Machtlos

Schreibetüde April 2026, Wortspende: Notwendigkeit-authentisch-dämmern, https://365tageasatzaday.wordpress.com/2026/04/05/schreibeinladung-fuer-april-2026-wortspende-von-irgendwas-ist-immer/

Sie fühlte sich einfach machtlos gegen diesen fremden Kater, den sie ins Haus gelassen hatte und der nicht mehr von ihrer Seite wich. Vielmehr von ihren Füßen. Ein kampferprobter wilder Kerl, der ihre anderen Kätzchen verfolgte. Mit diesen von klein auf Vertrauten gibt es wortlose Verständigung.

Sie ließ eben niemanden hungern, doch immer wollten die Wilden dann das ganze Revier übernehmen. Ihr Haus. Ihren Garten sowieso. Als sei es eine Notwendigkeit, Nummer eins zu sein. Ja, ein Alphatier war auch nicht dabei gewesen zur Zeit. Sie wehren sich nicht. Und die Frau- ständig half sie beim Flüchten, öffnete Fenster und fütterte heimlich in anderen Zimmern, um den Kater nicht auf die Spur zu bringen.

Ihr dämmerte langsam, dass das ziemlich nach ihrem eigenen Leben klang. Sie wollte nicht kämpfen, sich ständig zur Wehr setzen müssen und war immer im Rückzug gewesen. Zwar fauchte auch sie, doch es war wirkungslos. In Wahrheit war sie eine Elfe, im Innern, da gab es einige Anteile, und die wirklich authentischen durfte man nicht immer zeigen. Zu viele Leute bemerkten die gar nicht, oder lächelten darüber.

Das Gefühl, nicht sie selbst zu sein, hatte sie auch lange verfolgt. Es gab viel zu lernen von den Katzen. Sie war dankbar, denn wie auch immer – sie musste eine authentische Führungsperson für diese sein. Die merkten alles, was nicht echt war. Bei den normalen Menschen schien das umgekehrt zu sein. Normal oder neurotypisch, mit denen kam sie nicht so gut zurecht. Aber es war ja auch ganz lustig gewesen, Rollen zu spielen, es gab Sicherheit. An der Oberfläche, wo man sich dann bewegte. Die wilden Strömungen darunter konnten jedoch auch in die Tiefe reißen, es war eine Notwendigkeit, schwimmen und tauchen zu lernen.

2 Antworten auf „Machtlos

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  1. Hm, von den Katzen lernen… Also dieser wilde Kater könnte dann ja deine schlummernden Aggressionen an die Oberfläche spülen. Du könntest ihm zB ganz authentisch mit einem Besenstiel zur Kenntnis bringen, wo es lang geht.

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  2. Gute Frage: Wer bestimmt im Haus, der Kater oder sie? Und vor allem, mit welchem Recht tyrannisiert er alle anderen, auch wenn Stress ziemlich normal ist, wenn jemand zu einem neuen Rudel stößt? Aber ja, es ist ihre Verantwortung, authentisch zu sein, die Oberkatze zu sein, damit die anderen sich auf sie verlassen können, dass ihnen nichts geschieht. Spannend, die Querverbindung zum eigenen Leben, ich kenne so was in der Art auch.

    Danke dir für die Etüde!

    Einen schönen Feiertag noch! 😀

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