Der rote Koffer

Ich war selten allein dieser Tage, und dankbar dafür, Nur zum Schreiben komme ich nicht, zum Denken auch nicht, es hat mich erwischt. Die Glieder schmerzen. Es fiebert.

In der Ecke steht der rote Koffer, eigentlich eine Schultasche, die man auf Rollen fahren kann. Die stand bei meinen Nachbarn auf dem Sperrmüll, und nun ist sie mein Notfallkoffer. Also, einer davon…

So etwa wie das rote Telefon,…mit dem Reisepass, den ich ansonsten immer verlegt hatte und nach einem Jahr nicht wiederfand. Diesmal hatte ich Glück, dass ich ihn noch bekam, denn es herrscht 3 G im Amt – wir müssen draussen bleiben- hatte ich aber das Glück, dass ein junger geimpfter Verwandter mit meiner Vollmacht den Pass abholen durfte. Und wollte. Der rote Koffer bedeutet, dass ich noch etwas vorhabe, irgendwann. Immerhin in den nächsten 10 Jahren, hoffe ich. Es gibt noch einen Notfallrucksack mit Medis und homöopathischen Mitteln, einen Koffer mit Sommerkleidung, einen mit meinen Bildern und einige Kisten mit Essensvorräten, und ehrlich gesagt würde ich nichts davon wirklich tragen können. Selbst die Steinzeitausrüstung ist mir zu schwer. Ein Pelzmantel für den Notfall im Notfall…Im Ernstfall interessiert sich kein Schwein für all die Sachen.

Aber ich bin ja froh über mein Bett und den Ofen, und ich will auch gerade nicht weg….wir isolieren uns immer mehr, immer unmerklich mehr. Friedliche familiäre Tage. Ja, wir gehen Montags spazieren, in unserer Kleinstadt mehr als 200 Leute, und das tat gut zu erleben. Es war bloss so furchtbar kalt. Und ab morgen glaube ich, dürfen sich nur noch 10 Menschen draussen treffen. Was ja auch geht. Man wird sehen.

Das wichtigste ist ein Mensch, oder zwei….

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