Ein altes Buch

Ich hatte nichts zu lesen! Ach wie furchtbar. Da waren doch noch Bücher, die schon länger herumlagen? Genau, ich blickte in dieses Buch von 1973 und bin restlos begeistert. Geschrieben wurden die Aufsätze schon hundert Jahre früher, und ich lachte mich scheckig über die humorvollen Beschreibungen der damaligen „Esoterikszene“ Hier haben wir die Quelle von allem, was heute durch die Geister geistert. Gustav Meyrinck war ein echter Mystiker und er kannte sich gut aus, im Gegensatz zu den meisten modernen Menschen. Er machte Experimente mit Haschisch. ohaueha- er konnte Hellsehen! -ich glaube er konnte das auch ohne Haschisch, denn noch habe ich keinen Heutigen getroffen, dem das dazu verholfen hätte. Ganz im Gegenteil, von Erweiterung nichts zu spüren.

Die Aufsätze heißen etwa: „Hochstapler der Mystik“, „Dämonenfang in Tibet“, oder „An der Grenze zum Jenseits.“ Meyrinck war Mitglied in der theosophischen Gesellschaft und hat alles genau beobachtet. Er zitiert indische Gurus- zur Jahrhundertwende . Damals war der Buddhismus in Deutschland angekommen und fand schon Interessierte.

Solche Überlegungen finde ich als Grundlage ziemlich wichtig. Gerade da sich heute wieder allerlei influencer mit „Dark enlightenment “ befassen, und um zu erkennen, auf welcher Seite man steht. Oder ob man darüber hinaus sehen kann. Ganz interessant in dem Zusammenhang, ein Auszug aus Wiki:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Meyrink

Ich finde es bemerkenswert, hierüber eine Quelle dieser Weltverschwörungstheorie gefunden zu haben, denn in letzter Zeit tauchte die Idee immer wieder mal auf und wurde erbittert verfochten von Menschen, die ich persönlich kenne. Es ist ein Graus. Sie lesen das irgendwo, keine Ahnung woher es kommt und man kann mit ihnen nicht vernünftig reden! Die influencer sind nicht zu unterschätzen!

Ich werde das noch sehr genau lesen. Es scheint mir eine gewisse Wiederholung da zu sein. Es gibt die vielleicht kluge Ansicht, dass zur Nazizeit der Okkultismus einen großen Einfluss im Hintergrund hatte. Und ich erinnere mich an ein Buch der mother, der Gefährtin Sri Aurobindus, die ebenfalls zu jener Zeit lebten und jeglicher Schwarzmagie entgegentraten. Das Buch habe ich leider nicht mehr, ich glaube 2001 war ich dort in Auroville zu Gast. Auch sie haben noch heute großen Einfluss auf mehreren Ebenen-in weltlicher Seite haben sie eine Gemeinschaft aufgebaut, einen goldenen Tempel und spirituelle Schulung.

Kann sein, dass ich hier mal wieder manches durcheinander geworfen habe, aber so kommt es mir in den Sinn. Vor Allem denke ich, ich weiß viel zu wenig!

Bücher

Immer wenn jemand den Keller ausräumt, dann wird mein Freund zum Entrümpeln bestellt. Und wenn dabei Bücher anfallen, landen die bei mir. Unter anderem…ER liest nicht.

Ich lernte schon früh den Unterschied zwischen Literatur und Trivialliteratur. Unter letztere Kategorie fielen sicher auch die Hanni und Nanni Romane , die ich als Kind verschlang. Und ebenso die „readers digest“- der Name sagt es schon- Bände, die in ordentlicher Reihe im Regal meiner Großeltern standen, die eben eigentlich keine Leser waren. Diese leicht verdaulichen Geschichten las ich dort begeistert, wenn wir zu Besuch waren. Es war in den Sechzigern, und die, die mir gestern auf den Tisch fielen, sind aus den Achzigern. Gelacht habe ich schon heute früh, als ich die „Kurzfassung“ von Romanen entdeckte, dabei Gerald Durrell mit “ Nichts als Tiere im Kopf“. Wie gern ich das vielleicht als Kind gelesen habe? Ich erinnere mich da nur an die Alexandria -Trilogie von Lawrence Durrell, die wiederum bei meinen Eltern stand, die hatten aber eher kein Bertelsmann-Abonnement.

