Buch: Hilfe, ich liebe einen Narzissten

Überlebensstrategien für alle Betroffenen

Von Umberta Telfener, Goldmann 2017

Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet. Mich wundert eigentlich nur, warum ich sie immer wieder verschlossen habe. Weil ich es so wollte….Und auch das wird hier ziemlich gut erklärt.

Ich mache hier jetzt keine Buchbesprechung. Ich will einfach nur darstellen, wie erleichtert ich bin, endlich zu verstehen was unerklärbar schien. Insofern ist dieses Buch sicher sinnvoller für mich als das letzte, in dem es um Seelenzwillinge ging….,

In jedem Falle ist das Auseinandersetzen mit diesem Thema ein Lebensthema und es ist gut, dass ich ein Kapitel erleben konnte, um mehr zu lösen, zu wissen und auch noch einmal die Faszination, die Gefahren und das schleichende Auflösen des eigenen Ich zu erleben, um diesmal rechtzeitig- hoffentlich- stop zu sagen. Wobei das Stopsagen ebenfalls ein Teil der sogenannten Beziehung gewesen ist, die im Grunde niemals so ganz endet. Für den Narzissten wird man wenn möglich immer wieder eingebaut als Ausgleich zu der Neuen, damit die nicht zu ernst und zu eng wird….

Ganz wichtig war für mich das Beobachten der Phasen, das Dokumentieren, die Wiederholung des Leidens, (Genau 2 Jahre diesmal), um es hier nun in klarer Form im Buch wiederzuerkennen.

Ganz gut finde ich, dass die Autorin Italienerin ist, wodurch eine gesellschaftliche Struktur deutlich wird, in der der Narzissmus anerkannt und auch gefördert wird. Aber sicherlich ist er eine Persönlichkeitsstörung, die aus zu wenig Liebe entsteht. Nur können wir das in diesem Fall als Partnerin nicht wieder gut machen, ohne uns oft selbst zu zerstören. Haben wir selbst wenig Liebe erfahren, so gehen wir zu gern in diese Falle, weil wir uns im Anderen ja auch spiegeln.

Immerhin gibt es auch Beispiele, wie eine solche Beziehung ausgehalten werden könnte.

Der Narzisst wird nicht als der Böse dargestellt, wie es heute als Modeerscheinung in coaching videos etc. so üblich ist. Das vermutlich, weil das Buch im original schon 2006 erschien. Aus eigener Erfahrung sehe ich da immer einen bestimmten Italiener vor mir, der sich furchtbar leid tat, wenn er nicht bewundert wurde oder bekam was er wollte…heute kann ich darüber lachen, zum Glück passte ich nicht lange in sein Schema.

Doch auch wenn äussere Umstände so unterschiedlicher nicht sein könnten, die Parallele zum Vater gibt es eben doch. Wie sieht es aus mit meinem Bindungsmuster? Je mehr eigene Persönlichkeit ich entwickeln kann, umso besser: dann funktioniert das nicht mehr gut mit dem Unterworfen werden. Dennoch ist der Kampf darum härter und kann einen -das Leben kosten, wenn man nicht loslässt.

Kayute 2021

4 Antworten auf „Buch: Hilfe, ich liebe einen Narzissten

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    1. Ja, herzlichen Dank dafür, das war sehr interessant. Ich denke, dass ich eher mit Dir gehe, dass ich die Bosheit nicht als Absicht direkt verstehe, aber doch zweckgerichtet, um abzuwerten und Distanz zu schaffen. Das zumindest habe ich verstanden, was mein Vater da gemacht hat und wovon man schwer loskommt. Dass ein Mann ohne große Macht auf einem solchen Trip ist, hatte ich dann aber nicht vermutet, und ich erkenne da eine gewisse Lust an der Bosheit, die mich schwer getroffen hat, doch sich diesmal meine Angststörung nicht nachhaltig wiederholte. Die Zeiten der Trennung sind wichtig, um eigenes Sein wieder zu spüren und sich zu erleben. Dem anderen ist das nicht wirklich möglich….er weiss es aber nicht. Es gibt Menschen, die ihre Identität damit schmücken, sich sozialen Regeln zu wiedersetzen. Und man bewundert manchmal ihr Rebellentum, ohne es als böse zu werten. Im Persönlichen sieht das leider anders aus. Ich interessiere mich ja eher für den Autismus, den ich da auch vermutete. Das schliesst sich wohl nicht aus, ist kommunikationsmässig nicht so erfolgreich, dass das Gegenüber welches ja keines ist, allzulange bleibt. Aber die emotionalen Heiss- und Kaltduschen machen abhängig, vor allem wenn man dafür ausgerichtet wurde…

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      1. Ichfreu mich, dassder Hinweis brauchar war. Zum Thema selst habe ich geschrieben, was ich bisher erlebt habe. Es ist sehr wenig, vor allem fehlt mir die Selbstbetroffenheit, um urteilen zu können. Aber so viel habee ich verstanden: man/fau MUSS sich von einem Menschen trennen, dessen narzistische Erkrankung zum Wrack macht, wer in seine Abhängigkeit gerät.l Was geschieht, wenn er/sie sich nicht trennen kann (als Tochter oder Sohn), weiß ich nicht. Du hast anscheinend Erfahrung damit.
        Ob Bosheit oder Erkrankung – es spielt für die Menschen, die unter Narzisten leiden, keine Rolle,

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      2. Ja, ich denke was geschieht ist, dass man die Erfahrung mit anderen wiederholt, um das Trauma zu lösen. Und sich in einen entsprechend sicheren Abstand zu begeben, ist überlebensnotwendig. Jedoch reagieren Menschen verschieden darauf. Ebenso wie Narzissmus unterschiedlich schwer ausgeprägt sein kann und sogar erst als Krankheit gewertet wird, wenn der Narzisst selber leidet- was jedoch sehr selten ist!

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