Ich las ein Buch

Es regnet! Ich hoffe nur, es wird richtig stürmisch, damit die Nachbarn, wenn sie betrunken sind, nicht so viele Raketen und Böller abfeuern. Katze Martha will jetzt schon bei jedem Knall in den Keller, Max ist auch nervös. Meine alten Katzen hatten nie Angst. Shiva wird bei jedem Knall bellen und das ist noch schlimmer…

Und ich lebte tagelang ohne ein Buch. Dann ging ich in den Supermarkt, auch da gibt es Bücher, die ich normalerweise nicht mag. Fitzek und Konsorten, solche. Aber dann, in der Ecke mit ein paar Mängelexemplaren, fand ich das richtig gute Buch.

„DAD“ von Nora Gantenbrink, 2021,Roman, rororo.

Es ist ein trauriges Buch über einen Hippievater. Von der Tochter geschrieben. Das Thema gab es auch schon in „Yoga Town“, über das ich dann doch nicht schrieb, weil es mir nahe ging. Das war auch aus Sicht der Tochter geschrieben, noch viel komplexer, und bei beiden geht es um die Frage der Kinder, was ihre Eltern bloß an dieser Hippiezeit fanden, wie sie das erlebten, und warum sie so wurden. Es klingt ein wenig wie eine Krankheit, die natürlich durch die Drogen und so weiter auch bestand.

Aber andrerseits geht es da genau um die Leute, die ich mein Leben lang kenne. Ich weiß, dass Kinder von Hippies nicht besonders glücklich damit waren. Ich bin dann manchmal froh, dass ich keine habe.

Aber es geht auch um mehr, – das eigene Leben leben zu können. Auch die Tochter muss es lernen. Es geht um ungewöhnliche Charaktere, und vor allem das Normale in einer spießigen Provinz. Aus der auch sie entfliehen muss. Das Buch ist wirklich tief und manchmal, ja manchmal ist auch gar nicht mehr dahinter. Kein Geheimnis. Was wir erlebten, läßt sich gar nicht erklären, weitergeben, verstehen.

Diese beiden Bücher machen es ganz gut. Aber wo schreiben wir darüber,…

Wahlfamilie

Nun bin ich also die „Oma“, bei der sich alle Mühe geben, einen harmonischen Festabend zu verleben, und es hat auch geklappt. Es gab verschiedene Differenzen zu umschiffen. Ich stand zwei Tage in der Küche, Familie war übrigens nicht dabei. Keine Kinder, Eltern, Schwester. Sondern eine zusammengewürfelte Gruppe unserer Freunde, die sich jedes Jahr so wiedertreffen. Man kann das eine Wahlfamilie nennen, so wie manche auch von Wahlheimat oder zweiter Heimat sprechen. Da trifft man ja wirklich eine Wahl. Bei den Freunden, wie kommt es bloß.

Einige von ihnen hatten im letzten Jahr eine neue Liebe gefunden, die aber schon wieder passe war. Alle sind singles, bis auf c und mich natürlich, die wir uns sechs Jahre kennen und in der Zeit die verschiedensten Lebensräume zusammen versuchen zu vereinen.

Ich brauche immer jemanden, der die Unterhaltung schmeißt. Dafür gibt es eine perfekte Freundin, die allerdings nach drei, vier Stunden sehr anstrengend wird. Aber so mögen wir sie. Ihr Vater war vor drei Tagen gestorben und wir diskutieren über verschiedene Bestattungsmöglichkeiten.

Cést la vie.

Es wurde Frost, wir waren satt, alle waren froh, nicht allein gewesen zu sein. Aber hat man eine Wahl? Ich wundere mich doch immer wieder, wie ich an diese Menschen gerate, die alle so anders sind, so schwierig im landläufigen Wortsinne, und das ist schon mein Leben lang so. Mit meinen Nachbarn, die glaube ich alle ganz normal sind, habe ich nichts zu tun, Also nichts privates.

