Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Den Satz kennen wir sicher alle seit unserer Kindheit. Und das Schweigen über so manches wurde unausgesprochen gelehrt. Ich frage mich, ob Menschen damit etwas verloren geht, wenn sie nicht reden. Andererseits reden über alles und nichts. Der Satz begegnete mir nämlich abgewandelt in einer Werbung, sehr geschickt mit einem Firmennamen verknüpft. Ich erinnere ihn nicht.

Als junge Frau war ich quasi stumm vor Scham, Wut und auch vom Fehlen der Worte. Es gab keine passenden Worte. In Therapien musste ich dann reden, aber heute denke ich oft wieder: Die Worte fehlen, passen nicht, werden falsch verstanden. Viele verbinden mit bestimmten Worten auch sofort bestimmte Denkbahnen. Für mich ist alles in Bildern. Autoren reden in Bildern, deshalb ist Lesen so wohltuend. Auch die spanische Sprache verwendet viele bildhafte Ausdrücke. Jemand kann etwas sagen und ich sehe das sogleich als Bild vor mir.

Und darum fällt mir das abstrakte Reden so schwer. Ich fange an, Diskussionen zu verabscheuen. Ich fühle mich nie verstanden, gleich von welcher Seite. Ich lebe zum Teil mit Leuten, die nicht mal ganze Sätze sprechen, das ist hier so üblich. Ich lebe mit Katzen, deren Sprache sich über den Körper ausdrückt und ich verstehe sie durch Beobachtung, sie verstehen mich auch durch Beobachtung, soweit nötig…über die Zeit und die Erfahrung. Aber da gibt es natürlich eine Beschränkung.

Ich bin eine Beobachterin. Das Leben unter fremden Sprachen hat mich geprägt, ich kann den Klang noch heute erkennen, ohne mehr als drei Worte zu verstehen. Auch da war ich oft zu Stummsein gezwungen, denn ich würde nicht verstanden werden. Manche Sprachen liebte ich zu lernen und zu hören, zuerst das Französische. Englisch war so normal, dass ich gar nicht merke, wenn ein Film auf englisch läuft. Ich kann sofort umschalten, darin träumen. Ich kann auch gut imitieren, dh den Klang umsetzen. Das Spektrum lässt grüßen.

Aber auch das lernt sich durch Reden. Die Beschränkung, die ich empfinde, könnte vielleicht durch das entstehen, was nicht gesagt werden kann. Nicht aus erzwungener Stille, sondern weil Stille und die unendliche Weite darin nicht gesagt werden kann. Mancher geht ab und zu zu einem buddhistischen Schweigetag. Wir schweigen auch in unserer Meditation. Und doch ist dadurch Vertrautheit und Zusammenhalt entstanden, eine größere Sensibilität für das , was dann gesagt wird. Dankbarkeit für das Mitteilen von persönlichen Gefühlen, die man eben nicht mit den Meisten teilen kann.

Gold und Silber, wir haben Schmuckstücke mit beiden Metallen, und ich verwende kolloidales Silber und Gold für etwas, was sich auf der Haut zeigt. Gürtelrose zum Beispiel, da kommt sie wieder mal und spricht zu mir: etwas, was mir entgangen ist.

Etwas ist mir zu nahe gegangen, ich wollte es lieber nicht merken. Jemand ist mir auf die Pelle gerückt und ich fühlte mich bedrängt. Es gibt hier wirklich sehr distanzlose Leute, rücksichtslos, und grundsätzlich in Sprichwörtern redend, was ich auch von meiner Mutter kannte, den Großeltern, die vom Lande kamen. Ja, ich passte mich schon an. Aber Ich bin das nicht. Da ist so viel mehr an Reichtum in mir, auch ein Wort, welches wir mit Gold UND Silber verbinden. Das Silber ist Synonym für Geld. Aber dieser Reichtum an Empfindungen, für die es kein Gegenüber gibt, oder sehr wenige, der ist das, wo ich denke- der fehlt diesen Menschen. Fast schon kollektiv.