Täglicher Schreibanreiz
Zähle fünf Dinge auf, die du tust, weil sie dir Spaß machen.

Von dem verstand ich nicht viel. Aber sie gefielen mir, so exotisch. Erst durch die Familiengeschichte der Durrells, die ich als Film sah, habe ich gelernt, dass auch Gerald Durrell Bücher geschrieben hat.

Ich bin verwundert, „Neger“ war auch Anfang der Achziger noch ein ganz normales Wort. Ich weiß nicht mehr, über was wir uns damals aufgeregt haben, eher über Atomraketen. Wir hörten punk. Bevor es mich nach Indien verschlug, wo ich dann in Asien für einige Jahre nur noch Madonna und Michael Jackson zu hören bekam.

Das waren die neuen Bücher 1978, wie ich eben lernte. Was mir richtig gefällt, ist Iggy Pop, der immer noch auf der Bühne steht mit fast achzig. https://www.arte.tv/de/videos/127030-000-A/iggy-pop/. Wie die Zeit vergeht.

Buch: Als Medium mit dem Pendel zwischen den Welten

Nicole Bondani, 2025. Band 2 ,Seelen ins Licht führen und Antworten empfangen/ Energieheilung, für Bewusstsein, Ahnenarbeit, Karma und Raumheilung

Dieses Buch ist ein echter Lichtblick, ein vernünftiges Handbuch, von einer erfahrenen Frau geschrieben und besonders ausführlich, wie schon der Titel .

Das Pendel ist seit Jahren mein Begleiter und obwohl auch ich Tabellen zur Raumheilung verwende (Hans Hansen), bin ich doch eher strukturlos unterwegs und berate ja keine Klienten. Diese Struktur ist hier ganz meisterhaft in sehr vielen Tabellen (120) dargelegt, die man sich auch herunterladen kann als Leser.Denn im Buch sind sie sehr klein. Und dazu ist es nur einer von Fünf Bänden.

Ich denke, zum Erlernen und Nachschlagen ist es gleichermaßen geeignet. Wer es nicht ständig nutzt, denkt manchmal nicht an bestimmte Aspekte. Welches Pendel man nutzt, ist dabei wohl egal. Hauptsache, es tut sich was. Ich habe mal wieder ein chinesisches Billigpendel bestellt, von echtem Edelstein ist da nichts zu sehen…Doch sehe ich das so, dass mein geistiger guide durch alles spricht. Ich kann auch ohne Pendel. Es ist nur einfacher im Alltag und gut, es anzufassen.

Immer pendele ich die Menge von Tropfen aus oder globuli, wenn ich meine Medizin benutze. Das geht ja auch alles ohne Tabellen. Ich finde es aber sehr gut, wenn sich für diese Themen zwischen den Welten, auf der Seelenebene , auch ganz praktische Führer finden. Das Buch wurde wohl selbst verlegt, sehr ordentlich gemacht.

Band zwei ist in neun Teile unterteilt, und hat insgesamt 18 Kapitel. Schicksale erdgebundener Seelen und auch von Räumen werden beispielhaft dargestellt und es orientiert sich auch an Familiensystemen wie bei Aufstellungen. Diese Werkzeuge, da beide medial, lassen sich auch gut verbinden. So kann ich auch in einer Aufstellung bei einzelnen Fragen pendeln, zum Beispiel ob noch eine weitere Person dazu muss oder welche. Ich weiß nicht mehr, wie das für Anfänger ist.

Ich habe die Zwischenwelten zuvor ohne Pendel erforscht und bestimmte Bilder und Landkarten gespeichert. Ich denke, das meine guides durch dieses Pendel sich äußern. Aber auch anders, Träume sind immer wichtig, wenn ich auf ein Thema fokussiere.