Aber man glaubt es vielleicht nur, das mit dem normal. Zumindest wundere ich mich immer, bei allen, wie sie bestimmte Dinge glauben können. Und zwar Propaganda in deutlichstem Sinne. Politisch wie religiös, böseste Hetze in meinen Augen, Unwahrheiten um zu übertreiben,…ach es ist ein Jammer. Und das haben wir an dem Abend weitgehend umschifft.

Übrigens stellten wir zufällig fest, dass sowohl Patti Smith als auch Madonna aus einem streng religiösen Elternhaus stammten, und wie unterschiedlich aber auch sehr auffällig ihre Reaktionen darauf waren. Ich bin natürlich ein totaler Patti-Fan und habe ihr neues Buch bald…

Mit Grausen lese ich von den neuen Gebets-Apps und sonstigen Machtinstrumenten, die in Amerika wieder oder immer noch aktuell sind.

Gestern sah ich dann den Anfang einer Miniserie: „Becoming Karen Blixen“, die mir nicht sonderlich gefiel, aber doch ist das interessant, wie sie ihren Weg ging als Schriftstellerin. Als Mensch so gescheitert…und aus einer Unitarierfamilie, auch streng. Die sind mir erst durch eine Freundin bekannt geworden, die auch damit aufwuchs. Offenbar bewirkt solche Strenge einen riesigen Drang nach Freiheit und ziemliche Unkenntnis, wie man damit umgeht. Auch mir ging es so. Man gerät an die Falschen. Andere werden dennoch weltberühmt! Sie leben die Freiheit inklusive der Einsamkeit für die anderen aus, die davon träumen.

Der Traum vom Leben in Afrika, in Indien und sonstiges Exotisches war damals groß en vogue, mitsamt dem ganzen kolonialen Gehabe. Und da verkauften sich eben solche Bücher gut und wurden kitschig verfilmt. Ich habe übrigens hervorragende Romane über die Kolonialzeit in Indien gelesen, von Indern geschrieben.

Die allerdings wurden damals auch in England in Internaten großgezogen und schrieben auf englisch.

Aber wir kennen ja auch Arundhati Roy, in der heutigen Zeit, die den Finger in die Wunde der Kastengesellschaft legt. Das Exotische ist mitnichten nur bunt und Malerisch. Die Welt so zu entdecken ist in unserer Zeit vorbei…aber wenn man jung ist, ist es schon ein gelebter Traum.

Und ich bin dankbar für alle, die davon geschrieben haben, sie haben mich auf die Reise geschickt.

Das schlimmste Buch

Meine derzeitige Retro und Antikliebe bei Büchern…hat mich zu einem Buch geführt, das eher peinlich ist, es gelesen zu haben. Fiesta Fatal (muss es nicht fatale heißen?) spielt auf Fuerteventura, und das war auch der einzige Grund, etwas daran gut zu finden.

Es ist von 2002, aber es tranportiert- wie schon auf dem cover ersichtlich, – ein Frauenbild der 50iger Jahre. Da geht es um Heiraten und Geld. Es ist eine Aschenputtelgeschichte, mitsamt allerlei Verdrehungen und reichen Erbtanten und ach, Lest es nicht. Nur die Beschreibung der Insel ist ganz gut. Wer trifft denn einen reichen Mann dort? Na ja manchmal, habe ich von gehört. Dann aber nicht mehr jung…

Der Katzenkrimi von Mrs. Murphy- wer kennt ihn nicht!- ist immer noch so gut, dass man ihn noch einmal lesen kann! Wer Katzen kennt, wird ihn lieben. Die klugen Tiere erzählen uns nämlich, wie sie über Menschen denken, und sie haben leider ganz recht.

Besonders gefällt mir der Aufkleber von DM 12,- auf dem cover, denn auch das ist ein Stück Geschichte, fast vergessen. Dieses antike Exemplar stammt aus den Neunzigern. Damals arbeitete ich auch das letzte Mal in einem Laden, und auf dem Biomarkt, wo ich noch in D-Mark kassierte. Ich mochte es sehr, das Bargeld. Es macht einen doch unabhängig! Alles, was uns unabhängig macht, ist wichtig.