Und damit will ich nicht sagen, dass ich etwas Besonderes wäre. Im Außen bin ich das ganz sicher nicht. Und während ich diese Woche den Menschen im Homöopathiekongress lausche, https://livinghomeopathy.de/online/, fühle ich mich auf einmal in der richtigen Sprache geborgen. Die wissen, wovon sie sprechen! Synonyme, Synchronizitäten, Empfindungen, eine ganze Welt kann gesagt werden. Vielleicht auch schön, weil es ein internationaler Kongress ist, von Australien bis Niederlande, die Veranstalter auf Zypern leben und das, worum es geht, universell ist.

Ich will fest daran glauben, dass dies ein Schritt zu einem besseren Menschsein ist, dass alle Menschen diese Feinheiten und diesen Reichtum eines Tages erkennen.

Und sich wehren dagegen, dass genau das unterdrückt werden soll mit allen Mitteln, die den geistig Armen zur Verfügung stehen.

Schweigen

Ich bin etwas stumm geworden, oder schreib-unlustig. Dafür war ich wieder unter Menschen unterwegs, alles was geht….Doch auch da ist es nicht mehr so, dass Empörung, Kritik, die Weltlage oder wichtiges angesprochen werden kann. Ganz im Gegenteil, es herrscht Schweigen über das, was vorher war. Man macht irgendwie weiter, es ist wieder geöffnet und keiner hat was davon mitbekommen, dass wir – also ein Teil der Bevölkerung- da vorher nicht mitmachen durften. Doch wir vergessen das nicht. Wir haben uns in dieser Zeit anderweitig orientiert, mit anderen Menschen, die diese Berührungsangst nicht mitgemacht haben. Und ich bin gekränkt, schweige, denke mir mein Teil.

Aber ja, so mancher ist zur Zeit krank, wir haben viele Touristen im Land, Besucher im Museum, das ist auch gut so. Die Events sind übervoll, alle sind ausgehungert nach Erleben. Auch ich, denn ich höre gern Musik und tanze. Da freue ich mich über Strassenfest und Konzerte.

Aber ich vergesse nicht, dass uns schon wieder eingetrichtert werden soll- „das Leben ist gefährlich. Man muss alles wieder beschränken….“ Ich kann dazu nur sagen: das Leben in reiner Sicherheit ist ein Knast, es ist nicht lebenswert. Es existiert nicht., Hierzulande scheint eine Zwangsneurose vorzuherrschen, solch eine Furcht wenn etwas nicht kontrollierbar ist. Aber wir alle müssen lernen, mehr im flow zu sein! Wir müssen! In Ländern mit mehr unbeherrbarer Natur fällt das leichter. manchmal auch, wenn es einen Glauben gibt…

Ich habe sehr viel Mitgefühl mit allen, die so große Angst haben, Panik, denn ich weiss wie sich das anfühlt. Derzeit mit meinem Vater, der kurz vor dem 90igsten Geburtstag im Krankenhaus liegt, und Angst vor dem Tod hat. Er glaubt an nichts als die Wissenschaft. Und wenn doch Religion nur den Sinn hätte, dass sie diese Angst nehmen kann, wäre das doch ein Sinn, denke ich. Natürlich nicht in der Form, dass sie wieder neue Kontrollsysteme und Ängste und Strafen hervorbringt…

Mein Vertrauen basiert nicht auf solchen Systemen.

Man kann sich ein Leben lang kontrollieren, beschäftigen, verdrängen, und auch das bringt eine gewisse Starrheit hervor, die irgendwann zum Hindernis selbst wird. Denn es macht den Körper krank, letztendlich.

Ich las wieder ein schönes Buch: Die Mondspielerin, von Nina George. Einfach ein Roman, über eine Frau mit 60 Jahren. Dank an die Schriftsteller-Innern.

Es erinnert daran, wie wir unsere Realität selbst mit erschaffen.

Ky 7/22

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