„Innehalten und Nachspüren“- nach jedem Kapitel gibt es dafür eine Seite. Und das ist besonders gut.

Ein Kapitel befasst sich mit dem Thema Organspende, welches mich auch schon sehr beschäftigt hat. Ich bin dankbar, dazu etwas Neues zu erfahren. Denn ich habe große Abwehr gegen moderne Medizinmethoden. Bisher lag das auch zum Glück jenseits meiner Erfahrungen.

Für die meisten Menschen sind diese Welten nicht sichtbar oder von falschen Vorstellungen durchdrungen. Aber diese Ebenen haben große Auswirkung auf uns. Es ist also sinnvoll, pragmatisch damit umzugehen anstatt geheimnisvoll esoterisch .

Retraumatisierung

Aus einem gewissen Abstand heraus kann ich erkennen, wie das Eine zum Anderen führt.

Da alle Beteiligten traumatisiert sind durch frühere Ereignisse, und die Reaktion eine überschießende Emotion ist, die einen jeden in einen Raum jenseits der Realität katapultiert, ohne dass er in dem Moment viel dagegen machen kann. schaukelt es sich gegenseitig hoch.

Das heißt, JEDER fühlt sich bedroht. Er versucht sich Beistand zu holen.

C. fürchtet, dass ein Brand ausbrechen könnte, das hat er schon erlebt, und dringt wutschnaubend in einen Raum ein. Den geschützten Raum von A. der gerade aus dem Schlaf erwacht oder anders vollkommen überrascht wird und daraufhin eine zunächst verständliche Reaktion auf die Bedrohung und Beschimpfung zeigt, die das Ganze eskaliert.

A. weitet die Beschimpfungen aus, lässt andere daran teilhaben und jeder beschuldigt den anderen, bis hin zu Erpressungen und äußersten Androhungen. K. soll das ganze mitgeteilt werden, weil C. nicht reagiert- er beantwortet die für ihn erlebte Gewalt mit Starre. K. ist wiederum selbst traumatisiert von Beschimpfungen und früherer Gewalt und erlebt jetzt auch eine Retraumatisierung. Verständlich wird das Ausmaß der Beschuldigungen nun nicht mehr.

Es hält sich auch nicht mehr an die Wahrheit, was immer das ist. Keiner kann diese sehen. K. erlebt Schmerz wieder , der ihr früher zugefügt wurde. Sie lehnt daraufhin Kontakt zum Schimpfenden ab. Manche Leute können nicht ermessen, welchen Schaden verbale Attacken und Worte auslösen können bei jemandem, der das alles für Wahr hält. Bei jemandem, der das jahrelang ertragen hat, mit psychisch kranken Menschen, denen das ihrerseits einst angetan wurde, – wer ist Täter?

Der Auslöser ist es jedenfalls nicht. Ob man sich weiter in einem ungeschützten Umfeld bewegen möchte, wo das jederzeit wieder passieren kann, ist fraglich. Aber vermeiden kann man solche Auslöser im Leben auch nicht. Vielmehr scheint es auch so, dass sich traumatisierte Menschen um eine Auflösung des sie in einem Bann haltenden Erlebten bemühen, leider oft auf ungeeignete Weise.

Wir alle haben versucht, überschießende Emotion mit Alkohol, Drogen, mit Dissoziation und Flucht, mit Rückzug von anderen Menschen in den Griff zu kriegen. Ja auch mit jahrelanger Therapie, mit professioneller Hilfe, manche aber auch mit Wiederholung potenziell gefährlicher Situationen, um eine Lösung zu bewirken. Das ist vielen Fällen allerdings völlig unbewusst und in Unkenntnis der eigenen Betroffenheit, die ja teils abgespalten ist, oder in Panikzustände mündet.

Das kann natürlich dazu führen, dass man Unfälle oder Zerstörung unbewusst „erschafft“. Diesen Umstand sehe ich persönlich, obwohl er auch auf ganze Gruppen und die heutige Welt durchaus übertragen werden könnte.

