An Corona scheiden sich die Geister. Immer wieder erlebe ich ungläubiges Staunen darüber, dass jemand anders denkt als vorgeschrieben. Oder als es der Mehrheit vermittelt wird. Und ganz plötzlich ist das offenbar sehr bedrohlich, so dass man diese verrückten Menschen aus der Mitte der Braven ausschliessen möchte, beschimpfen, abwerten, verachten. „Die Geister“ weiterlesen
Über einen Film
Über das Buch kann ich nichts sagen. Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt von Sven Regener (2013) wurde zu einem Film gleichen Titels (2016). Es geht darin um jemanden, der „abgestürzt“ war, in der Psychiatrie gewesen war und sich nun aus dem Milieu der Beschädigten wieder ein Leben zurückholt. Genau wird nichts über die Krankheit ausgesagt. Nur dass vermutlich Drogenmissbrauch dazu geführt hat.
Es ist ja eine Komödie. Soweit das möglich ist. Mit wirklich plattem Humor.
Erst denke ich, der Film hat das Thema verschenkt. Karl trifft auf seine alten Kumpels, die immer noch wie die Irren weiterfeiern, und er wirkt dazwischen wie ein Fels in der Brandung. Es stellt sich heraus, dass er das auch ist, denn die anderen werden immer irrer und hüpfen wie die Deppen auf Trip durch die Nächte. das Ganze spielt sich ja in der Szene der Technomusik und ihrer DJs ab.
Charly Hübner spielt den Karl, und durch die prägnanten Sätze kommt doch etwas Tieferes durch die Nebel der oberflächlichen künstlichen Fröhlichkeit um ihn herum. Einerseits will er wieder dazugehören, andererseits hat er mit dem Leiden zu kämpfen, muss auf sich aufpassen und merkt, was er dazugewonnen hat durch diese Erfahrung.
Leider aber – und so ist es – ist sein Status in der Gesellschaft grundsätzlich abgewertet , als verrückt gelten ja die, welche nicht mehr klarkommen. Deutlich sieht man die „normal Verrückten“, die akzeptiert werden, egal ob Alkohol oder andere Drogen auf dem Tablett stehen. Doch nun sind es diese, die ihn wieder aufnehmen; wie er sagt: die nehmen jeden mit, sogar ein Meerschweinchen, und sogar einen wie mich. Der Satz trifft ins Herz.
Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, das Selbstbewusstsein braucht lange, um sich zu erholen. Die Selbstverständlichkeit der Identität wurde gebrochen. Das Bild von Realität wurde erschüttert. Aber in der Zerbrochenheit kann man nicht bleiben, man muss versuchen, sich wieder zusammenzusetzen. Und das scheint hier im Film als nicht einfach, aber gelingend, und kann ja durchaus Mut machen.
Die Frage ist, warum will man Mitglied im Deppenzirkus sein….
Die von Sozialarbeitern betreute WG wird als Team vorgestellt, sehr echt,…doch auch die miteinander arbeitenden DJs werden als Team vorgestellt, und der Spielraum der Freiheit ist da recht groß. Ich glaube das ist der Schlüssel. Den Betreuten wird die Freiheit entzogen. Sie wird ihnen nicht zugetraut.
Sie trauen sie sich selbst nicht mehr zu. Die anderen fangen nicht immer Sinnvolles mit ihrer Freiheit an.
Und jetzt schlage ich doch nicht etwa die Parallele zu unserer aktuellen Entmündigungssituation, nein. Ich bin da halt sehr hellhörig, weil ich durch einen solchen Prozess gegangen bin. Die üblichen Kategorien von verrückt und normal sehe ich anders, vielleicht weil ich ernsthaft versucht hatte, wieder normal zu werden.
Man kann nur noch auf sein eigenes Gespür für die Wahrheit vertrauen.
Und der soundtrack, by the way, der war richtig gut. Musik ist die beste.
Der Film ist noch für eine Woche in der Mediathek von arte zu sehen.
Buch: confessions of a Hope fiend
Was kann das nur bedeuten…der Übersetzer sagt: Hoffnungs Unhold. Ach ja, wirklich, ein Unhold. Das war er wohl für die damalige Gesellschaft: Timothy Leary. Eine Hoffnung aber auch für andere. Soweit ich weiss, war er der Vorreiter einer Alternativkultur, die mit der Hilfe von Drogen wie LSD andere Seiten der Wirklichkeit erkannte. Die sogenannte Wirklichkeit ist ja immer eine Art Übereinkunft. Wie sehr sich diese überhaupt gewandelt hat, seit 1973, als „confessions of a hope fiend“ erschien, wie sehr diese Erforscher der Welten, von denen Viele andere Länder bereisten, Fortbildungen und Erfahrungen bei Urwaldschamanen oder in buddhistischen Klöstern erhielten und unsere Bewusstseinswelt erweiterten, indem sie Kunst und Bücher schufen, Filme und Sichtweisen, unsere Bewusstseinswelt tatsächlich beeinflussten- ist das nicht klar? Auch die Wissenschaft interessiert sich ja mittlerweile dafür, Gehirnforschung usw. und natürlich wird alles genutzt- wenn nicht zur Erweiterung, dann zur Beeinflussung und Programmierung unserer Gehirne.
