Ich erstand auf dem Dorfflohmarkt eine „alte“ Kamera. Diese Canon EOS 500 ist zwar vollautomatisch, aber eben noch analog: Mit Film! Sie wurde ab 1993 für ein paar Jahre gebaut, das war das Jahr, in dem ich meine Fotografenbildung abschloß und von da an begann die Digitalisierung in diesem Handwerk. Damals machten wir sie noch „schlecht“, meine Güte wie lange ist das her. Eben so geht es mir mit den alten Sachen auf den Flohmärkten, dass ich sie als etwas Bekanntes aus meinem Leben entdecke, was nun mittlerweile bereits in einem Museum einen Platz gefunden hat. Tatsächlich gibt es ein solches Kameramuseum.
Während ich noch versuchte, mich an die Bedienung zu erinnern und den ersten Testfilm mehr schlecht als recht abspulte, -das Ergebnis sehen wir erst nach Entwicklung und das dauert, es gibt auch nur noch zwei Arten Film.- bekam ich am gleichen Tag auch noch zwei große Kartons mit völlig verstaubten Büchern gebracht. Mein Freund hilft mal wieder bei einem Umzug einer älteren Bekannten, die ihr Haus verkauft und in eine Rentnerwohnung zieht. Hier gibt es einen Rentnerwohnverein mit kleinen Wohnungen in einigen Orten. Sehr günstig mit Berechtigungsschein.
Der Zustand der Bücher war eigentlich für die Tonne. Das ganze Haus soll in einem verwahrlosten Zustand sein, doch das geht ganz schnell wenn wir krank werden und einfach nicht mehr können. Ich fand ein paar singleschallplatten aus den sechzigern, Bücher über geistiges Heilen aus den achzigern und so -ich kann ja noch putzen wenn ich will- rettete ich mal wieder .
Es regnet übrigens richtig heute bei mehr als 20 grad Celsius, das tropische begünstigt das Wachstum enorm….und so stöber ich mit Vergnügen in „Das Okkulte“ von Colin Wilson, März Verlag , im Original 1971, auf deutsch erst 1981 sowie “ Auf den Spuren Carlos Castanedas“ 1981 im zero Verlag. Äußerst interessant. Also ich betrete ja keine esoterischen Buchhandlungen mehr, weil alles nur ein Aufguss des Alten ist. Weil auch nicht mehr alles richtig ist, meiner bescheidenen Ansicht nach.
Apfelmus habe ich heute auch schon geschaffen aus Äpfeln der Gärten meiner Freunde. Ja und fotografiert habe ich die auch. Filmnegative aus Gelatine, weiß das noch jemand? Sie bestehen aus den Knochen von Rindern, und ohgott wie unzeitgemäß, das ist ja Steinzeit als Menschen noch Tiere aßen, und zu den Negativen kann man sagen, sie bestehen. Sie bestehen sehr lange, jedenfalls länger als meine Festplatte, ich halte nichts von clouds die alle meine Bilder speichern in einem ominösen „Raum“, der nicht der meine ist. Knochen sind das was am längsten besteht, Minerale, Silber, das ist gewissermassen Natur , LICHT und Chemie, Alchimie, so empfand ich es immer als ich früher im Labor arbeitete. Heute erinnere ich mich nur. Denn all die Negative von einst habe ich nicht mehr, bei all den vielen Umzügen gingen sie anderswo hin. Falls mal wirklich alles Netz abgeschaltet wäre, oder gar der Strom- dann ja dann. Hätte ich historische Bilder von Äpfeln.
Ich erfuhr auch endlich von einem Cousin, dass der Ort, wo meine Mutter als Kind aufwuchs bis zur Flucht, heute Susz heißt und früher Rosenberg. Meine Mutter ist schon fast 30 Jahre nicht mehr, aber Ansichtskarten von diesem früheren Rosenberg sind -im Netz. Ist schon toll.


toll ist auch, wie du dein Leben mit der Zeit und der Technologie vor uns aufblätterst.
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