Simulation

In den letzten Wochen habe ich so einiges an „Ahnenarbeit“ gemacht, unter anderem mit einem aufgezeichneten Seminar von Sabine Wolf mit dem Namen „Magie des Herzens“ (kristallmensch TV). Diese wollte ich schon lange lange vorstellen, doch fehlen mir die richtigen Worte bei der großen Fülle an Material, das der neu gegründete kristallmensch e.V. Verein nun nach ihrem Tode zur Verfügung für Viele aufbereitet. https://kristallmensch.net/kristallmensch-verein/

Immer wieder geht es doch um die Vorfahren, und wie sie uns ihre Lasten, Traumata und Erfahrungen eher wenig bewusst eingeprägt haben. Auch ich war mir lange nicht bewusst, dass ich versuche, ein normales Leben zu simulieren. Das ist ein hartes Wort, aber fake wäre ein hässliches Wort für etwas, dass man nicht anders kann. Man lernt es so kennen, dass in Ehen und Familien nach dem Krieg, so etwa in den 20 Jahren danach, für immer, nicht über eigene Wahrnehmung und Gefühl gesprochen werden konnte. Als junge Frau war ich stumm, wenn ich unerklärliche Dinge tat, und erst viel viel später lernte ich in einer Therapeuten und Sozialarbeitersprache „mich“ zu äussern. Aber das stimmt nicht, immer hatte ich gemalt und gezeichnet, ich hatte mich geäussert und ich erinnere mich gut, dass einmal ein Professor in einer Prüfung fragte, warum ich mich auf Selbstportraits so alt und zermürbt gezeichnet hätte. Ich hatte keine Antwort. Die Wahrheit war doch, dass ich mich so wahrnahm.

Ich simulierte also, gesund und normal zu werden. Heute komme ich erst langsam darauf, wie sehr dieser therapeutische Plan mich gesteuert hat, und dass er wieder nur darin mündete, zu funktionieren und die eigenen Bedürfnisse hinten an zu stellen. So war es schwer, sich kennenzulernen. Sich kennenlernen, dabei braucht es schon Hilfe, aber auch viel Zeit. Die Seele zurückrufen war notwendig und ich erfuhr erst noch später, wie das geht.

Nun bin ich alt aber nicht zermürbt, ich werde lebendig von Innen und kaum auszudenken, das wäre früher passiert…ich hätte vielleicht niemanden gefunden, der es versteht. Denn die Simulation läuft noch. Nur eine unvorhersehbare Situation hält sie gerade irgendwie auf, und möglicherweise ist das eine Chance, dass mehr Menschen es als sinnlose Hülle erkennen, womit sie sich identifizieren.

In Beziehung- da soll es so funktionieren, dass der andere ein Vertrauter ist, man hat aber auch die formale Ebene, so dass jeder sieht, vor allem ich selbst, dass man zusammengehört. Das gemeinsame Essen, Wochenenden, die Freizeitaktivitäten oder Prozesse, in denen Haus und Gut gepflegt werden, – das ist Beziehung, oder.

Es gibt Menschen, die schaffen es nie, diese Simulation lange aufrecht zu halten. Wissen aber nicht, warum immer alles in die Brüche geht. Es gibt auch den Punkt, an dem es offensichtlich wird. Meine Großeltern haben es ein Leben lang geschafft, bis dann am Schluss der Opa im Krankenhaus lag,und zur Oma sagte: Komm setz dich doch hin, lass uns reden. Das hatte er nie getan, nun aber erinnerte er sich plötzlich der schlimmen Dinge aus dem Kriege, er war in russischer Gefangenschaft gewesen. Und meine Oma, sie konnte nicht – sie wuselte herum und tauschte Handtücher, sie war ihr Leben lang am Rennen, nach der Flucht mit vier Kindern, und nach aussen sah alles ganz normal aus.

Opa war Müller. Warum auch immer, wegen der Deuka, für die er arbeitete, mussten sie alle sieben Jahre umziehen.

Eine schöne Tradition, die ich aufrechthielt.

Nun sind ja alle sehr zufrieden mit ihrer Simulation. Nur die Seele macht sich eben bemerkbar. Aber wenn man jemanden darauf anspricht, dann wird er eher böse, er möchte über das Wetter und das Essen reden, keinesfalls über seine vielen Unfälle oder anderes, was das Bild stört.

Welche ungeheure Angst, welche Abwehr der wahren Eigenart, der mitgetragenen Lasten bewusst zu werden, und wie schade, wenn man an der wahren Liebe dadurch vorübergeht.

Es geht aber auch, sie zu erkennen, aber zur Form einer Beziehung nicht in der Lage zu sein. Das ist auch ehrlich.

2 Antworten auf „Simulation

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  1. Gute Gedanken, viel Wahres – so empfinde ich es. Ich würde das, was man an Anpassungsleistung erbringt, allerdings nicht unbedingt Simulation nennen. Es ist Biographie, die sich dem Ich (individuelles Geist-Seelenwesen) von außen anlagert, dieses überformt, bis das Ich sich durchringt und beginnt, seinerseits die Biographie aus sich heraus hervorzubringen. Liebe Grüße .

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    1. Ja, da magst du recht haben, dass ich das in einer gewissen Rage verfasst habe, weil mir schien, dass bei manchen eben nicht das Ich durchringt. Oder vielmehr, dies in einer ganz verzerrten Weise versucht, die nicht aufrichtig wirkt. Um eben dieser Anpassung nicht offensiv entgegenzustehen.

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