Zu Zeiten von Sklaverei und Leibeigenschaft ist den Abhängigen Vieles verboten. Glaubt ihr, das sei Vergangenheit? Vielerorts eben nicht. Es sind deutsche Firmen, die solches anderswo praktizieren, wenn auch die Hochglanzfassade anderes zeigen mag in Werbevideos. Ich will mich ja nicht mehr aufregen, nein….Lachhaft ist das Argument von „Grünem Stahl“. Es gibt ihn nicht. Da werden Flächen abgeholzt, in Brasilien, um Eukalyptusbäume hochzuziehen, die dann anschließend zu Holzkohle gemacht werden, mit der dann Stahl erzeugt wird. Das ist so unglaublich. Aber wahr, wie die Doku auf arte ( finde sie nicht mehr) es zeigt, aber keinen interessiert es! Darum glaube ich nicht an die Klimarettungsnarrative, sie sind erlogen.

Mal abgesehen davon, dass genau dort den Einheimischen ihr Land einfach weggenommen wird. Grün ist hier gar nichts. Aber das ist ja gar nicht neu. Wie konnte das passieren, in den letzten Jahrzehnten!

Buch: Bonjour Agneta

Neuanfang auf Französisch, Roman von Emma Hamberg, aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, dtv, 2024

Ich hatte nun ein paar Tage Zeit, die Geschichte in mir zu bewegen. Sie hat mich bewegt. Es ist natürlich ein typisches Frauenbuch von der Frau mit 50, die in einer lieblosen Ehe steckt und nicht verstanden wird. Sie erlebt sich in Frankreich neu und anders, und verändert ihre zu klein gewordene Welt.

Das ist schon fast ein Klischee in sich, wäre da nicht diese wirklich sarkastische Weise, über sich selbst – es ist aus Sicht von Agneta geschrieben- zu denken. Der Verlag nennt es Ironie, doch da zeigt sich wieder, dass ich all solche Ironie, Zynismus und Gehässigkeit nicht leiden mag. Es ist halt eine drastische Darstellung von depressiver Selbstsabotage, wie ich sie auch ganz gut kenne. Auch ich habe etwas Agneta in mir gehabt.

Vermutlich gibt es auch in Frankreich strenge und zwanghafte Ehemänner und Frauen, die sich klein machen, nicht verstanden werden. Die Welt, in die Agneta als vermeintliches Aur Pair Mädchen gerät, birgt jedoch eine Überraschung und hier wird es auch interessant. Es ist das exzentrische Zuhause eines homosexuellen Künstlers, der in den Achzigern seines Lebens langsam dement wird.

Es stellt sich heraus, dass Agneta gut mit Chaos zurechtkommt! Sie kommt aus sich heraus, sie darf sein wie sie ist. Es sind schwere Themen, die mit Humor gehandelt werden. Was mir nicht gefällt, aber auch realistisch ist, ist der viele Alkohol, mit dem diese Lockerheit erreicht wird. Agneta ist so sehr das typische Bild einer versteckten Frau, die zur heimlichen Alkoholikerin werden kann. Das ist aber nicht thematisiert. Sehr wohl aber ausgelebte und unausgelebte Libido: Lebensfreude sowie auch Sexualität, Sinnlichkeit bis ins Alter.

Sehr gut gefällt mir das Sprachdurcheinander aus Fränzösisch und Schwedisch, von dem der Demente mal die eine mal die andere Sprache spricht. Es wird Wert gelegt auf das Wort, auf die Mentalität, die sich auch durch Sprache zeigt. Und wichtig ist das Denken: wie sehr sich ein Künstlergehirn unterscheidet, indem wir in Metaphern und Assoziationen denken; Ideen können nur hervorkommen, wenn man die eingefahrenen Strukturen nicht verhärten lässt.