Ich lese es auf englisch, wie er aus dem Knast entweicht, wohin die amerikanische Gesellschaft damals unweigerlich Leute wie ihn aus der Gesellschaft entfernen wollte. Bücher schreiben durfte er dort nicht. Er schrieb heimlich, wie so viele.
Eine Erinnerung, dass es Mut braucht und vor allem den Willen, sein Gehirn selber zu programmieren. Wir tun es ja täglich, ganz ohne Absicht.
Lassen wir uns nicht verrückt machen von anderen! Wenn Leary durch seine Drogen unfähig geworden wäre, hätte er das nicht geschafft. Er hat Meditation und Techniken genutzt. Er war Schriftsteller , hat alles hinterfragt und in Sprache gebracht.
Drogen sind nicht alle gleich, sind gefährlich in den falschen Händen, vor allem wenn man schon verwirrt ist. Das lässt sich vorher nicht absehen, ich kenne viele Geschichten von Psychosen und Psychiatrie. Drogen werden heute zum Tanzen einfach so genommen, um sich ins Unbewusste zu katapultieren, in eine Trance, durch die man im schlimmsten Fall ohne Landkarte taumelt. Diese Welten wollen gelernt werden.
Ich bin gespannt, heute abend um 20.15 gibt es auf arte tv einen Spielfilm zu sehen, der dies zum Thema hat:
„Magical mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt.“
Erwähnt werden muss: der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sven Regener, 2013
c0) 15.07.2020 Ky
Binsenweisheit
Das Wort war auf einmal da. Was ist denn eine Binsenweisheit und warum heisst das so? Natürlich, ich habe jetzt nachgeschaut. Aber erst mal dachte ich an Binsenkörbchen, also etwas was man schon seit der Zeit in der Wiege weiss oder so ähnlich. Und das kommt der ersten Erklärung nahe, ein Sprichwort aus der Römerzeit. Ja, vieles kommt mir heutzutage vor wie eine Binsenweisheit. Liegt es an meinem Alter? Es langweilt mich so vieles. Oder liegt es daran, dass so vieles ohne Tiefe weitergeteilt werden kann, ohne Mühen, es selbst erzählen zu müssen und dabei zu verinnerlichen.
Ich zitiere jetzt aus http://www.wissen.de: „Binsenweisheit“ weiterlesen
Trullablog
Was ist denn eine Trulla? Als wir Kinder waren, wussten wir das: eine komische Trulla eben. Ob das Wort von Troll abgeleitet ist? Na ja, vielleicht bin ich nun eine Trulla. Alt und verschroben. Ich frage mich öfter im Leben, wer ich bin, woraus ich meine Identität ableite, und ich sehe, dass ich sie auch immer mit wandelnden Beziehungen zu anderen verknüpfe. Ich bin erstaunt, wenn andere das nicht tun, wenn für die alles immer so klar ist wie Klosterbrühe. Ein schönes Sprichwort übrigens, welches ich dem automatischen Wortvervollständiger verdanke. Diese Klarheit hat eine ungeheure Härte. Härte trifft mich. Ich habe sie auch, aus Angst heraus etwas aufgeben zu müssen, etwas von meiner eigenen Identität. Aber nie war ich lebenslang mit nur einer Gegend, den gleichen Menschen verwoben. Ich bin eine Wandlerin, eine Wandererin. Ich bin eine Lernende.
Man wird über Rollen definiert. Was man kann. Wozu ich gehöre. Und wenn das etwas ist, was nur wenige kennen, dann ist es schon einsam. Oder gehöre ich gar nicht? Wie schade, ich will nicht allein sein, ich will nicht gehören, gehorchen, ich will.
Trollblog Juli
Ich habe es doch tatsächlich geschafft, aus einer Gruppe rausgeworfen zu werden. Das heisst, ich bin so etwas wie ein Troll. Oder jemand, der Widersprüche anspricht, aufzwingt, unlösbare Konflikte erzeugt…? Na ganz so wesentlich war es nicht. Es gibt diese tollen Gruppen, in denen sich Leute treffen, die Steine bemalen und diese dann irgendwo auslegen, um anderen eine Freude zu machen. Das ist doch schön, oder. Da sind wirklich schöne Werke dabei. Manche suchen schon richtig nach diesen Steinen.
Einige schreiben dann, dass sie wieder säckeweise Steine von der Küste nach Hause geschleppt haben, um dann anschliessend Disneyfiguren oder Leuchttürme darauf zu malen. Und das finde ich richtig Scheisse und hier sage ich das noch mal laut und deutlich. Ich war nämlich mal ein paar Jahre mit einem Geologen an der Ostsee unterwegs und ich sehe, dass das Steine sind mit einer Geschichte, einer Eigenheit, und überhaupt einer Schönheit für sich selbst, die allen gehören , allen.
