Alles Ich?

Es sieht so aus, als hätte ich doch ein paar Glücksmomente gesammelt im Leben. Die anderen fotografiert man nicht. Obwohl auf den ganz alten Bildern ich niemals gelächelt habe. Es existieren Mengen davon, denn mein Vater hat fotografiert in jeder Lebenslage, wir hatten sogar ein eigenes Schwarz-Weiß-Labor im Keller. Und wer will schon immer lächeln.

Ich würde mich nicht mal wieder erkennen. Vor den neunzigern…ich war doch jedes Mal eine andere. Ich mochte es, mich hinter Rollen zu verstecken und nahm auch oft das Lächeln meines Gegenübers an, ohne es bewusst zu imitieren. Ich passte mich an Mimik und Gestik des jeweiligen Landes an, in dem ich lebte. Ach, die Phillippinos lachten so viel! Und in Spanien da konnte man strahlend lächeln, während es hierzulande etwas missverstanden wurde…anfangs hatte ich das noch.

Was will die denn ? dachten sie . Und auf den Fotos kommt es ganz darauf an, wer sie macht und wen man anguckt dabei. Die schönsten sind,glaube ich, von kleinen Kindern gemacht worden, denn die guckt man selbst immer so freundlich und echt an. Das Unechte, ich mochte es nie. Es blickte mich an, als ich im Portraitstudio meine Fotografenlehre machte. Da machten wir auch ständig Bilder, wo die geblieben sind, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Es war noch nichts digital!

Nach dem ganzen Richten der Lampen und des Bildausschnittes strengten sich Leute unweigerlich an, ein schönes Gesicht aufzusetzen. Das schenkten sie dann den Angehörigen zu Weihnachten. Da hatten wir immer Hochbetrieb, machten Überstunden im Labor. Es war auch eine tolle Zeit. Manche Leute sind ja immer schön. Andere musste der Fotograf schön machen.

Aber ich fotografiere nun mal lieber Steine. Und Katzen.

Aus dem Alter für selfies bin ich ja heraus.

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