Da ich alles gerade erlebt habe, und Tage brauchte, um wieder aus dem Angstzustand herauszukommen, denke ich, jeder muss damit bei sich und seinem Umfeld bleiben. Es nützt nichts, wenn zur Entlastung weit entfernte Feindesbilder angegiftet werden.

Als Gift empfinde ich die entsprechende Sprache, in der sich Hass ausdrückt, der sich aus Verzweiflung und Ohnmachtsgefühlen entwickelt. Denn ich spüre direkt körperliche Symptome, die krank machen auf Dauer. Auf Dauer habe ich es erlebt bis zu einer offiziellen Angststörung. Ein Bewusstwerden darüber kann man erlernen, jedenfalls manche Menschen, die das wollen. Wer aber bereits krank ist, kann nicht immer das Rad zurück drehen.

Es fördert nicht das Vertrauen in andere Menschen. Man muss nun immer „auf der Hut“ sein. Andererseits sucht man auch Menschen, die einen verstehen. Die einen akzeptieren mit diesem Schaden, den man hat. Und da findet man eben jene, denen es mehr oder weniger genauso erging und die leider weder konfliktfähig noch kommunikationsbereit sind. Leider befinden sie sich auf ständiger Flucht. Die Emotionen sind ja oft kaum auszuhalten.

Von den sogenannten Normalen ist aber auch kein Verständnis zu erwarten. Ich weiß, die Begriffe krank, normal und Schaden sind etwas abstrakt. Es gibt Leute, die völlig normal erscheinen, aber statt ihre Wut auszudrücken stattdessen ihr Auto in einen Graben lenken oder andere Katastrophen produzieren. Daran sind sie natürlich nicht schuld…Das Wort Schuld wird ohnehin völlig überbewertet. Wem nützt es überhaupt, wenn eine Schuld festgestellt wird ? Wer hat Schuld, wenn solche Menschen ganze Länder ins Unglück stürzen, weil sie sich permanent bedroht fühlen?

Verstummen ist auch keine Lösung. Es verringert aber die unmittelbare Gefahr. Angemessene Grenzen, auch in der Sprache empfinde ich als wichtig. Auch wenn man ein Virtuose in Wortgewaltigkeit und Boshaftigkeit ist, ist man kein Geigenspieler, sondern ein Panzer, der andere überfährt. Vor allem verkennt man, dass andere dieser Sprache gar nicht mächtig sind, sie auch nicht entsprechend der Absicht verstehen.

Meine Lösung befindet sich auf geistiger Ebene. Nicht Denken, sondern spirituell betrachtet gibt es dort die Energiebewegungen und nicht selten auch entsprechende Energiewesen, die für mich ebenso real sind und selbst erschaffen sein können. Von höherer Ebene, und das kann auch Beten sein, whatever, kann die niedrigere Ebene bereinigt werden. Das kann man ganz im Stillen versuchen.

Minus zehn

Die Mühle ohne Flügel ist mein täglicher Anblick. Solche Temperaturen sind hier zwischen den Meeren aber selten. Schön sieht es aus, aber fünf Minuten draußen reichen mir schon…es ist die Luft, die mir zusetzt. Sehr trocken und es wirkt gar nicht so kalt.

Die Katzen machten in der Nacht Radau- die Katzentür war wieder zugefroren und sie kamen nicht wieder hinein. Ich wurde wach. Abends hatte ich in der Autobiografie von Patti Smith geschmökert, welche mich sehr berührt. Da ist so viel Ähnliches, wie seelenverwandt. Auch sie ein Steinbockkind, bockig, wissbegierig. Mir scheint viel auch in den Fünfzigern wie noch europäisch gewesen zu sein in Amerika.

Bread of Angels“, Patti Smith

Dank Blaue Feder für den Hinweis! Ein anderes Buch von ihr kannte ich schon, M Train. Sie ist die Einzige, die wirklich wahrhaftig ist. Keine Rolle, keine Show, sondern sich selbst treu. Und darin ein Vorbild wie kein anderes, nun außer ihren Vorbildern: Männer. Jungs. Bob Dylan, den ich auch schon früh liebte. UND die Jungs liebten sie auch. Weil sie so ist. Ging mir auch so, ein bisschen beides sein.Wegen der Freiheiten.

