Die zehnte Katze

Die zehnte Katze

Neun der bei mir lebenden Katzen sind auch bei mir geboren. Die drei Mütter – auch Schwestern- noch in Spanien. Sie kennen mich vom ersten Tag an. Damals, vor sieben, acht Jahren, waren es schon mal mehr als zehn, sogar mehr als zwanzig, weil so viele gleichzeitig geboren wurden. Dann wurden es nach der Welpenzeit schon weniger. Die roten Katerchen fanden neue Leute, doch die schwarzen nicht. Fast alle sind schwarz.
Es ist viel passiert in den Jahren. Umzüge, Krankheiten. Unfälle. Meine Katzen können sich ein Leben ohne mich gar nicht vorstellen. Sie stellen sich nichts vor. Es geht ihnen gut. Gewisse Rangeleien gehören dazu. Ich habe viel gelernt über Leben im Rudel und Katzensprache. Ich bin beliebt, um es mal so zu sagen…
Und wie es so ist, fremde Kater erobern das Revier und klettern nachts durch die Katzentür, um zu fressen. Die könnte ich nie aufnehmen, das wäre wie Terror im eigenen Haus. Wie oft stürzte man nachts aus dem Bett, mit dem Besen in der Hand, wenn das Geknurre und Gefauche los geht.
Am Ende des vorletzten Winters entdeckte ich einen halbverhungerten Tigerkater im Garten. Er musste kämpfen gegen das rote Katermonster, welches hier im Dorf sein Unwesen trieb. Beide bekamen zu fressen. Jede Nacht musste er kämpfen. Er ging nicht wieder weg. Meine eigenen Katzen gingen kaum noch raus wegen diesem Roten. Na, und wegen dem Schnee. Der Tiger, er ist nun meine zehnte Katze.

Das war richtige Arbeit, wie in einer Therapie. Dieses Tier war vermutlich noch nie in einem Haus und er rannte bei jeder Bewegung von mir panisch wieder raus, Wenn ich das Radio anmachte, wurde er panisch. Er wohnte auf der Terasse. Es wurde Herbst und Chico wurde krank. Er hatte Schnupfen, konnte kaum atmen, er konnte nicht mehr kämpfen. Ich schaffte es, ihn in ein leeres Zimmer zu locken, wo er eine Woche lang schlief. Der Rote wunderte sich, und dachte wohl, er sei weg. Und Chico machte sich unterwürfig unter jede meiner viel kleineren Katzen. Das fanden die gut, besonders die rechtlosen. Er hat die ganze Zeit zugesehen, wie sie sich verhalten und alles abgeguckt.

Nun, im Lauf des Jahres hat er sich seinen Platz an meiner Seite erschaffen. Er ist treu wie ein Hund. Er kämpft jetzt für uns. Also er wacht des Nachts auf der Bank draußen. Der eigene schwarze Mauzer, vorher Chef, wurde kürzlich überfahren. Keiner von beiden hatte eine Chance, gegen unkastrierte Kater anzustinken.
Als ich das rote Monster verletzt fand, der nächste Winter, musste ich den fangen und ins Tierheim bringen. Er war wohl schon ziemlich krank und auch sein Verhalten war nicht böse, sondern von Not getrieben. Manche Krankheiten machen die Tiere aggressiv. Niemand wusste, wem er gehört, und man bringt normalerweise kein fremdes Tier einfach weg. Als ich den Tierarzt wegen der Falle anrief, sagten sie, mein eigener Kater sei überfahren aufgefunden worden. Es gibt so Tage. Der Schneesturm tobte.

Chico wurde nicht gesucht. Niemand würde heute glauben, wie scheu er war. Aber er ist anders. Er lässt sich nicht hochheben, war noch nie beim Tierarzt, und er springt nie auf Tische. Wenn Fremde kommen, sind sie hier alle vorsichtig. Umzug? Nicht mal dran denken! Obwohl doch das Klima für uns alle in Spanien besser wär. Meine Familie fragt ab und zu: es werden doch nicht mehr, oder? Aber nein. Noch mehr Kater könnten wir nie verkraften. Mehr Menschen!

Eine Antwort auf „Die zehnte Katze

Add yours

Hinterlasse eine Antwort zu misterkaki Antwort abbrechen

Webseite erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