Über das Buch kann ich nichts sagen. Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt von Sven Regener (2013) wurde zu einem Film gleichen Titels (2016). Es geht darin um jemanden, der „abgestürzt“ war, in der Psychiatrie gewesen war und sich nun aus dem Milieu der Beschädigten wieder ein Leben zurückholt. Genau wird nichts über die Krankheit ausgesagt. Nur dass vermutlich Drogenmissbrauch dazu geführt hat.
Es ist ja eine Komödie. Soweit das möglich ist. Mit wirklich plattem Humor.
Erst denke ich, der Film hat das Thema verschenkt. Karl trifft auf seine alten Kumpels, die immer noch wie die Irren weiterfeiern, und er wirkt dazwischen wie ein Fels in der Brandung. Es stellt sich heraus, dass er das auch ist, denn die anderen werden immer irrer und hüpfen wie die Deppen auf Trip durch die Nächte. das Ganze spielt sich ja in der Szene der Technomusik und ihrer DJs ab.
Charly Hübner spielt den Karl, und durch die prägnanten Sätze kommt doch etwas Tieferes durch die Nebel der oberflächlichen künstlichen Fröhlichkeit um ihn herum. Einerseits will er wieder dazugehören, andererseits hat er mit dem Leiden zu kämpfen, muss auf sich aufpassen und merkt, was er dazugewonnen hat durch diese Erfahrung.
Leider aber – und so ist es – ist sein Status in der Gesellschaft grundsätzlich abgewertet , als verrückt gelten ja die, welche nicht mehr klarkommen. Deutlich sieht man die „normal Verrückten“, die akzeptiert werden, egal ob Alkohol oder andere Drogen auf dem Tablett stehen. Doch nun sind es diese, die ihn wieder aufnehmen; wie er sagt: die nehmen jeden mit, sogar ein Meerschweinchen, und sogar einen wie mich. Der Satz trifft ins Herz.
Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, das Selbstbewusstsein braucht lange, um sich zu erholen. Die Selbstverständlichkeit der Identität wurde gebrochen. Das Bild von Realität wurde erschüttert. Aber in der Zerbrochenheit kann man nicht bleiben, man muss versuchen, sich wieder zusammenzusetzen. Und das scheint hier im Film als nicht einfach, aber gelingend, und kann ja durchaus Mut machen.
Die Frage ist, warum will man Mitglied im Deppenzirkus sein….
Die von Sozialarbeitern betreute WG wird als Team vorgestellt, sehr echt,…doch auch die miteinander arbeitenden DJs werden als Team vorgestellt, und der Spielraum der Freiheit ist da recht groß. Ich glaube das ist der Schlüssel. Den Betreuten wird die Freiheit entzogen. Sie wird ihnen nicht zugetraut.
Sie trauen sie sich selbst nicht mehr zu. Die anderen fangen nicht immer Sinnvolles mit ihrer Freiheit an.
Und jetzt schlage ich doch nicht etwa die Parallele zu unserer aktuellen Entmündigungssituation, nein. Ich bin da halt sehr hellhörig, weil ich durch einen solchen Prozess gegangen bin. Die üblichen Kategorien von verrückt und normal sehe ich anders, vielleicht weil ich ernsthaft versucht hatte, wieder normal zu werden.
Man kann nur noch auf sein eigenes Gespür für die Wahrheit vertrauen.
Und der soundtrack, by the way, der war richtig gut. Musik ist die beste.
Der Film ist noch für eine Woche in der Mediathek von arte zu sehen.


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