Stinteck

Gestern fuhr ich mit zum Abbau auf einem Campingplatz nahe der Nordsee, der verkauft werden soll. Nun müssen alle Camper runter. Der Platz ist etwas in die Jahre gekommen, aber das macht auch einen gewissen Charme aus. Nun, ich konnte nicht viel tun und ging mit dem Hund einen Deichspaziergang.

Stinteck kannte ich vorher gar nicht. Es war noch völlig leer, was sich wohl während der Ostertage ändern wird. ich vermeide Touristen. Die Leute im Imbiß waren sehr nett. Jeder grüßt, wie hier üblich.

Einen Immobilienaushang gab es auch…ansonsten finde ich es am Deich eher langweilig , bis auf das glitzernde Wasser im Sonnenschein, die Schafe mit ihren neuen Lämmchen, irgendwas findet sich immer zu gucken. Aber Strände in Dänemark gefallen mir besser, da können wir aber mit diesem Hund nicht hin. Es ist auch zu weit, und wir haben selbst keinen Wohnwagen, der fährt. Jede Menge, die nur noch stehen können.

Der ehemalige Campingplatz heißt Nordseeburg, den Preis dafür weiß ich nicht…auf dem Weg zurück durch den Wesselburenerkoog sah ich noch viele Lämmchen, und einige andere Häuser, ein kleiner road movie wie ich es mag.

Aber eins verstehe ich gut- dass die Leute ans Wasser wollen. Ich versuchte mal zwischendurch, bei Hannover zu wohnen, aber ohne das Meer und so,…das geht auf Dauer nicht. Nur fahre ich relativ selten hin ans Meer. Es war lebenslang der Traumort, der Gegensatz zum Alltag, der mit freier Zeit verbunden war. Hat man Alltag, hat man auch eine Struktur, und sorgt für Haus und Garten. Und 10 Euro zum Parken am Strand, das sehe ich auch nicht ein. Hier wohnen ja gar nicht so reiche Leute. Das sieht man auch.

Am Klev

Das Klev markiert den Übergang von der Marsch zur höher gelegenen Geest.

Hier stehen die winderprobten Baumwesen.

Hier sind zwei Graugänse drauf…und gleich zwei Eichhörnchen. Mir begegnete ein junger Mann mit einem schlafenden Baby unter der Jacke.

Domestiziert Zivilisiert

Ist mir aufgefallen, dass meine scheinbar natürliche Umgebung doch sehr vom Menschen bestimmt ist und seiner Kultur , der Nahrungsgewinnung, dem Verständnis seiner Gesellschaft. Davon zeugen die vielen Zäune, Gräben und Straßen, auch Landgewinnung war hier an der Küste üblich. Die Menschen hier waren immer arm und hatten ein hartes Leben. Das hat sich etwas geändert, denn Tourismus ist nun am Meer sehr beliebt. Aber das stimmt nicht ganz- neulich war ein Artikel mit dem Gerichtsvollzieher in der Zeitung. Von den 20.000 Einwohnern seien 10 Prozent verschuldet, und zwar so, dass er dort in Erscheinung tritt. Was bedeutet das! Haus verpfändet, Auto gesperrt, eine jede größere Anschaffung unmöglich- (von wegen Heizungsumstellung. Viele bauen sich nun eine Schredderheizung ein, selbst natürlich, alles macht man selbst. Um das Holz zu verwenden, das sonst nicht als Brennholz genutzt wurde. )

Aber wild ist nichts. Ungezähmte Menschen? Gibt es das überhaupt, ist jede Form von Kultur und Gemeinschaft eine Anpassung? Ein Mensch, der sich in der Natur wie ein freies Tier bewegt, der wäre frei. Für den die Natur sein Element ist. Da wären wir wieder bei der Steinzeit, von der behauptet wird, es sei so gewesen, bevor die Bauernwirtschaft aufkam. In zwei Wochen macht unser Steinzeitpark wieder auf. Da wird so ein bisschen geübt und gezeigt, wie es gewesen sein könnte.

