Hoch die Tassen

Zeigt her eure Tassen und ihre Geschichte, war ein Aufruf für April, an dem Gerda teilnimmt und sie hat mich nun inspiriert. Diese Tassen benutze ich ganz selten, denn sie sind so zerbrechlich. Wie gesagt, ich bin eine Tassenzerschmeißerin, unfreiwillig. Und ich besitze sie erst seit dem letzten Dorfflohmarkt. Woher sie wohl stammen, ob das türkisch ist? Praktisch ist es jedenfalls nicht, denn die Glasschale liegt in dem Kupferteil mit Henkel, welches bei heißem Inhalt ebenfalls heiß wird. Aber es ist eben besonders.

Ich erstand sie in der Garage des dicken Uwe, ja so nennt man ihn hier. Ein typisches Beispiel für einen unserer Dorfbewohner. Er ist schon in meinem Alter, seine Mutter verstarb gerade. Als ich also mit dem Fahrrad von Haus zu Haus gefahren war, und neben den Tassen noch manches andere erstanden hatte, entdeckte ich zuhause, das meine Geldbörse weg war.

Ich fand keine Ruhe, denn die Geldbörse war mir auch viel wert, hatte ich sie doch mal von La Gomera mitgebracht und auch war noch einiges darin. So, ich erhielt die Telefonnummer vom dicken Uwe und siehe da, er hatte meine Börse gefunden. Aber nicht, dass ich die jetzt einfach wiederbekommen hätte. Ich musste erst mal den Inhalt beschreiben , mir einen Vortrag über Finderlohn! anhören, da gäbe es doch Leute, die nichts geben! – und dabei eine halbe Stunde in seinem Wohnzimmer ausharren.

So etwas gehört zu den eher gräulichen Erinnerungen, wo ich mich an dreiste Menschen anpasse, statt meinerseits dreist zu sein. Das wäre hier , in Dithmarschen durchaus häufiger angebracht, und ist mir auch schon unbewusst gelungen. Ich möchte aber eigentlich nicht so sein. Man hat hier eine gewisse Distanzlosigkeit, weshalb ich gern weniger Kontakte pflege.

Ich glaube aber, einer meiner anderen Nachbarn hat dem schon mitgeteilt, auf seine Art, wie unmöglich das war. Jedenfalls glaube ich, werde ich die bewusste Garage eher meiden beim nächsten Flohmarkt, sei da auch noch so viel glänzendes Kupfer drin. So ist das mit Räuberhöhlen…

3 Antworten auf „Hoch die Tassen

Add yours

  1. Die Energie dieser Tasse ist so ganz anders, eher gastfreundlich-orientalisch, als die des Vorbesitzers mit seinem Kontrollfimmel („Was ist denn drin in der Börse“?) und Kleinlichkeit („Finderlohn“). Andererseits: Ehrlich ist er ja. Ein guter deutscher Biedermann eben und auf seine Weise auch in Ordnung.

    Gefällt 1 Person

    1. Mag sein, Das wird aber dem Abscheu nicht gerecht, den ich empfinde, wenn mir aus quasi Höflichkeit die Nähe zu fremden Menschen aufgezwungen ist, so etwa ein Meter .und auch wenn andere- er wußte dass ich mit seinem Nachbarn befreundet bin!- mir pro forma Unehrlichkeit unterstellen, bin ich aus Äußerste empört…Orientalisch dachte ich auch…

      Gefällt 1 Person

Hinterlasse eine Antwort zu Amorak Antwort abbrechen

Webseite erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