Ich bin staunend vor Bewunderung!

Aber auch wie sie ihre Kindheit beschreibt, oder sich zu Zeiten als Reisende, die nicht reist, zu anderen als Schriftstellerin, die nicht schreibt. Es ging ja nie alles.

Und ich eine Fotografin, die nicht fotografiert. Wie die Mühle ohne Flügel. Sie ruht sich aus. Weil alles um mich herum schon tausendmal gesehen.

Ich las ein Buch

Es regnet! Ich hoffe nur, es wird richtig stürmisch, damit die Nachbarn, wenn sie betrunken sind, nicht so viele Raketen und Böller abfeuern. Katze Martha will jetzt schon bei jedem Knall in den Keller, Max ist auch nervös. Meine alten Katzen hatten nie Angst. Shiva wird bei jedem Knall bellen und das ist noch schlimmer…

Und ich lebte tagelang ohne ein Buch. Dann ging ich in den Supermarkt, auch da gibt es Bücher, die ich normalerweise nicht mag. Fitzek und Konsorten, solche. Aber dann, in der Ecke mit ein paar Mängelexemplaren, fand ich das richtig gute Buch.

„DAD“ von Nora Gantenbrink, 2021,Roman, rororo.

Es ist ein trauriges Buch über einen Hippievater. Von der Tochter geschrieben. Das Thema gab es auch schon in „Yoga Town“, über das ich dann doch nicht schrieb, weil es mir nahe ging. Das war auch aus Sicht der Tochter geschrieben, noch viel komplexer, und bei beiden geht es um die Frage der Kinder, was ihre Eltern bloß an dieser Hippiezeit fanden, wie sie das erlebten, und warum sie so wurden. Es klingt ein wenig wie eine Krankheit, die natürlich durch die Drogen und so weiter auch bestand.

Aber andrerseits geht es da genau um die Leute, die ich mein Leben lang kenne. Ich weiß, dass Kinder von Hippies nicht besonders glücklich damit waren. Ich bin dann manchmal froh, dass ich keine habe.

Aber es geht auch um mehr, – das eigene Leben leben zu können. Auch die Tochter muss es lernen. Es geht um ungewöhnliche Charaktere, und vor allem das Normale in einer spießigen Provinz. Aus der auch sie entfliehen muss. Das Buch ist wirklich tief und manchmal, ja manchmal ist auch gar nicht mehr dahinter. Kein Geheimnis. Was wir erlebten, läßt sich gar nicht erklären, weitergeben, verstehen.

Diese beiden Bücher machen es ganz gut. Aber wo schreiben wir darüber,…

Wahlfamilie

Nun bin ich also die „Oma“, bei der sich alle Mühe geben, einen harmonischen Festabend zu verleben, und es hat auch geklappt. Es gab verschiedene Differenzen zu umschiffen. Ich stand zwei Tage in der Küche, Familie war übrigens nicht dabei. Keine Kinder, Eltern, Schwester. Sondern eine zusammengewürfelte Gruppe unserer Freunde, die sich jedes Jahr so wiedertreffen. Man kann das eine Wahlfamilie nennen, so wie manche auch von Wahlheimat oder zweiter Heimat sprechen. Da trifft man ja wirklich eine Wahl. Bei den Freunden, wie kommt es bloß.

Einige von ihnen hatten im letzten Jahr eine neue Liebe gefunden, die aber schon wieder passe war. Alle sind singles, bis auf c und mich natürlich, die wir uns sechs Jahre kennen und in der Zeit die verschiedensten Lebensräume zusammen versuchen zu vereinen.

Ich brauche immer jemanden, der die Unterhaltung schmeißt. Dafür gibt es eine perfekte Freundin, die allerdings nach drei, vier Stunden sehr anstrengend wird. Aber so mögen wir sie. Ihr Vater war vor drei Tagen gestorben und wir diskutieren über verschiedene Bestattungsmöglichkeiten.