Werner Pfeifer , der lange die Pädagogik machte, führt sein jährliches Steinzeitexperiment diesmal in Südafrika durch. Er stammt aus Namibia, und hat dort mit dem Volk der San geforscht. Immer hat sich die Umgebung verändert und der Mensch musste neu lernen, mit den Umständen umzugehen. Und der Teil, dem das nicht gelang, der starb eben aus.

Wie aber überlebt man die Zivilisation, die heute herrscht? Als freier Mensch – das wünschen sich alle, davon träumen alle- und haben doch Angst vor dem Verlassen der Komfortzone. Das Auto in der Nähe wissen. Das Telefon. Statt der eigenen Kräfte…ich bin ja auch so geworden. Aber das war nicht immer so. Die Erlebnisroute der Störche ist sicher viel aufregender jeden Winter. https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/artenschutz/weissstorch/03562.html

https://www.echt-dithmarschen.de/typisch/tour/storchen-erlebnis-route

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Naja. Was will ich meckern, – ich versuche den wilden Kater zu einem Hauskater zu machen, aber das nur, weil er unbedingt hier sein will!

Überlebensvorteil. Leider meint er , er muss alle anderen Katzen so einbauen, dass sie ihm unterlegen sind. Systematisch legt er sich in ihre Betten, eins nach dem anderen, und wer sich zu schnell bewegt, wird verfolgt und angefallen. Nein mein Bett hat er noch nicht versucht. Da liegt Martha drin, und knurrt wenn er sich nähert. Das wollte ich nachts nicht so gern.

Ein bisschen funktioniert es so, leider. Das Wilde.

Die Jüngste liebt es draußen zu jagen, auch wenn das Fell so unpraktisch ist. Ich muss also ohnehin immer hier wohnen bleiben, solange es geht, weil das nun ihr Revier ist. So lange keine Monsterkater kommen. Sie versteckt sich gern beim Nachbarn unter der Hütte, der ausnahmsweise keine Tiere hat.

Ich bin Natur. Ich bin aus den gleichen Elementen. Das ist so ein bisschen wie die Billig-Esoterik: wir sind alle Eins. Jaja, irgendwo irgendwie irgendwann.

Aber wer fühlt dieses Einswerden denn? Die Zivilisation ist in uns.

Flusslandschaft

Ich bin an einem Fluss aufgewachsen, dem Rhein. Da war zwar eine Landschaft, aber doch am Rande der Großstadt Köln, und auf der anderen Seite von Rodenkirchen ist Wesseling, eine Raffinerie großen Ausmaßes. Damals war der Rhein dreckig. Wir fanden tote Fische am Ufer, wo wir mit dem Fahrrad hinfuhren, und unser Hund liebte es, sich in denen zu wälzen.

Heute ist Rodenkirchen ein schicker Vorort, beliebt bei Ausflüglern, mit dem Restauranthausboot und dem Treppchen. Regelmäßig gibt es Hochwasser.

Heute lebe ich nahe der Eider, ein so viel gemütlicherer Fluss. Tatsächlich erschloss sich mir die Schönheit erst spät…Eider-Treene-Sorge – eine Flusslandschaft, mit Mooren und kleinen Campingplätzen und Bootsfahrten und Badeplätzchen. Da habe ich früher gedacht, da machen auch nur Rentner Urlaub, wo doch das Meer nur eine Stunde entfernt liegt. Nun ja, selbst nun im Rentenalter…Den Nord-Ostsee-Kanal gibt es hier auch, totlangweilig außer für Rentner, die Schiffe gucken. Erstaunlich war das schon, die großen Pötte in dem kleinen Kanal zu sehen. Sie fuhren ja abwechselnd im Konvoi in je eine Richtung. Ich wohnte vorher bei der Ostsee, wo die Eider entspringt, und von dort fließt sie hierhin Richtung Westen, wo sie dann in die Nordsee mündet. Ein Teil wurde zum Kanal. Kleine Fähren überqueren den Kanal und auch die Eider. Regelmäßig fuhr ich bei Schinkel mit dem Fahrrad rüber, um am Flemhuder See entlang zu radeln.

Die Bargener Fähre an der Eider nahe Pahlen fährt nur im Sommer über und transportiert Radfahrer und Fußgänger.

