Der Stuhl

Auf manch einem Stuhl sitzt niemand mehr. Und doch ist ein Stuhl ein Wesen für sich. Auch bei mir stehen so einige Stühle herum, früher für die Katzen, doch die heutigen sind da lieber auf der Fensterbank. Sie haben Körbe Höhlen Kisten lieber. Ich benutze drei Stühle und einen Sessel, je nach Tageszeit. Das wäre auch nicht nötig, einer würde reichen. Ach einer dient noch beim Telefon. Das kommt einmal in der Woche vor.

Oben gibt es noch einen Stuhlkreis, denn ältere Damen meditieren nicht mehr im Schneidersitz, es ist auch auf dem Stuhl erlaubt und ebenso wohltuend. Mit dem Gedanken spielend, man würde – also man- in einen Wohnwagen ziehen, als einzigen Wohnort. Da hätte man also auf jeden Fall die Stühle draußen, so wie diesen. Ist nicht meiner. Sie eignen sich auch zum Abstellen von Dingen, bei Leuten, die viele Dinge haben. So mehrere Wohnwagen und so. Da ist vieles draußen. Doch der Traum von Freiheit, vom jederzeit wegfahren können, der bindet sich an Wohnwagen. Der Stuhl bleibt zurück.

Der hat mit Sesshaftigkeit zu tun. Sitzen Aussitzen Besitzen Durchgesessen.

Gesessen im Sessel und gegessen und dazu Lampe und Buch ist Zuhause. Überall. Der Stuhl am Küchentisch ist Heimat. Die Geschichten sind die Welt. Und selbst am Ende der Welt ist ein Stuhl, vielleicht eine Holzbank, ein Sitzplatz. Ich bin viel in der Vergangenheit, in inneren Bildern. Die Orte gibt es noch, aber manche damalige Stühle sind im Feuersturm verbrannt. Mit meinem täglichen Sitzen habe ich sie zu meinem Ort gemacht, mich verbunden und die Perspektive im inneren Gefüge.

Sonntag.

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