Loslassen

Gestern traf ich viele Menschen, für meine Begriffe. Ich verbrachte einen Nachmittag auf einem Treffen spiritueller älterer Damen, und ein Herr war auch dabei. Ja wir kannten uns schon ein bisschen. Doch drei Stunden an einem Tisch zu sitzen und zuzuhören ist für mich wirklich nicht leicht gewesen. Aus Höflichkeit nicht früher gehen können. Das vermeide ich ja fast immer, solche Verpflichtung und Höflichkeitszwänge.

Das Thema wurde gefunden: Wie sieht es bei Dir aus mit dem Loslassen? Kannst du gut ausmisten und wegwerfen….Viel habe ich dazu nicht gesagt. Ich habe das immer gemacht, ganze Wohnungen mit allem zurückgelassen, plötzliche Brüche und ständige Umzüge. Ich lebte jahrelang aus dem Rucksack. Koffer hatten wir damals nicht. Schon gar keine, die man hinter sich her rollt. Das war auch nicht hippielike.

Und nun habe ich seit 10 Jahren viel Platz…und das Sammeln macht mir auch Spaß. Ich weiß nicht, ich schätze ich könnte auch alles- bis auf meine Tiere- plötzlich hinter mir lassen. Die Tiere halten mich hier. Und das Alter auch. Es ist alles so bequem….Katzen jedenfalls lieben es auch bequem, sie sind sehr ortsbezogen und brauchen ihr Revier. Nun wächst ein neues Kätzchen heran. Sie wird gelehrt wie man sich verhält, erlebt ihren ersten Frühling, ich würde sagen, man braucht mich hier noch.

Und andererseits brauchen sie mich nicht, sondern würden sofort eine Lösung finden, wenn es anders ist. Das ist ja die eigentliche Kunst. Die Fremdkatze, die jeden Abend vor der Hintertür um Fressen bettelt, sehr freundlich, weiß wie es geht. Ich habe keine Ahnung, wo sie herkommt. Kommen und gehen. Mein Kater ernährt sich offenbar von Mäusen.

Am Abend fuhr ich durch den beginnenden Nebel aus Nordfriesland über die Eiderbrücke wieder nach Hause, wo schon die Meditationsgruppe anstand. Ein Freund war gerade von einer Woche Berlinale zurückgekehrt und hatte eigentlich viel Interessantes zu berichten. Doch dann- unsere halbe Stunde Schweigen! Eine solche Wohltat.

Unglaublich, wie viel Energie und Kraft man so sammeln kann. Danach, zu viert, hatten wir dann noch mehr schöne Gespräche! Um Kraftorte und Kräuter, Rente und Bücher,….vertraut werden und die Besonderheit jedes Menschen wahrnehmen. Bisschen viel auf einmal, aber so kostbar. Ich bin Beobachterin, studiere Gesichter, staunend, in den Gesichtern unserer Generation ist so viel zu sehen. Manchmal vergesse ich dabei, mich selber auszudrücken und mich zu zeigen. Ich bleibe rätselhaft. Aber nein, man ist ja bei mir zuhause. Da sieht man eine Menge was „ich“ bin.

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