Ich sah einen ganz schönen Kurzfilm, der an einem Fluss in Frankreich spielt.https://www.arte.tv/de/videos/128707-000-A/die-workation/ . Und da fiel mir auch wieder ein: an der Ardeche war ich, an der Rhone….es hat eine Art von Märchenhaftigkeit. Die Flüsse sind die Adern der Erde. Ohne sie hätten Menschen sich bestimmt nicht entwickelt. Heute wurden im Radio die Wasserreserven der Menschheit angesprochen, sie würden knapp. Na also…Flüsse seien erneuerbare Reserven, allerdings verenden sie oft schon, bevor sie das Meer erreichen. Ob das wohl an Staudämmen liegt usw? Ich finde schon die ganze Ausdrucksweise entsetzlich. Alles wird zu einer Sache, die einen messbaren Wert hat. Und die im Grunde erpresst wird. Wie wichtig ist für uns das Lebendige am Fluss! Nicht umsonst haben sie Namen und wurden zu Göttern erhoben.

Minus zehn

Die Mühle ohne Flügel ist mein täglicher Anblick. Solche Temperaturen sind hier zwischen den Meeren aber selten. Schön sieht es aus, aber fünf Minuten draußen reichen mir schon…es ist die Luft, die mir zusetzt. Sehr trocken und es wirkt gar nicht so kalt.

Die Katzen machten in der Nacht Radau- die Katzentür war wieder zugefroren und sie kamen nicht wieder hinein. Ich wurde wach. Abends hatte ich in der Autobiografie von Patti Smith geschmökert, welche mich sehr berührt. Da ist so viel Ähnliches, wie seelenverwandt. Auch sie ein Steinbockkind, bockig, wissbegierig. Mir scheint viel auch in den Fünfzigern wie noch europäisch gewesen zu sein in Amerika.

Bread of Angels“, Patti Smith

Dank Blaue Feder für den Hinweis! Ein anderes Buch von ihr kannte ich schon, M Train. Sie ist die Einzige, die wirklich wahrhaftig ist. Keine Rolle, keine Show, sondern sich selbst treu. Und darin ein Vorbild wie kein anderes, nun außer ihren Vorbildern: Männer. Jungs. Bob Dylan, den ich auch schon früh liebte. UND die Jungs liebten sie auch. Weil sie so ist. Ging mir auch so, ein bisschen beides sein.Wegen der Freiheiten.

Ich bin staunend vor Bewunderung!

Aber auch wie sie ihre Kindheit beschreibt, oder sich zu Zeiten als Reisende, die nicht reist, zu anderen als Schriftstellerin, die nicht schreibt. Es ging ja nie alles.

Und ich eine Fotografin, die nicht fotografiert. Wie die Mühle ohne Flügel. Sie ruht sich aus. Weil alles um mich herum schon tausendmal gesehen.

Hell und Dunkel

Die Gegensätze sind doch faszinierend- bei uns ist alles eingeschneit, so richtig. Meine jungen Katzen finden es toll- sie rasen herum und spielen im Schnee. Die Ältere mag es gar nicht.

Und dann bekomme ich das Bild gesendet, von einem Freund. Das ist der dunkle Strand, playa del Ingles auf La Gomera und es strahlt Wärme aus.

Aber in der Tat finden sie es dort auch kalt, man friert dann schon bei 17 Grad. Ich finde 10 Grad schon warm. Es hat mit der Gewöhnung des Körpers zu tun. Nun, an das Schneeschippen gewöhne ich mich nicht mehr gern. Ich bin kein Mensch für den echten Norden, wo immer Schnee liegt. Aber raus muss ich, die Vogelfuttersäulen aufhängen, denn am Abend soll wieder Sturm kommen.

Der Fasan war schon da, er ist ja nicht zu überhören. An den Spuren erkennt man auch das Rehböckchen, sie finden nichts mehr. Ich habe die Äpfel wieder ausgegraben. Und Kürbis. Allerdings friert das alles ein und ist steinhart.

So schön die Idee ist, den Winter über zu verreisen, sogar möglich auf einmal- aber wer sorgt dann für die ? Nee, auf einem Flughafen wollte ich jetzt auch nicht festhängen. Meine Freundin düst diese Wochen nach Marokko…ich gönne es ihr, denn sie arbeitet im Sommer hart. Dann gibt es wieder schöne Bilder zu gucken…

Mein Geburtstag war immerhin gemütlich, vier Gäste hatten den Weg gefunden, im Schneckentempo. Man muss ja von einem anderen Dorf anreisen, und nicht immer ist alles geräumt. Es schneit ja weiter.