Auch wenn es erlaubt ist, diese mitzunehmen….es ist auch erlaubt, sich darüber Gedanken zu machen, oder nicht. Ach dann ist man fehl am Platze, nun ja. Das Malen ist eine wichtige Kunst und es ist gut für uns, etwas selbst zu machen. Aber die Natur ist nur noch eine Deko. Ich war neulich mal wieder in einer Stadt, seit langem. Und da fiel mir das auf, dass Natur nur ein bisschen was zudeckt, so wie Deko vor einer Mauer.
Menschen da kennen gar nicht richtige Natur. Was immer das ist, es ist wild und unberechenbar und der Mensch ist darin ganz klein. Es fühlt sich sehr sehr anders an. Nicht angenehm, aber echt. Voll mit der Kraft, die so viele vermissen, und nicht wissen, wie sie finden. Es macht nämlich Angst, diese Urkraft, die Leben ist und Leben zerstören kann, dabei aber doch immer Leben bleibt.
Steine sind eine solche Kraft. Das bisschen Tünche der Menschen ändert nichts daran, die Steine sind so unvorstellbar alt. Es tut gut, sich mit denen zu verbinden. Es macht mich jedenfalls glücklicher, einen Sinn in dem zu sehen, was ich da male, eine Art Dialog mit den Wesenheiten der Natur und ihren Elementen einzugehen, so wie das die verbundenen Kulturen immer gemacht haben. Es hatte Bedeutung.
Verrückte Gedanken blog
blog 22.5.2020
Es gibt ja viele, die sich zur Zeit wieder an früher erinnern, und die Sprüche, dass DAS so nie wieder passieren dürfe, und so weiter. Dabei gibt es brilliante Analysen darüber, warum das alles so passieren kann.
Dazu zitiere ich jetzt Wilhelm Reich. Aus “ Die Entdeckung des Orgons“, Seite 204
„…In Wirklichkeit war Hitler nur der Ausdruck des tragischen Widerspruchs in den Menschenmassen, des Widerspruchs zwischen Freiheitssehnsucht und realer Freiheitsangst.
Der deutsche Faschismus sprach es klar aus, dass er nicht mit dem Denken und dem Wissen der Menschen, sondern mit deren kindlichen Gefühlsreaktionen operiere. Weder das politische Programm noch irgendeine der vielen verworrenen wirtschaftlichen Versprechungen, sondern in der Hauptsache der Appell an ein dunkles mystisches Gefühl, an eine unbestimmte, neblige, doch ausserordentlich kräftige Sehnsucht brachte den Faschismus zur Macht und sichter ihn in der Folgezeit. Wer dies nicht begriff, begriff auch den Faschismus nicht, der eine internationale Erscheinung ist. Der Irrationalismus in der Willensbildung der deutschen Menschenmassen ist an folgenden Widersprüchen darzulegen.
Die deutschen Menschenmassen wollten „Freiheit“. Hitler versprach ihnen autoritäre, absolut diktatorische Führung mit dem ausdrücklichen Auschluss jeglicher Meinungsäusserung. 17 von 31 Millionen Wählern trugen Hitler 1933 im März jubelnd zur Macht. Wer die Dinge mit offenen Augen sah, wußte: Die Menschenmassen fühlten sich hilflos und zur Verantwortung für die Lösung der gesellschaftlichen chaotischen Probleme im alten politischen Denkrahmen-und -system unfähig. Der Führer sollte und würde es für sie tun.“ Zitat Ende
Dem ist ja nichts hinzuzufügen.
Es gibt heute einige wirksame therapeutische und Verstrickungen aufdeckende Methoden, die im übrigen auch von Firmen und Konzernen zur Lösungsfindung angewendet werden. W. Reich konnte seine Erkenntnisse damals nicht öffentlich äussern. Und irgendwo beginnt ja die Unfähigkeit….heute wieder vor neuen Herausforderungen, die keiner recht überblicken kann. Die Gehorsamkeit wird schon getestet.
Gedanken zur Zeit
Einige tracks meiner Lebensspur laufen parallel und treffen sich immer wieder in Kreuzungspunkten. So habe ich gerade mit einer Übungsreihe Kriya-Yoga begonnen, das kannte ich so noch nicht und habe mich spontan entschlossen, wegen der Wirbelsäule und um mich zu beruhigen, etwas zu tun, dass ein Ziel hat. Die erste Übung ist eine Art von rebirthing. Das macht man 40 Tage. Und so werde ich jeden Tag neu geboren. Das ist irgendwie toll. Es gibt jeden Tag Gelegenheit, das Ziel für dieses Leben zu wählen.
Ja, und dann fielen mir durch eine Wohnungsauflösung Kisten mit Büchern in die Hände. „Gedanken zur Zeit“ weiterlesen

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