Gegner.

Im Roman wird sehr deutlich eine Sichtweise gepflegt, die die Seele des Landes und die von Menschen, die die ihre noch spüren, als verbunden darstellt. Und das aus Sicht verschiedener Beteiligter. Ein sehr umfassendes und nie polemisches Mosaik. Dennoch schätze ich, der Autor dürfte Tibet nicht mehr betreten…Es wäre auch ein Denkanstoß, dahingehend dass bei uns so viele Menschen eine innere Leere empfinden oder ihr Streben auf Oberflächliches beschränken. Ich werde nun auch die anderen Bände lesen, um mehr zu lernen. Es hielt mich tagelang in Atem, was bei mir selten geworden ist, und dann weiß ich wieder, wofür mein Herz brennt.

https://www.morgenpost.de/politik/article409636070/china-staudamm-tibet-yarlung-tsangpo-klima-ausbeutung-wasser.html

Buch: Darwins Faktor

Von M.A. Rothman. 2019, Primordial Press Selbstverlag

Das Buch ist ein Thriller und auch ein science fiction Roman, denn es geht um Gentechnik und medizinische Möglichkeiten. Sehr gut erklärt wird nebenbei, wie das eigentlich funktioniert und gleichzeitig, wie diese Technik missbraucht werden kann. Das ist ein wenig drastisch dargestellt, und auch der Zufälle sind viele, die nicht so glaubwürdig sind. Aber vielleicht ist das in ähnlichen Romanen auch so, zur Verdichtung der Handlung und Eingrenzung des Personenkreises. Das kann ich gar nicht beurteilen. Es gibt welche mit komplizierteren Verflechtungen.

Es handelt sich um ein wichtiges Thema, im Vorwort schreibt der Autor selbst, dass ihn die „Pandemie Covid“ “ praktisch überholt hat, was sicher manch einem Autor so erging, dass er glaubte , in seinem eigenen Roman zu sein. Ich bin nicht sicher, auf welcher Seite der Autor steht, aber man kann eine Menge zwischen den Zeilen herausfinden, wo der Forscher selbst sympathisch dargestellt wird, der ein Heilmittel gegen Krebserkrankungen sucht. Und auch der Druck, unter dem er steht, ist nicht unerheblich. Eine Stimme für die Wissenschaftler.

Eine große Rolle spielt das FBI sowie manche Geheimdienste bzw. verschiedene Abteilungen, wo auch nicht alle die Bösen sind. Es war wirklich sehr spannend zu lesen und manchmal war ich ein wenig verwirrt von den vielen Namen der verschiedenen Chefs und Professoren, aber ich konnte den Hauptpersonen gut folgen in ihrer eigenen Problematik.

Und das war immer wieder vor allem der Schrecken der Krebserkrankung. Und zu welch zweifelhaften Methoden Betroffene greifen, wenn es ihnen als letzter Ausweg angeboten wird. Da geht es keineswegs um alternative Heilmethoden, sondern – um Ärzte.

Nun, es geht fast gut aus, wäre da nicht noch die eine mutierte Kreatur entkommen, das heißt unentdeckt. Absichtlich mutiert, verändert durch Gentechnik, und ich glaube nicht, dass das nicht real wäre. Nur die etwas plakative Form der Folgen -naja- . aber wer weiß es schon. Denn all das unterliegt in Echt natürlich der Geheimhaltung. (im Roman auch)

Ein Roman, nach allen Regeln der Kunst geschrieben, den kein Verlag haben wollte, weil sie ihn nicht einordnen konnten. Der Autor bittet um Verbreitung, daher dieser blog.

Buch: Schwester

Roman, von Mareike Krügel, Piper 2021

Der Titel , das Wort allein bewirkt schon etwas in mir. Ich habe eine Schwester, fast gleich alt wie ich, seit Jahrzehnten. Und mittlerweile ist sie natürlich einer der ganz wenigen,Menschen, die mich so lange kennen. Die soviel gemeinsames erlebten, aber es anders erlebten. Wir sind verschieden, so wie die Schwestern in Mareike Krügels Buch.

Dieses Buch ist ein wahrer Schatz, es geht um nicht weniger als die Frage, was ist das Richtige zu tun, und warum wählt man eine Art zu leben. Hat man immer die Wahl? Eine sehr herzerwärmende Entwicklungsgeschichte in der auch Fragen offen bleiben dürfen.

Ich erzähle nicht den Inhalt. Ich habe bemerkt, dass viele Rezensenten dies tun, es nimmt aber etwas weg. Es nimmt der Handlung ihren Lauf, ihre wunderbare Sprache, den Humor und noch viel mehr. Nur so viel: Da es sich bei einer der Schwestern um eine Hebamme dreht, die Hausgeburten betreut, ist dieses Buch auch für alle interessant, denen dieses Thema ein Anliegen ist. Ich würde sagen, alle werdenden Mütter oder solche , die es werden wollen. Ich bin keine Mutter, aber ich hörte von diesen Geschichten anderswo auch, es ist ein wichtiges Thema!

Von dieser Autorin aus Kiel – ganz nah- möchte ich mehr lesen und zum Glück gibt es auch noch mehr Romane aus ihrer Hand. Freier werden von den Ängsten, die so viel im Leben unbewusst bestimmen, davon kann man nie genug bekommen.

Buch: Die Spuren meiner Mutter

von Jodi Picoult, Bertelsmann 2016

Das ist das schönste Buch, welches ich in diesem Jahr gelesen habe. Und ich habe viele gelesen! Vielleicht ist auch gerade mein Herz so offen, dass eine Geschichte über Trauer tief ankommt und ich sie annehmen kann. Über Trauer? Nun ja, über Elefanten und Mütter, Elefantenmütter, die mich so berührt haben, und eine Elefantenforscherin, die deren Trauer erforscht, wenn eins ihrer Kinder stirbt.

Man kann es gar nicht so einfach sagen…Die Sicht verschiedener Personen wird in den Kapiteln erzählt, mehr und mehr entrollt sich die Wahrheit, über der ein dichter Schleier liegt. Man beginnt, sie ins Herz zu schließen, und wünscht sich die bestmögliche Lösung, und auch dass die Hellseherin, die ihre Gabe verlor, wieder sehen kann….Und dass es den Elefanten gut geht….man erfährt da wirklich sehr viel Wahres über diese Riesen, nicht nur schönes über ihr Leben unter den Menschen.

Und auch über Verstorbene, die nicht wissen, dass sie tot sind. Davon gibt es einige, davon gehe ich aus und finde es ein wunderbares MIttel, welches in diesem Roman genutzt wird, auch erklärt wird, wie die Kommunikation in solchem Falle aussehen kann.

Das hört sich merkwürdig an? Nun, merkwürdig, lesenswert, bedenkenswert und zu Tränen gerührt mochte ich das Buch gar nicht beenden. Doch- im Original heißt es „Leaving Time“, und das sagt es viel besser. Wenn eine Elefantenmutter tagelang über ihrem Jungen getrauert hat, kommt die Herde, um sie wieder zum Leben zu bewegen und zu unterstützen. Wenn es genug ist, dann ist die Leaving Time, dann wendet sie sich wieder der Gemeinschaft zu. Vergessen wird sie nie.

Mich hat es tief beeindruckt, dass die Elefantenfamilie an den Knochen erkennt, wer von ihnen der Gestorbene war und diesen sowie auch fremden Elefantenknochen die Ehre erweisen und diese mit dem Rüssel streicheln.

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