Spiegel

Das Sonnengesicht – es ist auf einem Khuya eingeritzt, ein heiliger Stein aus einer peruanischen Tradition, der nun auf meiner Mesa liegt. Mit anderen Steinen. Das Gesicht spricht mich natürlich besonders an. Es macht ihn persönlich. Andere mit ihren Gesichtern und Geschichten spiegeln meine Empfindungen, und durch deren Worte finde ich manchmal zu meinen eigenen. Ich lese einige Frauen, die durch schwierige Lebensbedingungen gehen, und das sind nicht die von Hunger, Durst, Kälte. Es sind innere Brüche, die bei einem Aufruf von Konflikt wieder auftauchen, alter Schmerz, der einen plötzlich überfällt. Also es ist kein Wunder, wenn man Angst vor seinen Gefühlen bekommt.

Ich kenne schon Menschen, die für alles ihre Umwelt verantwortlich machen und Rücksicht erwarten für ihren speziellen Zustand. Das lässt sich nicht realisieren. Ich war einmal so, und auch heute wähle ich sorgsam, in welche Felder ich mich begebe. Ich werde da dennoch manchmal besonders an das erinnert, was ich früher nicht so richtig gemacht habe.

Vor allem bin ich schnell verwirrt, wie denn etwas gemeint ist. Ernst oder Spaß? Für mich ist das ganz und gar nicht lustig. Denn das Gefühl ist schneller als die Frage. Solche „Späße“ können mich einen ganzen Tag aus dem Gleichgewicht bringen. Genau aus dieser Angst heraus habe ich überzogen reagiert, habe ich abgewehrt und versucht, zu kontrollieren, weil ich weiß, was mit mir passiert.

Ich bin ganz dankbar für Worte, die das beschreiben mit Ohnmachtsgefühl.

Was mir hinterher hilft: Diese kleinen ganz einfachen Rituale, die schamanische Tradition überall auf der Welt bereit hält. Manchen hilft Religion, Beten und das ist nicht ganz mein Weg. Das erfordert meist eine Anpassung an Dogmen und Verhalten, das nicht zu mir gehört. Macht wird auch da von Menschen ausgeübt.

Ich möchte im Austausch mit stärkenden Kräften sein, das sind nicht Menschen. Ehrlich, in Menschen finde ich so wenig Halt. Da bin ich wohl nicht die Einzige, deshalb gibt es wohl Wege, die zahllosen Wege, die Menschen gesucht haben, um eine andere Perspektive zu bekommen.

Es gibt Übungen, sich mit der Sonne zu verbinden und vieles mehr. Kunst, Singen, Natur. Ohne den Ehrgeiz, etwas gut zu machen, oder es für andere zu machen. Ich bin ein Sonnenkind.

9 Antworten auf „Spiegel

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  1. Die Paneurhythmie, von der ich gelegentlich schrieb (wurde von Petar Danov in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt und gelehrt), ist ein Sonnentanz. Wir tanzen ihn jede Woche ein- bis zweimal am Strand oder, im Winter, in einem Park, und es tut uns allen sehr gut.

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      1. Du meinst Eurhythmie. Paneuthythmie geht auf den Orphismus zurück, der sich im heutigen Grenzgebiet Griechenland/Bulgarien entwickelte, und seine Wurzeln im Apollonkult hat. Apoll war die vergeistigte Wesenheit der Sonne, die den Titan Helios ablöste.

        Petar Dunov gehört zur „Weißen Bruderschaft“ – von dort gibt es Verbindungen zur Anthroposophie, doch Genaueres weiß ich nicht.

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  2. Vieles aus Deinem Sonnengesichts-Beitrag geht da bei mir in Resonanz. Und ja, wir finden selten Halt bei Menschen. Es hat bei mir lange gedauert, bis ich einsehen wollte, dass wir zwar vorübergehend bei einzelnen Menschen Halt finden, aber es ist ja nicht unsere Aufgabe, dies bei anderen zu suchen. Eine mir wichtige Freundin, sagt ihr Halt ist Gott, den sie in sich spürt. Ich dagegen zweifel oft an meinem Gott, angesichts des Leid in der Welt, geht er mir immer wieder zwischendurch verloren. Für mich ist es großartig und wunderbar, wenn ich 2/3 Menschen in meinem Leben habe, denen ich vertrauen kann und die verstehen wie ich bin und mich auch aushalten. Das ist für mich Halt.

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    1. Ja, auch ich nehme Menschen mehr und mehr wie sie sind, und sie mich. Doch je länger ich lebe, umso weniger rede ich noch von früher, welche Erfahrungen zu meinem jetzigen Ich geführt haben, das verstehen sie eher nicht. Ich kenne Menschen, die noch nie von Retraumatisierung und solchen Begriffen gehört haben. Aber Halt geben sie in materieller Weise, in Hilfsbereitschaft und Dasein. Gott ist nicht mein Wort….

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      1. Der Eine Geist ist die reine Quelle, die allen Menschen innewohnt. Alle sich bewegenden Wesen, die vom Leben durchpulst sind, bestehen aus dieser Einen Substanz und unterscheiden sich nicht voneinander. Unsere ursprüngliche Natur ist in Wahrheit ohne die geringste Gegenständlichkeit. Sie ist leer, allgegenwärtig, schweigsam, rein. Sie ist herrlich und geheimnisvoll friedliche Freude, nichts anderes. Dieser reine Geist, die Quelle von allem, scheint für immer und auf alle mit dem Glanz seiner eigenen Vollendung. Volles Verständnis kann nur durch ein unausdrückbares Geheimnis kommen. Der Zugang zu ihm heisst der Torweg der Stille jenseits aller Tätigkeit. – https://zzbzurich.ch/huang-po/
        Das fand ich eben bei Blütensthaub.

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