Cést la vie.

Es wurde Frost, wir waren satt, alle waren froh, nicht allein gewesen zu sein. Aber hat man eine Wahl? Ich wundere mich doch immer wieder, wie ich an diese Menschen gerate, die alle so anders sind, so schwierig im landläufigen Wortsinne, und das ist schon mein Leben lang so. Mit meinen Nachbarn, die glaube ich alle ganz normal sind, habe ich nichts zu tun, Also nichts privates.

Aber man glaubt es vielleicht nur, das mit dem normal. Zumindest wundere ich mich immer, bei allen, wie sie bestimmte Dinge glauben können. Und zwar Propaganda in deutlichstem Sinne. Politisch wie religiös, böseste Hetze in meinen Augen, Unwahrheiten um zu übertreiben,…ach es ist ein Jammer. Und das haben wir an dem Abend weitgehend umschifft.

Übrigens stellten wir zufällig fest, dass sowohl Patti Smith als auch Madonna aus einem streng religiösen Elternhaus stammten, und wie unterschiedlich aber auch sehr auffällig ihre Reaktionen darauf waren. Ich bin natürlich ein totaler Patti-Fan und habe ihr neues Buch bald…

Mit Grausen lese ich von den neuen Gebets-Apps und sonstigen Machtinstrumenten, die in Amerika wieder oder immer noch aktuell sind.

Gestern sah ich dann den Anfang einer Miniserie: „Becoming Karen Blixen“, die mir nicht sonderlich gefiel, aber doch ist das interessant, wie sie ihren Weg ging als Schriftstellerin. Als Mensch so gescheitert…und aus einer Unitarierfamilie, auch streng. Die sind mir erst durch eine Freundin bekannt geworden, die auch damit aufwuchs. Offenbar bewirkt solche Strenge einen riesigen Drang nach Freiheit und ziemliche Unkenntnis, wie man damit umgeht. Auch mir ging es so. Man gerät an die Falschen. Andere werden dennoch weltberühmt! Sie leben die Freiheit inklusive der Einsamkeit für die anderen aus, die davon träumen.

Der Traum vom Leben in Afrika, in Indien und sonstiges Exotisches war damals groß en vogue, mitsamt dem ganzen kolonialen Gehabe. Und da verkauften sich eben solche Bücher gut und wurden kitschig verfilmt. Ich habe übrigens hervorragende Romane über die Kolonialzeit in Indien gelesen, von Indern geschrieben.

Die allerdings wurden damals auch in England in Internaten großgezogen und schrieben auf englisch.

Aber wir kennen ja auch Arundhati Roy, in der heutigen Zeit, die den Finger in die Wunde der Kastengesellschaft legt. Das Exotische ist mitnichten nur bunt und Malerisch. Die Welt so zu entdecken ist in unserer Zeit vorbei…aber wenn man jung ist, ist es schon ein gelebter Traum.

Und ich bin dankbar für alle, die davon geschrieben haben, sie haben mich auf die Reise geschickt.

Das schlimmste Buch

Meine derzeitige Retro und Antikliebe bei Büchern…hat mich zu einem Buch geführt, das eher peinlich ist, es gelesen zu haben. Fiesta Fatal (muss es nicht fatale heißen?) spielt auf Fuerteventura, und das war auch der einzige Grund, etwas daran gut zu finden.

Es ist von 2002, aber es tranportiert- wie schon auf dem cover ersichtlich, – ein Frauenbild der 50iger Jahre. Da geht es um Heiraten und Geld. Es ist eine Aschenputtelgeschichte, mitsamt allerlei Verdrehungen und reichen Erbtanten und ach, Lest es nicht. Nur die Beschreibung der Insel ist ganz gut. Wer trifft denn einen reichen Mann dort? Na ja manchmal, habe ich von gehört. Dann aber nicht mehr jung…

Der Katzenkrimi von Mrs. Murphy- wer kennt ihn nicht!- ist immer noch so gut, dass man ihn noch einmal lesen kann! Wer Katzen kennt, wird ihn lieben. Die klugen Tiere erzählen uns nämlich, wie sie über Menschen denken, und sie haben leider ganz recht.

