Buch: Das Lied meines Vaters

Von Andreas Hauffe, 2014,Roman, UNIVERSO

Das bescheiden wirkende Büchlein hat es in sich. Die Superpreisleistung besteht in einem hochkarätigen Inhalt. Die Geschichte beginnt mit dem Sohn, der seinen Vater nicht kennt, und erzählt dann parallel die Geschichte des Vaters, bis sich die beiden dann begegnen.

Das wird von kapriolenhaften „Zufällen“ begleitet wie ein choreografierter Tanz. Und richtig spannend! Mir ging sie nahe, diese Geschichte. Sie spielt in Köln, meiner Heimatstadt, und zwar in den Siebzigern, als der Vater Musiker in einer band war. „The dark side of luck“ heißt das Lied, welches er komponiert hat und das so erfolgreich wurde. Nur war ihm das nachher ganz egal, denn die Liebe spielt ein komplizierteres Lied, und so weiß zunächst der Sohn gar nichts von alledem. Erst als er selbst mit achtzehn Vater wird, macht er sich auf die Suche.

Das Buch reiht sich ein in die Erzählungen, von anderen über die Hippiezeit, es geht aber eher um Musik. Und zugleich werden politische Ereignisse der damaligen Zeit am Rande sichtbar, wodurch einem klar wird: Damals gingen die Berufsverbote gegen die Linken- einen Kunstlehrer von mir traf es auch- , es gab Terrorismus und Proteste und wilde Zeiten!

Uns wird im Laufe des Lesens immer mehr Verständnis für die Personen gegeben, ebenso wie sie dieses füreinander entwickeln. Das ist ein Prozess, und auch der Titel des Liedes könnte fast der Buchtitel sein. „Luck“ ist nicht das gleiche wie „happiness“, auch wenn beides mit Glück übersetzt wird.

Oder ist „luck“ das Schicksal, der glückliche Zufall, der eben auch Tragisches in Gang setzen kann. Kein Leben kommt vermutlich ganz ohne beides aus. Immerhin beschert der Erfolg des Liedes einen gewissen Geldsegen.

Ha, es gibt noch mehr Bücher dieses Autors! Schwupp, habe ich mir wieder eines bestellt…gebraucht, alt, egal. Superpreisleistung. Und Kinderbücher hat er auch geschrieben-. Der entsprechende leise vielleicht auch ganz leicht dunkle Humor stellt sich einfach im Roman viel eher ein als im echten Leben…

Historisch

Ich sah gestern eine Doku, in der es um die Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ging. Das war echt merkwürdig, denn es war meine Jugendzeit. Sie wirkt so fern, dass ich nun verstehe, warum jüngere Leute dazu nicht in Resonanz sind. Aber ich, ich erinnere mich. Und ich finde es sonnenklar, wie der Freiheitsgedanke in uns dort seinen Samen hat. Wir – natürlich nicht die gesamte Generation, aber doch der damalige Zeitgeist, der Neues schaffen wollte, – wollten uns von alten Normen befreien. Das ist wohl irgendwie in die Hose gegangen. Die Achziger habe ich verpasst, da lebte ich auf fernen Inseln, und ich meine kulturmässig verpasst. Vielleicht war das auch wegführend, dass ich mit 14 schon mal LSD ausprobierte, und nein, danach nicht mehr, es war ein strenges Elternhaus. Um so freier wollte ich danach sein. Ja, ging auch in die Hose. Aber immerhin nicht ganz. Diese Doku war ein Blick von aussen. So wie wenn es um die Musiker von damals geht, ihre Biografien, sie gehen uns langsam voran ins Nirwana.

Weggefährten und Familie berichten von dieser Zeit.

Und hier ist ein Dokument von heute, frisch und lebendig. Das ist meine Zeit und meine Resonanz. Ich bin nicht dort, aber es lebt in mir dieser Geist, forever young….

Danke an alle Musiker!!!!!!!!

https://www.youtube.com/channel/UCbuV6kkWu6neoufGP1CGxsg

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