Stacheliges Gelände

Der Garten , mein täglich Stück Tun, besteht zu großen Teilen aus bewehrtem wehrhaftem Pflanzenwerk. Und eben dieses rankt sich mit Beharrlichkeit in Richtung des Lichts, mit langen Armen voller Dornen. Ja, in der Tat, lernte ich Stacheln und Dornen zu unterscheiden, so dass die meisten mich ergreifenden Dornen den Rosen, Brombeeren und dem Weißdorn gehören, die anderen mich piksenden dem Ilex, Disteln, Kletten.

Wie auch immer, manche allerfeinste Spitzen bleiben in der Haut stecken und erst später bemerke ich sie. Dann tun sie plötzlich weh. Nur noch mit zwei Brillen übereinander kann ich sie herausoperieren. Mit Zecken im Katzenfell bin ich besser, das geht ruckzuck und macht die Übung. Die machen sich nur selten an mich heran.

Mit den Dornenspitzen ist es wie mit manchen Worten.

Auch die bleiben manchmal stecken, oder so Sätze wie: „Dann gehört er ja eigentlich nicht dorthin.“ So wie ein winziger Stachel, im Vergleich zum ganzen Körper wirklich ein Witz. Aber er trifft eben einen Nerv. Genauso wie offenbar derjenige als ein Stachel empfunden wird, der die ganze große Gruppe anpikst und dann als störend empfunden wird. Ja, ohne solche Menschen gäbe es womöglich gar keinen Fortschritt. Man bedenke, wer schon alles als störend empfunden wurde in der Geschichte. Ich selbst habe mich auch schon falsch am Platze gefühlt, eher das als störend. Das dann schon in der Familie.

Und ohne gelegentliches Festhaken, sich Abreißen müssen, und Dornenkratzer hat man auch nicht die süßen Brombeeren und duftenden Rosen in den schönen zarten Farben…naja, ich schätze schon tausend Dichter haben diesen zusammengehörenden Gegensatz besungen. Früher galt die spröde wehrhafte Frau als tugendhaft und eroberungswürdig…

Und dann kommen die mit den Haken. Das Labkraut windet sich über das Dornengestrüpp hinüber und ringt es nieder! Es hat sogar noch mehr Macht, nämlich durch die schiere Menge und Gewicht und es läßt einen nie mehr los! Desgleichen passiert mit dem Hopfen. Er windet sich gar in die höchsten Bäume hinein, und die kleineren sterben dabei. Auch Brennesseln mit ihren Häkchen haben da keine Chance mehr und liegen darnieder.

Noch stärker kommt der Efeu in alle Richtungen. Wild geht es hier zu, mit daumendicken Rankenwurzeln um die Stämme herum in Flechtwerk und viele Meter hoch. Das Gute an ihnen allen: Sie sind Heilpflanzen. Sie sterben selbst nie aus.

Die Wildrosen gar nahrhaft mit ihren Früchten ebenso wie die Samen der Brennessel. Aus den fürchterlichen Brombeerranken lassen sich Seile herstellen, Brennesselfasern wurden in ganz alter Zeit zu Gewebe verarbeitet. Efeublätter kann man zum Wäschewaschen und auch gegen Husten verwenden. Sogar im Winter. Die Stachelbeeren sind reif!

Es lebe das Wilde!

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