Manch einer kommt dann lieber mit dem Trecker. Da sind sie hart im Nehmen mit der Kälte. Es gab dann eine Hühnersuppe passend zum Winter. Und neue Bücher. Einen Kuchen aus den eigenen Boskop-Äpfeln.

Winter, alle zwei Tage

Das ist doch merkwürdig mit dem Frost. Heute ist er wieder weg, darüber bin ich auch froh. Das Autofahren ist leichter. Aber gestern war er so schön, auf meinem Hundespaziergang. Bussarde ganz nah. Ein Rabe auf dem Feld, die hatten da was gefunden.

Shiva hätte auch gern den Hasen eingeholt. Aber sie ist nun viel zu langsam, und ich hielt sie kurz, bevor sie mich in den Graben zerrt. Das hat sie nämlich einmal gemacht, ich stand bis zu den Knien im nassen Graben.

Der Schnupfen geht nicht weg.

Ich bin genervt, dünnhäutig, angestrengt. Abends schauten wir den neuen Avatar-Film, das heißt eigentlich braucht man etwa drei Abende. Ich bin nicht begeistert. Die ganze Bildsituation überfordert mich, es gibt keine ruhige Minute und unendliches Gewirr und Gerenne, bis man kapiert hat wer wer ist- also sehr viele Personengruppen, – ich bin eindeutig nicht die Zielgruppe.

Und die Geschichte ist die ewig alte von Krieg und Zwist und Niedertracht. Und alles so blau hier. Die Faszination des ersten Avatar hat mich nicht wieder. Zumal ich Avatar als einen Begriff aus der Religion kannte, der eine menschliche Inkarnation Gottes bezeichnet, soweit ich weiß. Ja klar, nur ein Gott wollte Mensch werden, sprach die Pastorin im Radio. Das stimmt aber so ganz und gar nicht. Ich denke Gott war öfter hier und ist es vielleicht auch jetzt. Die wenigsten treffen ihn ja.

Von Babadschi zum Beispiel hörte ich. Überhaupt ist er in Indien wohl häufiger als hier.Und blau waren die da auch schon, damals, von Krishna bis hin zu diversen Buddhas, und ich kann überhaupt nicht begreifen, wieso nur ein Buch die wahre Geschichte erzählen soll, wenn doch andere so viel älter sind.

Jedenfalls sind die alten Geschichten immer noch in allen Filmen präsent.https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/avatar-fire-and-ash-2025 Ich muss mir wohl eine 3D Brille zulegen…

Inselfeeling

http://www.infocanaria.de/html/hautacuperche.html

Das ist ein KI erzeugtes video, welches mir gut gefällt! Shola selbst ist hier mit der Statue des Hautacuperche im Valle Gran Rey zu sehen. Es ist toll, wie in so kurzen Sekunden so viel Aussage rüberkommen kann. Es ist „nur“ eine Werbung für Kleider? Ach nein. Die Liebe und Verbindung zur Insel La Gomera, sie dauert für alle, die einst dort lebten, immer an.

Hautacuperche selbst wird in den Beschreibungen als Mörder genannt, was ja doch eine gewisse Verzerrung der Geschichte darstellt. Die Canarios haben ihren Stolz und sehen sich bis heute nicht ausschließlich als Spanier. Soweit ich weiß, haben Genetische Analysen ergeben, dass die Ureinwohner einst mit Berbern aus Nordafrika verwandt waren. Auf La Gomera besteht noch die größte Übereinstimmung mit Ureinwohnergenen.

Shola kam auf die Insel, und sie malte. Heute macht sie daraus auch wunderschöne Kleider und Seelenbilder, und sie ist so ein kreativer spiritueller Geist, der inspiriert und weitergibt.

Ich selbst würde mich nicht mit der bekannten Statue darstellen, bin aber ebenso verbunden und liebe die Berge wie das Meer sowie manches mehr…(und Sholas Bilder)

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