Da könnte ich natürlich edle Werte nennen, die aber meistgebraucht zu Schlagworten verkommen sind. Einen hohen Wert bemesse ich der Zeit. Meiner Zeit, unbemessener Zeit. Im Prinzip hat jeder die gleichen 24 Stunden am Tag, doch erst seit ich diese zu meiner freien Verfügung, erlaubterweise, und Einteilung „besitze“, bin ich glücklich und zufrieden. Auch das ist eine Kunst, eigene Struktur zu schaffen und sich nicht der Fremdbestimmung zu unterwerfen. Diese Fremdbestimmung hat mich oft gequält , denn sie zwang mich, nur halb da zu sein. Aber den Großteil meines Lebens habe ich es geschafft, viel Zeit zu „haben“, einfach weil es nicht anders ging. Das aber ist in jüngeren Jahren nicht immer erlaubt, sozusagen gestohlene Zeit, wobei man sich jetzt andersherum fragen kann, welche Zeit wird uns gestohlen. Nein, wir bekommen sie ja bezahlt. Man tauscht sie also ein.
„Wenn sie träumt, ist sie woanders“ so ging der schöne alte Song im Radio heute früh, und in der Tat war das so, dass wenn ich irgendwo vor Langeweile fast umkam, träumte und wahrhaftig mehr woanders war. Eine trance. Das fiel mir leicht, das war überlebenswichtig. Leider ist man dann nicht in der Kraft, seine Umstände besser und freier zu machen, wenn man nur träumt. Der Wert, den man wahren 5 Minuten Da Sein gibt, macht diese wertvoll, und derzeit schätze ich das einfache Da sein, Tee kochen, Landschaft sehen, Leben gestalten mehr und mehr über die erträumte Zeit anderswo. Es mag nicht wichtig sein, was ich tue. Wer entscheidet das?
Für meine kleinen Katzen, die mich seit 13 Jahren seit ihrer Geburt begleiten, ist es natürlich wichtig. Sie kennen jede Bewegung, jeden Laut, und ebenso ist es umgekehrt. Mit keinem Menschen lebte ich so lange! Sie halfen mir, Hier zu sein. Und zwar erlaubterweise, so wie sie auch.
Gestern begleitete ich eine Freundin zum Jobcenter. Sie bemaß immer ihren Wert nach ihrer Leistung und den Sinn danach, für andere da zu sein. Das gibt ja auch Anerkennung. Wenn man an nichts glaubt, dann ist man fette Beute für diese Art von Sinn. Mein Sinn bestand darin, zu lernen, immer neues, immer mehr und anderes und tatsächlich habe ich in diesem Leben viel Wissen angehäuft; dass ich nun langsam vergesslich werde, ist lustig. Das Wissen hatte seinen Sinn. Zum Glück glaube ich, an mehrere Leben, oder auch Leben anderswo, in anderen Dimensionen und Lebensformen, was sonst macht Sinn? Zeit ist unendlich, wenn sie nicht eingeteilt ist.