Und ich habe es ja selbst erlebt, wie Weiblichkeit in anderen Ländern anerkannt und bewundert wird. Es ist ein neues Gefühl, als Frau wahrgenommen zu werden. Das Buch ist ja nicht einmal alt. Es soll dieses Jahr einen zweiten Band geben, auf den ich eigentlich gespannt bin. Besonders gefällt mir natürlich das cover, welches mich magisch anzog auf dem Büchertisch des Flohmarktes. Ich kaufte es in der ersten Minute.

Nun habe ich die ganzen Gedanken, die inneren Selbstgespräche niedergeschrieben. Solche sind das Laster von Agneta ebenso: Sie spricht nichts aus, sondern redet mit sich selbst. Mit verschiedenen Stimmen , die verraten, dass die Fremdbestimmung bis ins Innere geht, wenn sie von Beginn des Lebens an übermächtig wird. Man glaubt , nicht richtig zu sein. Man ist überzeugt davon.

Die Geschichten anderer können das zurechtrücken, und deutlich machen, dass die eigene Entscheidung für das Glück verantwortlich ist. Glück hatte vor allem jener alte Mann, der aus dem engen Leben zwangsweise herausgeworfen wurde, als er jung war- „so einer“ war völlig indiskutabel als Vater seines Sohnes, – er erlebt eine lebenslange große Liebe, doch wartet er auch jede Woche auf seinen Sohn, der ihn nun endlich kennenlernen will, „bevor es zu spät“ ist.

Nicht jeder hat das große Glück, aber das kleine Glück 42 Käsesorten zu probieren, und schöne Unterwäsche zu tragen,…nun das ist gar nicht zu verachten. Coming-of-age nennt man die Filme, wo es vom Teenager zum Erwachsen werden geht…aber wie nennnt man diese anderen Phasen? Becoming your self? Gibt es das in diesem Zeitgeist?

Buchrezept

Diese gut lesbaren Bücher sind nach dem gleichen Rezept gebacken. Und es kommt an. Immer gibt es eine Liebesgeschichte einer enttäuschten Frau, die noch jung und auf dem Weg ist, zu sich selbst zu finden. Es gibt dann wieder einen Mann, von dem sie Enttäuschendes erwarten. Aber es gibt auch diese zeitlichen Sprünge in eine Vergangenheit und Familiengeschichte, Zeitzeugen, und aufgedeckte Geheimnisse. Das ist, besonders in den französischen und irischen Romanen, eine Historie aus den letzten Weltkriegen. Man bekommt den Eindruck, dort sei manches nicht so vergessen, auf ganz andere Art als hier bei uns mit den offiziellen Gedenkpflichten. Und diese Bücher vermitteln das sehr gut. Es ist keine Romantisierung wie in manch einem Mittelalterroman.

Und dass es eine America-first Bewegung bereits zur Zeit des zweiten Weltkrieges gab, lernte ich bei Barbara Davis, wo man auf den Spuren der Familiengeschichte entdeckt, dass so manche keine Einmischung in diesen Krieg wünschten. Diese Geschichten so leicht zu schreiben, ist sicher nicht so leicht. Es gibt auch einen großen Respekt vor den Künsten und den Wegen der Vorfahren. Dazu aber auch meist eine klar wahrgenommene Frauengeschichte, mit all den Nachteilen, denen Frauen ausgesetzt waren, die als selbstverständlich galten. Ich mag diese Zusammenstellung von heute und damals, und wie oft wir lernen müssen., uns von dem Übernommenen zu lösen.