Besonders gefällt mir der Aufkleber von DM 12,- auf dem cover, denn auch das ist ein Stück Geschichte, fast vergessen. Dieses antike Exemplar stammt aus den Neunzigern. Damals arbeitete ich auch das letzte Mal in einem Laden, und auf dem Biomarkt, wo ich noch in D-Mark kassierte. Ich mochte es sehr, das Bargeld. Es macht einen doch unabhängig! Alles, was uns unabhängig macht, ist wichtig.

Zu Zeiten von Sklaverei und Leibeigenschaft ist den Abhängigen Vieles verboten. Glaubt ihr, das sei Vergangenheit? Vielerorts eben nicht. Es sind deutsche Firmen, die solches anderswo praktizieren, wenn auch die Hochglanzfassade anderes zeigen mag in Werbevideos. Ich will mich ja nicht mehr aufregen, nein….Lachhaft ist das Argument von „Grünem Stahl“. Es gibt ihn nicht. Da werden Flächen abgeholzt, in Brasilien, um Eukalyptusbäume hochzuziehen, die dann anschließend zu Holzkohle gemacht werden, mit der dann Stahl erzeugt wird. Das ist so unglaublich. Aber wahr, wie die Doku auf arte ( finde sie nicht mehr) es zeigt, aber keinen interessiert es! Darum glaube ich nicht an die Klimarettungsnarrative, sie sind erlogen.

Mal abgesehen davon, dass genau dort den Einheimischen ihr Land einfach weggenommen wird. Grün ist hier gar nichts. Aber das ist ja gar nicht neu. Wie konnte das passieren, in den letzten Jahrzehnten!

Buch: Bonjour Agneta

Neuanfang auf Französisch, Roman von Emma Hamberg, aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, dtv, 2024

Ich hatte nun ein paar Tage Zeit, die Geschichte in mir zu bewegen. Sie hat mich bewegt. Es ist natürlich ein typisches Frauenbuch von der Frau mit 50, die in einer lieblosen Ehe steckt und nicht verstanden wird. Sie erlebt sich in Frankreich neu und anders, und verändert ihre zu klein gewordene Welt.

Das ist schon fast ein Klischee in sich, wäre da nicht diese wirklich sarkastische Weise, über sich selbst – es ist aus Sicht von Agneta geschrieben- zu denken. Der Verlag nennt es Ironie, doch da zeigt sich wieder, dass ich all solche Ironie, Zynismus und Gehässigkeit nicht leiden mag. Es ist halt eine drastische Darstellung von depressiver Selbstsabotage, wie ich sie auch ganz gut kenne. Auch ich habe etwas Agneta in mir gehabt.

Vermutlich gibt es auch in Frankreich strenge und zwanghafte Ehemänner und Frauen, die sich klein machen, nicht verstanden werden. Die Welt, in die Agneta als vermeintliches Aur Pair Mädchen gerät, birgt jedoch eine Überraschung und hier wird es auch interessant. Es ist das exzentrische Zuhause eines homosexuellen Künstlers, der in den Achzigern seines Lebens langsam dement wird.

Es stellt sich heraus, dass Agneta gut mit Chaos zurechtkommt! Sie kommt aus sich heraus, sie darf sein wie sie ist. Es sind schwere Themen, die mit Humor gehandelt werden. Was mir nicht gefällt, aber auch realistisch ist, ist der viele Alkohol, mit dem diese Lockerheit erreicht wird. Agneta ist so sehr das typische Bild einer versteckten Frau, die zur heimlichen Alkoholikerin werden kann. Das ist aber nicht thematisiert. Sehr wohl aber ausgelebte und unausgelebte Libido: Lebensfreude sowie auch Sexualität, Sinnlichkeit bis ins Alter.

