Film: „Schrotten“

https://www.arte.tv/de/videos/055864-000-A/schrotten/

Diesen Film von 2016 sahen wir gestern auf, arte tv, wo er in der Mediathek noch zwei Monate erhalten bleibt. Wunderbar. Zeitweise mutet er an wie ein Western, in der norddeutschen Provinz. Der spezielle Familienzusammenhalt von speziellen Berufsgruppen mit viel Witz und Komik erzählt. Auch die Frage was überhaupt legal und illegal ist, wie sich die Grenzen verwischen, und vor allem, dass auch Schlips-und Kragenträger mitnichten brav und legal handeln.

Tolle Schauspieler erwecken die Geschichte zum Leben. Es geht um einen Schrottplatz. Früher, als wir Kinder waren, da haben uns solche Orte fasziniert, wie lost places, Sperrmüll, Flohmärkte heute noch, denn sie sind Geschichten. Sie sind Bilder, fern von diesem wohlgeordneten Elternwohnzimmer, dem bürgerlichen Schein, dem verordneten Bravsein. Es steckt in mir drin, die Sehnsucht nach dem Wilden. Das Wilde in mir, vielmehr, das was immer in die Natur wollte. Denn da ist diese organische Ordnung, die sich anderswo auch von selbst einstellt, wenn man sie lässt. Ja, ich kenne auch Menschen, bei denen es fast so aussieht wie auf dem Schrottplatz. Wobei es sich häufig einfach um das Arsenal der Gerätschaften handelt, die auf dem Land zum Einsatz kommen, also der altmodischen Art. Klar, die Nachbarn haben auch einen alten Pflug als Deko auf dem Hof, mit Blumenkasten drauf. Das meine ich nicht. Wenn man die moderne Landwirtschaft mit ihren heutigen Fahrzeugen um sich hat, täglich, dann ist das andere schon Nostalgie. Ich mag alte Geräte. Metall. Rost. Zugewachsen mit Disteln und Brombeeren….

Ein Satz von Gor Rassadin https://www.youtube.com/watch?v=ofDRAvhxFVI– er erklärt uns manches über Russland – (Achtung trigger für Andersdenkende) hat mir sehr gefallen, in etwa: Der Russe hat einen andere Vorstellung von Freiheit. Sie ist für ihn die Wildnis, das offene, ungeordnete.Bei uns ist regulierte Freiheit, also was wir als solche betrachten. Die Gesetze die regeln, welche Freiheit jeder haben soll usw. Es werden mehr und mehr. Nichts wird dem Zufall überlassen. Das Leben ist ja auch nicht zufällig, aber es ist ein organisches Gebilde aus Resonanzen.

Es entfaltet sich- wenn es gelassen wird, wenn es dazu kommt. Das ist so wie beim Malen.

Ich habe schon im Ausland gelebt, wo das teils noch so war. Früher, heute vielleicht nicht mehr. Man nennt es chaotisch, aber nur wenn man das Geflecht dahinter nicht versteht. Beziehungen, Familienbande, Verpflichtungen, – Energien und feinstoffliche Ätherkräfte, was alles am Erschaffen beteiligt ist. Schrott ist Rohmaterial, wertvoller Stoff, und aus ihm wird Neues hergestellt.

2 Antworten auf „Film: „Schrotten“

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  1. Mir hat deine Besprechung von „Schrotten“ super gefallen. Deine Filmbeschreibung versetzt mit persönlichen Eindrücken ist erfrischend zu lesen und erweitert was der Film thematisch vorgibt. Auch, wenn Film nicht so dein Interessenschwerpunkt ist – siehe die Vielfalt deiner Webseite – so freue ich mich darauf gelegentlich eine weitere Besprechung von dir zu lesen.

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