Retraumatisierung

Aus einem gewissen Abstand heraus kann ich erkennen, wie das Eine zum Anderen führt.

Da alle Beteiligten traumatisiert sind durch frühere Ereignisse, und die Reaktion eine überschießende Emotion ist, die einen jeden in einen Raum jenseits der Realität katapultiert, ohne dass er in dem Moment viel dagegen machen kann. schaukelt es sich gegenseitig hoch.

Das heißt, JEDER fühlt sich bedroht. Er versucht sich Beistand zu holen.

C. fürchtet, dass ein Brand ausbrechen könnte, das hat er schon erlebt, und dringt wutschnaubend in einen Raum ein. Den geschützten Raum von A. der gerade aus dem Schlaf erwacht oder anders vollkommen überrascht wird und daraufhin eine zunächst verständliche Reaktion auf die Bedrohung und Beschimpfung zeigt, die das Ganze eskaliert.

A. weitet die Beschimpfungen aus, lässt andere daran teilhaben und jeder beschuldigt den anderen, bis hin zu Erpressungen und äußersten Androhungen. K. soll das ganze mitgeteilt werden, weil C. nicht reagiert- er beantwortet die für ihn erlebte Gewalt mit Starre. K. ist wiederum selbst traumatisiert von Beschimpfungen und früherer Gewalt und erlebt jetzt auch eine Retraumatisierung. Verständlich wird das Ausmaß der Beschuldigungen nun nicht mehr.

Es hält sich auch nicht mehr an die Wahrheit, was immer das ist. Keiner kann diese sehen. K. erlebt Schmerz wieder , der ihr früher zugefügt wurde. Sie lehnt daraufhin Kontakt zum Schimpfenden ab. Manche Leute können nicht ermessen, welchen Schaden verbale Attacken und Worte auslösen können bei jemandem, der das alles für Wahr hält. Bei jemandem, der das jahrelang ertragen hat, mit psychisch kranken Menschen, denen das ihrerseits einst angetan wurde, – wer ist Täter?

Der Auslöser ist es jedenfalls nicht. Ob man sich weiter in einem ungeschützten Umfeld bewegen möchte, wo das jederzeit wieder passieren kann, ist fraglich. Aber vermeiden kann man solche Auslöser im Leben auch nicht. Vielmehr scheint es auch so, dass sich traumatisierte Menschen um eine Auflösung des sie in einem Bann haltenden Erlebten bemühen, leider oft auf ungeeignete Weise.

Wir alle haben versucht, überschießende Emotion mit Alkohol, Drogen, mit Dissoziation und Flucht, mit Rückzug von anderen Menschen in den Griff zu kriegen. Ja auch mit jahrelanger Therapie, mit professioneller Hilfe, manche aber auch mit Wiederholung potenziell gefährlicher Situationen, um eine Lösung zu bewirken. Das ist vielen Fällen allerdings völlig unbewusst und in Unkenntnis der eigenen Betroffenheit, die ja teils abgespalten ist, oder in Panikzustände mündet.

Das kann natürlich dazu führen, dass man Unfälle oder Zerstörung unbewusst „erschafft“. Diesen Umstand sehe ich persönlich, obwohl er auch auf ganze Gruppen und die heutige Welt durchaus übertragen werden könnte.

Da ich alles gerade erlebt habe, und Tage brauchte, um wieder aus dem Angstzustand herauszukommen, denke ich, jeder muss damit bei sich und seinem Umfeld bleiben. Es nützt nichts, wenn zur Entlastung weit entfernte Feindesbilder angegiftet werden.

Als Gift empfinde ich die entsprechende Sprache, in der sich Hass ausdrückt, der sich aus Verzweiflung und Ohnmachtsgefühlen entwickelt. Denn ich spüre direkt körperliche Symptome, die krank machen auf Dauer. Auf Dauer habe ich es erlebt bis zu einer offiziellen Angststörung. Ein Bewusstwerden darüber kann man erlernen, jedenfalls manche Menschen, die das wollen. Wer aber bereits krank ist, kann nicht immer das Rad zurück drehen.

Es fördert nicht das Vertrauen in andere Menschen. Man muss nun immer „auf der Hut“ sein. Andererseits sucht man auch Menschen, die einen verstehen. Die einen akzeptieren mit diesem Schaden, den man hat. Und da findet man eben jene, denen es mehr oder weniger genauso erging und die leider weder konfliktfähig noch kommunikationsbereit sind. Leider befinden sie sich auf ständiger Flucht. Die Emotionen sind ja oft kaum auszuhalten.

Von den sogenannten Normalen ist aber auch kein Verständnis zu erwarten. Ich weiß, die Begriffe krank, normal und Schaden sind etwas abstrakt. Es gibt Leute, die völlig normal erscheinen, aber statt ihre Wut auszudrücken stattdessen ihr Auto in einen Graben lenken oder andere Katastrophen produzieren. Daran sind sie natürlich nicht schuld…Das Wort Schuld wird ohnehin völlig überbewertet. Wem nützt es überhaupt, wenn eine Schuld festgestellt wird ? Wer hat Schuld, wenn solche Menschen ganze Länder ins Unglück stürzen, weil sie sich permanent bedroht fühlen?

Verstummen ist auch keine Lösung. Es verringert aber die unmittelbare Gefahr. Angemessene Grenzen, auch in der Sprache empfinde ich als wichtig. Auch wenn man ein Virtuose in Wortgewaltigkeit und Boshaftigkeit ist, ist man kein Geigenspieler, sondern ein Panzer, der andere überfährt. Vor allem verkennt man, dass andere dieser Sprache gar nicht mächtig sind, sie auch nicht entsprechend der Absicht verstehen.

Meine Lösung befindet sich auf geistiger Ebene. Nicht Denken, sondern spirituell betrachtet gibt es dort die Energiebewegungen und nicht selten auch entsprechende Energiewesen, die für mich ebenso real sind und selbst erschaffen sein können. Von höherer Ebene, und das kann auch Beten sein, whatever, kann die niedrigere Ebene bereinigt werden. Das kann man ganz im Stillen versuchen.

5 Antworten auf „Retraumatisierung

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  1. Das ist ein Text, der tief in die Problematik des Unfriedens in der Welt eintaucht und zugleich eine Lösungsrichtung anbietet. Jedenfalls ist es eine individuelle Lösung, wenn es gelingt, sich von den Oberflächenphänomenen wie Beschimpfen, Bedrohungen, angsterinflößenden Nachrichtenströmen etc zu lösen und sich auf eine geistige Ebene zu begeben, freilich eine, die nicht abstrakt und fordernd ist, sondern die im Herzen ihre Wurzeln hat.

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    1. Ja, ich war wirklich rückzugsbedürftig, um das noch zu sortieren. Etwas altes kam für mich hervor, und ich dachte: das Jahr fängt genauso an wie ich dachte dass es wird…ist aber nicht schlimm. Ganz im Gegenteil.

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