Sehr gut gefällt mir das Sprachdurcheinander aus Fränzösisch und Schwedisch, von dem der Demente mal die eine mal die andere Sprache spricht. Es wird Wert gelegt auf das Wort, auf die Mentalität, die sich auch durch Sprache zeigt. Und wichtig ist das Denken: wie sehr sich ein Künstlergehirn unterscheidet, indem wir in Metaphern und Assoziationen denken; Ideen können nur hervorkommen, wenn man die eingefahrenen Strukturen nicht verhärten lässt.

Und ich habe es ja selbst erlebt, wie Weiblichkeit in anderen Ländern anerkannt und bewundert wird. Es ist ein neues Gefühl, als Frau wahrgenommen zu werden. Das Buch ist ja nicht einmal alt. Es soll dieses Jahr einen zweiten Band geben, auf den ich eigentlich gespannt bin. Besonders gefällt mir natürlich das cover, welches mich magisch anzog auf dem Büchertisch des Flohmarktes. Ich kaufte es in der ersten Minute.

Nun habe ich die ganzen Gedanken, die inneren Selbstgespräche niedergeschrieben. Solche sind das Laster von Agneta ebenso: Sie spricht nichts aus, sondern redet mit sich selbst. Mit verschiedenen Stimmen , die verraten, dass die Fremdbestimmung bis ins Innere geht, wenn sie von Beginn des Lebens an übermächtig wird. Man glaubt , nicht richtig zu sein. Man ist überzeugt davon.

Die Geschichten anderer können das zurechtrücken, und deutlich machen, dass die eigene Entscheidung für das Glück verantwortlich ist. Glück hatte vor allem jener alte Mann, der aus dem engen Leben zwangsweise herausgeworfen wurde, als er jung war- „so einer“ war völlig indiskutabel als Vater seines Sohnes, – er erlebt eine lebenslange große Liebe, doch wartet er auch jede Woche auf seinen Sohn, der ihn nun endlich kennenlernen will, „bevor es zu spät“ ist.

Nicht jeder hat das große Glück, aber das kleine Glück 42 Käsesorten zu probieren, und schöne Unterwäsche zu tragen,…nun das ist gar nicht zu verachten. Coming-of-age nennt man die Filme, wo es vom Teenager zum Erwachsen werden geht…aber wie nennnt man diese anderen Phasen? Becoming your self? Gibt es das in diesem Zeitgeist?

Buchrezept

Diese gut lesbaren Bücher sind nach dem gleichen Rezept gebacken. Und es kommt an. Immer gibt es eine Liebesgeschichte einer enttäuschten Frau, die noch jung und auf dem Weg ist, zu sich selbst zu finden. Es gibt dann wieder einen Mann, von dem sie Enttäuschendes erwarten. Aber es gibt auch diese zeitlichen Sprünge in eine Vergangenheit und Familiengeschichte, Zeitzeugen, und aufgedeckte Geheimnisse. Das ist, besonders in den französischen und irischen Romanen, eine Historie aus den letzten Weltkriegen. Man bekommt den Eindruck, dort sei manches nicht so vergessen, auf ganz andere Art als hier bei uns mit den offiziellen Gedenkpflichten. Und diese Bücher vermitteln das sehr gut. Es ist keine Romantisierung wie in manch einem Mittelalterroman.

Und dass es eine America-first Bewegung bereits zur Zeit des zweiten Weltkrieges gab, lernte ich bei Barbara Davis, wo man auf den Spuren der Familiengeschichte entdeckt, dass so manche keine Einmischung in diesen Krieg wünschten. Diese Geschichten so leicht zu schreiben, ist sicher nicht so leicht. Es gibt auch einen großen Respekt vor den Künsten und den Wegen der Vorfahren. Dazu aber auch meist eine klar wahrgenommene Frauengeschichte, mit all den Nachteilen, denen Frauen ausgesetzt waren, die als selbstverständlich galten. Ich mag diese Zusammenstellung von heute und damals, und wie oft wir lernen müssen., uns von dem Übernommenen zu lösen.

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