Eine kreative Phase

Solche Phasen hatte ich, aber ich war nie durchgehend Malerin. So betrachte ich mich nie als echte Malerin. Diese BIlder sind aus den Neunzigern! Ich habe sie wiederentdeckt, und so manches wusste ich gar nicht mehr. Ich hatte damals eine Phase in einer Suchtklinik (Fachklinik für Frauen , Altenkirchen) gehabt, wo ich dann auch an einer Patientenzeitung mitmachte, daher die Zeichnung auf dem Titelblatt.

Das Kalenderdeckblatt entstand dann in Schleswig, wo ich an einer Berufsorientierung teilnahm, mit ganz jungen Leuten zusammen, die auch in kreative Berufe wollten. Keinen kenne ich mehr! Ich kam dadurch in meine Fotografenausbildung, wo ich mit über 30 in der Berufsschule mit den 18jährigen saß.

Und dann hatte ich mal einige von den Mitschülerinnen porträtiert, scheint mir.

Warum es mir damals die Meerjungfrauen so angetan hatten- ich denke, es war ein Selbstbild, wo ich mich nur halb vorhanden fühlte. Nach neun Monaten stationärer Therapie- ich glaube, das zahlt heute keiner mehr- kam ich in betreute Form für 5 Jahre, begleitend zur Berufausbildung. Danke Petra und Desiree, forever. Denn es hat gewirkt. Ich wurde nie wieder rückfällig. Dennoch gab es noch viel Arbeit an mir zu tun.

Gemalt habe ich wohl nur, wenn eine unterstützende Hand dabei war. Im Kunsthaus Heide habe ich mal wieder gemalt, viel später. Da gehen beeinträchtigte Menschen hin, und ein Künstlerehepaar gab Material und Raum dafür. Ich ging nur mit einem Freund, der sich allein nicht traute.

Es war merkwürdig: Meine Mutter Elsa begann erst mit dem Malen, als wir Schwestern aus dem Haus gingen. Und als sie begann, hörte ich damit auf. Sie hat uns auf den Weg gebracht, immer Ideen gehabt, was wir machen könnten. Und es war eigentlich ihr eigener Wunsch. Ich weiß nicht, ob ich es nur machte, weil ich es konnte und dafür gelobt wurde. Oder war es meine Rettung, als Kind, mich ausdrücken zu können.

Für sie war es das sicher auch. Sie ist im März schon dreißig Jahre tot. Ich bewunderte früh die expressionistischen Maler, die Kubisten und Abstrakten. Max Ernst und August Macke, all jene, die heute so präsent auf Kalendern und Postern zu finden sind.

Mit meiner Mutter haderte ich. Zweifellos machte sie wunderbare Seidenmalerei, die heute noch existiert. Und Blumenbilder. Sie lernte immer Neues dazu.

3 Antworten auf „Eine kreative Phase

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  1. Sehr schöne, ausdrucksvolle Bilder hast du geschaffen, man merkt, dass du außer Talent sachkundige Anleitung hattest. Mutter-Tochter, ja, eine schwierige Balance, wenn die Mutter autonom, kreativ sich selbst verwirklichend lebt und sich nicht mit der angestammten Mutterrolle begnügt. Da kann die Tochter dann nicht leicht über die Mutter hinauswachsen und sich wohlwollend-liebevoll über sie beugen. Meistens wächst die Tochter der Mutter nur körperlich über den Kopf. Für eine gleichberechtigte Freundschaft ist die Tochter noch zu schwach. Also versucht sie, der mütterlichen Überlegenheit auf anderem Wege zu entkommen.
    Ich habe gleichzeitig mit meinem Sohn mit dem Malen begonnen. Er war 11 und ich 40. Als sein Lehrer mein Talent endeckte und ich Fortschritte machte, hörte er auf. Tja.

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