Katzenjammer

Nun, nicht wirklich. Wir gucken raus in den Regen und sind ein bisschen unzufrieden. Aber da es warm und kuschelig ist, gibt es auch keinen Grund zum Jammern. Die „Katzenjammerkids“ sind ein comic aus dem New York vor mehr als 100 Jahren. https://www.deutschlandfunkkultur.de/einer-der-aeltesten-comics-der-welt-125-jahre-katzenjammer-kids-in-neuauflage-dlf-kultur-1b0f74d4-100.html

Nun, das besondere ist, dass die Zeichner nicht nur deutsche Wurzeln hatten, sondern direkt aus Heide in Dithmarschen eingewandert waren. Und hier hat sich ein heutiger Comic-Zeichner, Tim Eckhorst, um diese Geschichte bemüht und es gab auch etliche Veranstaltungen und eine Ausstellung im Mueum Lüttenheid. https://www.timeckhorst.com/

Es gab schon Comics aus Dithmarschen- Werner wurde auch recht bekannt, von Brösel Gezeichnet. https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_(Comic)

Wenn man hier so wohnt, dann erkennt man, woher diese Ideen stammen könnten…

Ich lese in einem Verlagskatalog, dass es nun Bilderbücher für Erwachsene gebe. Nun ja. Ist nicht wirklich neu, nicht wahr. Zumal die manchmal nett gezeichnet sind, aber ist das noch echt? War es die KI? Die besondere Ausdruckform von Comics hat so viel mehr, Humor und Übertreibungen, Körpersprache, und dann sind sie vielleicht auch noch richtig viel wert, wenn sie hundert Jahre auf dem Dachboden überleben.

Der erste Schnee

Und ich bin doch davon überrascht, er bleibt sogar liegen und die Wiesen werden weiß. Stille senkt sich herab. Man hört die Flocken nicht, im Gegensatz zu Regen.

Alle Katzen sind im Haus. Auch der „Wilde“. Es dauert, aber er fasst Zutrauen. Ich weniger…er stinkt. Zum Glück betritt er nur die Küche durch die Waschküche, unseren Hinterausgang. Ich habe eine Falle, aber ich will ihn nicht einfangen und zum Tierarzt schleppen. Anfassen- no way.

Ich werde mal fragen, ob man das anders lösen kann. Katzenschnupfen ist ein Elend.

Das Buch von gestern hat mich sehr bewegt, es war spannender als jeder Krimi ( Der verschwundene Buchladen). Es war nicht nur romantasy, sondern realer Geschichtshintergrund, Wissen um wertvolle Bücher und Schriften, Frauenrechte, oder vielmehr das Unrecht, dass ihnen-uns- immer wieder angetan. Es liest sich wohl anders, wenn man selbst davon betroffen war. Und auch wenn man schon mal etwas von den Schwestern Bronte gehört oder gelesen hat. (Bronte mit zwei Punkten über dem e)

Ich bin dankbar für das, was jetzt ist. Es passiert einiges um mich herum, manche sind krank und andere verlieren ihr Zuhause. Ich muss nicht weg morgens um sieben, ich habe alles.

Wir schauten einen Film aus den neunzigern. Das war doch …die Sprache ganz anders, und was heute alles unkorrekt wäre, jeder Witz …Ob Estevez das heute noch wagen würde…(Men at work) https://www.filmdienst.de/person/details/386/emilio-estevez

Es hat sich viel verändert, man merkt es ja dann erst. Und die Jungen, die da erst geboren wurden, was merken sie. Beneiden tu ich sie nicht.

Licht

Eine verlassene Stadt- so wirkt Friedrichstadt ohne Touristen – und wie angenehm! Grachten ohne vollbesetzte Boote, leere Parkplätze, nasse Straßenpflaster. Da tanzen die bunten Lichter ganz ohne Aufwand über dem Wasser.

Ich trat gerade aus dem kleine Buchladen, um die Sonne untergehen zu sehen. Im Westen liegt hier die Nordsee, nicht weit, aber doch so weit, dass ich nicht hinfahre, um es am Meer zu sehen.

