Ole Schriewerie

„Die alte Schreiberei“ auf Norddeutsch- so steht es am Haus der Volkshochschule, in einem Dorf.

Hier nahm ich nun an einer echten Schreibwerkstatt teil, es ware ein wunderbare Erfahrung. Wir befanden uns im Ortskern, nebenan eine wirklich alte Kirche, die Katharinenkirche in Nordhastedt, und wir hatten die Aufgabe, unsere Eindrücke und Farben einzusammeln…

Später entstand ein Gedicht und alles war so liebevoll, spielerisch und wertschätzend gestaltet, das gegenseitige Zuhören macht Vertrautsein, auch wenn frau sich nie zuvor gesehen hatte. Ein bisschen war es auch wie früher , sehr lange her, in der Schule. Ich hatte diese nur in schlechter Erinnerung, doch dies hat mich wie in die erste Klasse zurückkatapultiert und da war etwas sehr Schönes: Das Wahrgenommensein und die Anerkennung für mich, die ich bin.

Zugleich waren die Themen ernst und heiter.

Dieses Ehrenmal vor der Kirche regte mich an, die Worte“die treuen Toten“ warfen einige Fragen auf…

Die treuen Toten

blicken in das blaue Glasfenster

Rennradfahrer überholen

die treuen Toten,

und die Lindenbäume

die treuen Toten

blicken in das blaue Glasfenster.

Da geht es um Zeitlosigkeit und Eile…und zurück bleibt der Stein, das uralte Element inmitten der neuen Zeit…

Übersetzungen

Ich bin keine Übersetzerin, aber ich habe ein paar Fremdsprachen erlernt, mehr oder weniger. Lange genug war ich auf englisch unterwegs, und ich wunderte mich sehr über die künstliche Aufregung in den „Medien“, Radio und so weiter, über ein Wort namens bullshit. Ja, der Herr der es benutzte, ist mir nicht sympathisch, wie jeder, der andere nicht respektiert. Aber dass bullshit „Scheiße“ bedeutet, nun ist einfach nicht ganz richtig…Nach meiner Erfahrung würde es eher als „Blödsinn“ oder „Unsinn“ benutzt, und ich glaube so wird das auch in Filmen übersetzt.

Für den Ausruf: „Scheisse“ wird viel öfter das Wort „fuck“ verwendet, welches eigentlich ja etwas ganz anderes bedeutet, man stelle sich vor er hätte das gesagt! Interessanterweise wird das meist gar nicht mehr übersetzt, sondern in deutschen Krimis entfährt den Schauspielern häufiger dieses Wort…weil sie ja sicher nicht Scheisse sagen sollen.

Ganz herrlich wird es, wenn wir das Spanische nehmen.In einer wunderbaren kleinen Serie namens :Mein Glückstag, welche in Chile spielt, hatte eine der Personen ständig die Worte: „Beim Arsch meiner Mutter! “ auszurufen. Den Spruch gibt es bei uns nicht wirklich, und ich fand das eine gute Lösung, denn im Original wäre möglicherweise das Wort Hure vorgekommen, was ja aber auch nicht das bedeutet, sondern eben wiederum – wie „Scheisse“ gebraucht wird. Alles völlig unkorrekt natürlich. Wie die Leute so reden.

https://www.arte.tv/de/videos/RC-024068/mein-glueckstag/

Briefe

Es gab einmal eine Zeit, in der Menschen noch richtige Briefe schrieben, auf Papier.

Ich habe noch so eine kleine Schatzkiste, in der ich Briefe eines Künstlers aufbewahre, die er mir zehn Jahre lang schrieb. Sie sind einmalige Dokumente. Etwa 40 Jahre alt nun. Diese Briefe sind weitgereist, ebenso wie ich damals. Doch besonders erstaunt war ich doch, als ich plötzlich Briefe von mir selbst entdeckte, die ich vor 40 Jahren an meine Mutter schrieb! Sie kamen auf Umwegen aus dem Nachlass, lagen schon 25 Jahre seit ihrem Tode irgendwo aufbewahrt und was ich da las, war ja mein eigenes Leben, dass mittlerweile zu einer Art Mythos in meiner Erinnerung wurde. Also wie ich selbst damals war, das kann ich nicht mehr nachfühlen. Die Wahrheit war es jedenfalls nicht, die ich schrieb. Es gab diese faltbaren hellblauen Luftpostbriefe aus besonders dünnem Papier, auf den Phillippinen. Fotos aus jener Zeit gibt es auch kaum, denn nicht einmal mit Kamera bin ich gereist.

