Sommerpausenintermezzo-Etüde
Alljährlich füllten die Urlauber jeden space des dunklen Strandes, bedeckten diesen mit bunten
Tüchern und Taschen und massigen Körpern, auf denen die Sommergraffity ihrer zahlreichen
Tattoos sichtbar wurden.
Bedeutungsvoll schienen diese gar nicht unbedingt zu sein, da es sich meist um verschnörkelte Muster handelte, die einem Kleidungsstück erstaunlich nahe kamen. Sie waren nackt – ohne nackte Haut.
Kleine Kinder durften hier nackig umherlaufen.
Hanni und Wanni, ein deutsches Ehepaar in mittleren Jahren , quälten sich mit Flip Flops den heißen Sand entlang, in dem man tief einsank. Das füllige Paar schlurfte mühsam vorwärts, beladen mit allerlei Zeug, um in den Schatten eines der Felsen zu gelangen. Die besten Plätze aber waren bereits besetzt, in einer Reihe drängten sich die Nacktcamper des Tages, die sich früh am Morgen niedergelassen hatten.
Es half ein starker Wind, der die Gischt des wilden Atlantiks hoch aufspritzen ließ, allerdings
wirbelte er auch trockenen Sand in die Luft, der sich überall drauf setzte und kleben blieb.
Allerfeinste Körnchen gerieten in die Obststücke, die Hanni gleich nach dem Erreichen eines leeren Halbrunds aus Steinen ausgepackt hatte. Dieses Mäuerchen sollte eigentlich schützen vor dem Wind. Vergeblich versuchten sie ihre Badetücher als schattiges Dach zu errichten.
Es flog einfach alles davon.
Das leckere Obst indes hatte offenbar den Futterneid jeglicher Seevögel aus den nahen Felswänden geweckt. Während Wanni eine Spalte der roten Melone von Kernen und Sand zu säubern versuchte, stürzte sich eine riesig erscheinende Möwe mit einem Schrei herab und Wanni ließ alles fallen, um erschrocken den Angriff abzuwehren.
Sogleich schnappte die nächste Möwe das Melonenstück mit dem scharfen Schnabel und segelte flach in Richtung des Wassers davon, die anderen Vögel jagten hinterher.
Zeternd und schimpfend sowohl die Vögel als auch die Menschen, erkannten die letzteren, dass Unsportlichkeit sich in der Natur grausam rächt.
Allein das Aufstehen vom Boden strengte die ältere Dame sichtlich an, vor lauter Hitzeflimmern wurde ihr gleich schwummerig.
Da erscholl ein lautes Aua aua -Geschrei über ihren Köpfen, wie es den Pardelas zu eigen ist, die in der hohen Bergwand nisten. Keiner der Tagesgäste rührte sich, man wurde einfach zu träge und die gnadenlose Sonne stand im Zenit.
„Ich glaube, wir gehen lieber wieder an den Pool im Hotel“, sagte Hanni, und kämpfte mit dem
Badeanzug. Ein bunter pareo sollte den dicken Hintern verschleiern. Trotz des allgemeinen
Wassermangels auf der kleinen Kanareninsel hielten mehrere Hotels wohl gefüllte saubere
swimming pools sowie Duschen bereit.
Sie wollten an der Wasserkante entlang, wo der Sand etwas fester war. Einmal mit den Füßen ins Meer. Sie brachen ihre Zelte ab und stapften mit den gepackten Taschen zur Brandung, die zischte und brodelte und erfrischende Gischt über sie sprühte. Die Möwen hatten sich weiter draußen zu einem Fischerboot begeben und umkreisten dieses.
Ein nackter junger Mann stand im Weg, schön anzusehen mit gebräunter Haut und langem Haar. Er hatte Fußstapfen im nassen Sand hinterlassen wie einen Barfußpfad, dessen Abdrücke sogleich von strudelnden Wellen gefüllt wurden.
Der Junge hielt die Arme ausgestreckt und die Augen geschlossen. Er sang ein monotones Lied, eine Art Mantra aus zwei Worten, die sich immer wiederholten.
Und da kamen sie: die Delphine!!
Unsere schnaufenden Urlauber blieben stehen und schauten nun endlich auf das unendliche Meer hinaus, das in der Sonne glitzerte, sahen die glänzenden Rücken auftauchen und springen und riefen voller Aufregung über dieses Bild der Freiheit, welches sie in einem Pool niemals entdecken würden. Der junge Mann war in eine echte lebendige Freiheitsstatue verwandelt, ein Bild von wildem Leben im Einklang mit den Elementen.
Hanni ließ die Taschen fallen und stürzte sich mit einem lauten Klatschen ins Wasser. Und sie fühlte sich viel viel leichter. Die wahre Freiheit ist doch Bewegung, wie bei den Delphinen.


Ich war sehr gespannt, welche Wörter du wählen und was für eine Tiergeschichte du einweben würdest. Deine Schlaglichter auf das Strandgeschehen haben mir gut gefallen und wirken sehr selbst beobachtet. Und ja, ach, Delphine, wen berührt ihr Anblick nicht … ❤
Danke, dass du mitgeschrieben hast! Nur zur Sicherheit: Du darfst beliebig oft, wenn du Lust hast, das weißt du, ja?
Abendgrüße mit leichtem Gewitterregen 😉
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danke danke! Ich glaube da kommt noch etwas …spannend mit den merkwürdigen Wörtern;)
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Schön wie die beiden sich in ihrem „Urlaubsstress“ doch noch berühren lassen.
Wow , echte Delphine, sieht man die oft auf den Kanaren? Ich war noch nie da und habe auch noch nie einen echten Delphin in Freiheit gesehen, ich stelle mir das aber auch sehr bewegend vor.
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Man kann sie sehen , ja, auch Wale, muss aber meist dafür rausfahren. Es gibt Touren mit kleinen Schiffen und da ist eine Menge los, auch Mantas also Rochen, die direkt im Hafen sind, und man kann den Fischern zusehen beim Ausladen ihres Fanges.
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