Ich habe heute Ruhetag. Die Gaststätten nicht, jedenfalls die die noch geöffnet haben. Denn nach und nach sterben hier die großen Landgaststätten, alte Häuser mit großen Sälen.
So gab es hier gestern Abend das alljährliche Rock op n Dörp mit regionalen Bands, drei an der Zahl. Weißhaarige Bands und fetzig. Die alten Herren können ihre Kunst. Metal kam zuerst, das ist hier die beliebteste Musik im Norden, es muss wohl an Wacken liegen. Nach zwei Stunden Tanzen ( mit Ohrenstöpseln!) im holzgetäfelten Saal mit den Schützenkönigplaketten an der Wand verabschiedete ich mich, ich hatte einen langen Tag. Die Band hieß Alpha Slave und mir erschließt sich die Bedeutung nicht.
Die anderen Tänzerinnen jenseits der 50 machten wohl noch lange weiter. Die meisten kennen sich. Von Halloween sah ich glücklicherweise nichts, denn ich fürchtete mich etwas vor gruseligen Anblicken, die ich nicht vergessen könnte. Außer- etwas Wunderlich Schönes: Drei Reiterinnen jugendlichen Alters ließen ihre geschmückten Pferde langsam durchs leere Dorf schreiten im Dunkeln. Sie hatten sie mit Lichterketten in Schweif und Mähne herausgeputzt,, und die eine war wie eine Königin mit rotem Tuch und daran befestigten Lichtern stolz im Sattel sitzend. Das ist mal eine Art, Halloween richtig zu feiern finde ich, und es scheint, das die Lust am Verkleiden und am Ritual ein großer Antrieb ist, dieses Fest so beliebt zu machen.
Ich stand früh auf, um die Kätzchen eines Freundes zu versorgen. Das nennt sich Helferkreis, Nachbarschaft, Freundeskreis. Das große alte Haus ist selbst ein verzauberter Ort, vollkommen mit Efeu bewachsen, der nun auch ins Innere vordringt. Es ist eine halbe Ruine, die ja immer etwas Magisches an sich haben, und das mitten im Ort, wo schon der Investor nebenan neue Häuser mit Wärmedämmung und so weiter gebaut hat. Manch alte Leute halten sich tapfer.
Und so hat auch das zwangsweise Heizen mit Holzofen mittlerweile etwas Schönes und Einfaches, für mich. Während andere über Feinstaub und Dreck stöhnen, ist das Holzfeuer und sein Geruch mir etwas Heiliges. Es verbindet mich mit der Vergangenheit und den Vorfahren, mit Selbstwirksamkeit, Unabhängigkeit, Freiheit.
Um ein Feuer zu sitzen ist in unseren Genen. In meinen Knochen aber auch, denn das Holz schleppen und lagern und ständig drauf achten hat mich doch schon etwas erschöpft. Aber ich weiß, dass ich überleben kann.
Diese Woche noch machen wir eine Ahnenmeditation. Und ja, es gab irgendwo Demos.


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