Und ich hatte ein Buch unter dem Arm, ein wunderschönes. Da macht man sich ein bisschen Gedanken um weibliche Leser, und ja, ich werde von schönen covern angezogen. Es ist ein winziger Buchladen, und er ist zum Glück noch da. Das Buch heißt nämlich: Der verschwundene Buchladen“ ( Evie Woods, Adrian Verlag) und ist natürlich ein Genuss für Buchliebhaber. Das wirkt so heimelig und gemütlich, aber es geht auch um Gewalt an Frauen, damals wie heute, es werden parallel zwei Zeitabschnitte erzählt. Ich bin gespannt, ob sie den Buchladen finden. Ob sie sich selbst finden.

In zwei Wochen beginnt die „Grachtenweihnacht“, da wird es funkeln und die Besucher werden strömen. Als historisches Städtchen muss man die Kulisse doch ausnutzen. Die Stadt wird begrenzt von zwei Flüssen, der Eider und der Treene. Das Wasser macht sie so besonders. In einem strengen Winter sah ich Kormorane in der Stadt unter der Brücke, Es ist übrigens eine Schande, dass wilde Vögel getötet werden, die angebliche Vogelgrippe bringen, um die krankhaften Geflügelbetriebe zu schützen. Eine Schande ist das alles für den Menschen.

Es gibt gar keine Entschuldigung für diese Art der Tierhaltung. Und sie bringt uns das Verderben. Wilde Vögel leiden genug unter dem Rest der insanen Menschenwelt. Windräder, rund um den Nationalpark, mehr und mehr, und nun ist das Solarpfründeparadies im Kommen. Eine Schande.

Schön ist, dass die Stadt ihre Krähenkolonien duldet, die sich allabendlich zu den hohen Bäumen im Stadtpark begeben, die mit einem vielstimmigen Gekrächze und am bewölkten wilden Himmel den Anschein wecken, es sei alles Natur und wunderbar…

.https://www.friedrichstadt.de/die-stadt-entdecken/veranstaltungen/grachtenweihnacht

Kristalle

Nun, ich habe natürlich noch einen Gomerakrimi gelesen, der mir besser gefallen hat. Er heißt “ Tödliche Kristalle„, von Michael Junge, auch im Selbstverlag, wenn ich das richtig sehe.

Nach den „Tödlichen Trommeln“ also die „Tödlichen Kristalle“ . Ich muss wohl vorausschicken, dass in Krimis grundsätzlich alles Esoterische als Scharlatanerie aufgedeckt wird, und solche Autoren grundsätzlich keine Ahnung haben von Heilmethoden und Kristallen und sonstigem, weil sie nicht daran glauben wollen. Immerhin werden die Menschen hier sympathisch dargestellt.

Ich denke also, grundsätzlich gibt es keine tödlichen Kristalle. Ganz im Gegenteil gibt es sehr alte Heilweisen mithilfe von Kristallen; ob die Rituale dazu richtig angewendet werden, ist natürlich nicht sicher. Soweit ich das weiß, speichern Kristalle Energie, und können Information aufnehmen, ebenso wie Wasser. Wir müssen uns an neue Denkweisen gewöhnen, nämlich dass es mehr gibt als wir bisher glauben. Das ist doch mit jeder Technologie der Fall. In anderen Fällen von Technik nehmen die Leute es alles unkritisch hin und lassen ihr Leben davon bestimmen.

Es handelt sich wieder um eine relativ einfache Geschichte, gute Krimis kommen heutzutage schon sehr viel mehr verschachtelt daher, aber trotzdem macht es Lust zu lesen, denn die Ortsbeschreibungen sind ganz nett, und es kommt sogar die spanische Sprache vor!

