Die sind vom Dorfflohmarkt im übernächsten Dorf. Manche sind etwas gruselig, aber andere wunderschön. Mich haben Käfer schon als Kind fasziniert. Und außerdem fand ich Reggaemusik auf CD, ein afrikanisches Metallarmband, lauter faszinierende Geschichten. Es waren Horden von Leuten unterwegs und die Hauptstraße zugeparkt, an jedem dritten Stand gab es Bratwurst und Kaffee. Dann traf ich auch endlich meine Freundin, die einen Hippie zu Gast hat, der gar nicht so alt ist, aber so aussieht, und er muss über Winter bei ihr bleiben, weil sein Bus, mit dem er sonst in Spanien weilt, kaputt ist. Es wird hier langsam kalt, und ich weiß genau, wie das ist, wenn man im Süden lebte. Man gewöhnt sich wieder, aber es erscheint nie normal. Andrerseits wird man auch selbst zum komischen Käfer, wenn man immer unterwegs ist und nie in einen Ort eingebunden. Es fällt zusehends schwerer, sich anzupassen. Uhrzeiten etwa. Ich kann es nicht mehr ab, wenn ich warten soll, bis irgendwer -„ich ruf dann an, wenn wir soweit sind“- mich in Wartehaft nimmt, so fühlt sich das nämlich an. Ich mache ja das Meiste allein, und das ist mir auch ganz lieb…Aber wie unglaublich nett die Leute auf dem Dorf sein können, mit ihren Kleinodien auf dem Tapetentisch vor sich, und so blauen Augen, und die würde ich sonst eigentlich nie sehen. Endlich weiß ich, welche Familie -dicke Frau, rothaariges Kleinkind,-in dem Hof wohnt, wo immer so viel Zeug vor der Tür steht…
Das Dorf hatte früher ein jährliches, großes Mittelalterspektekel, bei dem ich schon dabei war, und das gibts nicht mehr, weil man sich über Geld zerstritten hat. Schade. Ich hatte auf Mittelalterkleider gehofft, aber das sah eher nach Dirndl aus, not my style.
In meinem Dorf wurden in der corona-Zeit die letzten Häuser an Hamburger verkauft, schick gemacht.,und die nie da sind. Auch junge Familien gibt es wieder. Nun sieht man, dass die alten Höfe zum Verkauf stehen, wer wird sich für ne halbe Million so ein unheizbares Monstrum zulegen…wer weiß. Für junge WGś wäre viel Platz…
Im Grunde bin ich auch eher mit zugezogenen Hamburgerinnen befreundet, die sich assimiliert haben. Pferde, Ponys, Hunde…Frau braucht dann Reetdachdecker oder Zimmermann. Wer hier nicht alles selber macht, ist nicht normal.


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