Am liebsten war es mir, dass meine liebe Mama weit weg war. Vielleicht bin ich jetzt ein alter Drachen geworden, und sollte mich erinnern, dass ich auch nicht immer so klug gehandelt hatte, bevor ich andere jüngere Menschen beurteile . Man kann sie nicht vor ihren Fehlern bewahren, wenn diese überhaupt solche sein sollten. Es könnte sich um wichtige Erfahrungen handeln, die einen an den Rand der Verzweiflung bringen, in den Abgrund schauen lassen, die Welt erkennen und schön war das nicht. Gar nicht schön. In meiner Erinnerung bleiben die Landschaften, die schönsten der Welt, und dass ich da nie glücklich war.

Warum bin ich bloss so intolerant. Ich habe ja nicht einmal Kinder, an denen ich herumkritisieren kann. Ein Freund formulierte es so: nun sind wir alt genug, dass wir keinem mehr gefallen müssen! Es will aber auch keiner mehr wissen, was ich denke….dafür gibtÅ› ein Tagebuch, wo immer das nachher aufbewahrt wird. Und wieder zum Vorschein kommt. Es mag ja in 40 Jahren jemanden interessieren.

Gesichter

Am kommenden Wochenende sind die Regionalwahlen, und auch hier auf dem Dorfe wurden ordentlich große Plakate aufgehängt. Und dort prangen die Gesichter, die man gern nicht so genau gesehen hätte….

Sie sehen aus wie meine Nachbarn, sicher. Meist etwa älter und wie es eben so ist, sieht man den Gesichtern ihr Leben über die Jahrzehnte an. Wer kam nur auf die Idee, dass das von Vorteil sei. Aber auch die Jüngeren sind nicht so präsentabel, in meinen Augen. Was sie politisch wollen, sieht man ihnen sowieso nicht an. Man sieht ihnen die Arbeit an. Das sind nicht Leute, die im Büro saßen. Das sind hier die Großbauern, Handwerksmeister und Baugewerbetreibende.

Praktisch denkende Leute, schätze ich. Aber der Blick über den Tellerrand ist auch nicht so weit.

Man stellt sich auf wie ein Fussballverein, da wird ja auch die Politik gemacht, und vielleicht liegts ja auch am Fotografen.

Zum Glück gibt es parteilose Wählergemeinschaften, da ist eine für und eine gegen die Windparks. Ganz einfach.

Der Bürgermeisterin haben sie eine Clownsnase verpasst, des Nachts im Dunkeln, und den Herren Heiligenscheine. Tja, das entspricht womöglich auch der Wahrheit.

Heilige Kühe

Ja, es gibt da so ein Sprichwort mit den heiligen Kühen. Ich bin mal wieder als Sprachpolizei unterwegs…und zwar fand ich ausgerechnet in einem schamanischen Buch von Villoldo- kein Unbekannter- den Ausdruck: Heilige Kühe schlachten. Das kann natürlich am Übersetzer liegen, aber unpassender gehts ja wohl nicht. Es kann auch sein, dass da einer ein paar Bücher zuviel schreibt, die am Ende nur noch Gemeinplätze von sich geben. Heilige Kühe jedenfalls werden in meinen Augen nicht geschlachtet, weil sie heilig sind. Basta. Wenn man damit unsere Süchte, schlechten Gewohnheiten und Überzeugungen meint, dann sollte man das anders nennen. Denn an denen ist ja nichts Heiliges. Sicher, ja, auch in Indien handelt es sich „nur“ um ein Konzept (als Schamane sollte er es aber besser wissen). Es ist ein kollektives Übereinkommen mit alter langer Tradition und enthält somit eine Menge Energie, und wer einmal in einem Bus in Indien sass, der unglücklicherweise in einem staubigen Dorf mit einer Kuh kollidierte, wird sich erinnern, dass der Busfahrer nur noch Gas gab, um lebend aus der Situation wieder herauszukommen.

Jedenfalls sollte sich ein schamanischer Autor, der selbst an eine uralte Tradition anknüpft und uns diese nahebringen will, anderen Traditionen, speziell spirituellen, Respekt genug entgegenbringen. Oder Bewusstheit.

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