Wir erhalten also Informationen über die Insel auf eine spielerische Weise, was für Neuankömmlinge wie eine der Hauptpersonen sehr hilfreich ist. Und es ist nicht so furchtbar eingedeutscht, was mich zunehmend stört an Orten, wo es eine einheimische Bevölkerung gibt. Daher gibt es hier eine Deutsche mit einem spanischen Partner, so wie es auch in zahlreichen neueren Fernsehkrimis der Fall ist . (Barcelona-Krimi, The diplomat etc)

Warum fahren manche Leute überhaupt ins Ausland, fragt man sich. Ach, die Bösewichte sind dann doch Deutsche…besonders Reiche und Drogendealer. Ich weiß nicht recht, ob die gegen ebensolche Spanier eine Chance hätten…meine Lieblingsserie ist da immer noch „El Hierro“, welches auf der Nachbarinsel spielt, eine spanische Produktion, menschlich herausragend.

Nun. Je mehr man liest, je mehr man sieht und erfährt und erlebt, umso besser kann man alles erkennen, unterscheiden, und lernt etwas dazu. darum ist es auch gar nicht verkehrt, diese kleinen Krimis zu lesen.

Der Kristall-und Mineralienreichtum der Kanarischen Inseln ist eine Reise wert! Was hätte man dazu alles schreiben können…

Mineralien der kanarischen Inseln„, Rudolf Franz Ertl, Turquesa.

Peinlich

Ach. Was soll ich sagen…ich nahm den neu bestellten Gomerakrimi zur Hand. ( Brandwunden, Klaus Rose, tredition) Hätte ich doch bloß die Leseprobe angesehen wie bei den anderen. Mir wäre es peinlich, so zu schreiben, es ist ein sprachliches Desaster. Mal abgesehen von unkorrigierten Fehlern, selbst wenn jemand so redet, würde ich ihn wohl nicht kennen.

Ich gebe zu, die Insel ist für mich eine Art Heiligtum, und offenbar reklamieren das auch andere für sich, bei denen ich so gar nichts heiliges erkennen kann. „Damals“ – das ist das woran die meisten hängen und wo sie ihr Herz verloren. Die einst freie Hippiezeit, mit denen hat es der Autor aber so gar nicht. Bzw seine Figur, eine Art Protz, dem es an Sensibilität fehlt.

Die Polizei kommt hier auch wieder nicht so gut weg, wenn auch manches Wissen vorhanden ist,vor allem über echte Orte und Leute, die jeder kennt. Im Vorsatz wird ausgeschlossen, dass das etwas anderes als Zufall sei. Klar. Mit echten Namen.

Jeder Tourist schmückt sich gern damit, dass er diesen und jenen kennt. Leider wurde das Thema, nämlich der verheerende Brand, mit all dem Leid den er brachte, nicht wirklich gewürdigt.

Zum anderen soll man sich nicht einmischen in die Dinge, die so laufen, vieles erfährt man im Laufe der Zeit und warum Leute nicht mehr miteinander reden oder ganz weit oben auf den Berg gezogen sind,…aber das ist auch alles „damals“. Der Stolz und die spanische Herablassung gegenüber anderen- das ist eine Sprache, die man lernen kann. Sie ist verständlich…aber nun gut, so manche Schikane hinterlässt auch etwas Wut. Leute, ihr seid auf einer Insel, wo sie euch die Hunde vergiften oder die Palmen, und manches mehr. Wer da lebt, wurde etwas stiller im Lauf der Zeit. Manchmal auch nicht mehr so glücklich auf der „magischen“ Insel.

Aber die an den Haaren herbeigezogenen Geschichten- in einem Krimi muss es ja um Mord gehen- nein, ich lese das nicht! Die Sprache ist unter der Gürtellinie, eine Sammlung der dümmsten Sprüche, schade dass das Publikum auf der Insel mittlerweile so verkommen ist. Was übrigens jeder denkt, einschließlich des Autors selbst über andere.

Nun, die Möglichkeit, bei tredition und sogar bei amazon etc. selbst Bücher herauszugeben, wen hätte die noch nicht gelockt. Ich tu es nicht- ich könnte es vielleicht besser, aber ohne Lektor und Profiblick eben auch nicht gut genug, um meinem eigenen Anspruch zu genügen.

Aber eins weiß ich- meine Lust, auszuwandern ist unter null gesunken.

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